Whatsapp, Signal, Threema: Messengerdienste auf SMS-Niveau befürchtet
Die EU-Kommission will vorerst nicht die Interoperabilität von Messengerdiensten verlangen. "Im EU-Parlament wird das gefordert, aber wir haben uns dem noch nicht angeschlossen. Denn es könnte Innovationen auch ersticken", sagte die Vize-Kommissionspräsidentin Margrethe Vestager in einem Interview mit dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster). Vestager befürchtet einen Verlust an gewohnten Funktionen: "Denken Sie an die SMS: Die gibt es schon sehr lange, und sie hat sich kaum weiterentwickelt."
So könnten bei SMS beispielsweise keine Gruppen erstellt werden. "Wenn wir jetzt vorschreiben, dass alle Messenger kompatibel sein müssen, könnte das dazu führen, dass wir eine Art SMS zurückkriegen", sagte Vestager und fügte hinzu: "Unsere Ansätze sind darum etwas breiter gefasst. So wollen wir vorschreiben, dass auf einem Handy mehrere App-Stores installiert werden können. Aber wir gehen nicht so weit, dass diese Stores miteinander kompatibel sein müssen."
Die EU-Kommission hat im vergangenen Dezember Vorschläge zur Regulierung der großen US-amerikanischen IT-Konzerne vorgelegt. Das Digitale-Dienste-Gesetz (DDG, engl.: DSA) und das Digitale-Märkte-Gesetz (DMG, engl. DMA) sollen die Wettbewerbsfähigkeit kleiner europäischer Dienste stärken und die großen Anbieter besser kontrollieren.
Auch SPD fordert Interoperabilität
Schon vorab hatte das Europaparlament einen umfangreichen Forderungskatalog dazu aufgestellt. Das Digitale-Dienste-Gesetz soll demnach(öffnet im neuen Fenster) "ein angemessenes Maß an Interoperabilität für systemrelevante Betreiber" sicherstellen.
Die SPD fordert in ihrem kürzlich vorgestellten Wahlprogramm: "Es muss möglich sein, zwischen verschiedenen Messengerdiensten, sozialen Netzwerken und digitalen Plattformen zu kommunizieren oder zu wechseln. Diese Interoperabilität werden wir gesetzlich vorschreiben."
Von Seiten der EU-Kommission ist offenbar keine Unterstützung für diese Pläne zu erhalten. Allerdings könnten die EU-Mitgliedstaaten und das Europaparlament dies in die geplanten Verordnungen einfügen, wenn es dazu eine gemeinsame Linie gibt.
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