Whatsapp: Krankschreibung auf Knopfdruck

Ein Hamburger Gründer verkauft Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen per Whatsapp. Ist das rechtens? Ärztevertreter warnen vor den Folgen.

Artikel veröffentlicht am
Erkältet? Dr. Whatsapp hilft.
Erkältet? Dr. Whatsapp hilft. (Bild: Tim Reckmann/CC-BY 2.0)

Läuft die Nase? Tut der Kopf weh? Schmerzen die Glieder? Wer diese drei Fragen mit Ja beantwortet, kann künftig einfach im Bett bleiben - und muss sich für eine Krankschreibung nicht mehr zum Arzt schleppen. Auf dieser Idee basiert das Geschäftsmodell des Hamburger Gründers Can Ansay: Statt erkältet im Wartezimmer zu sitzen, muss man nur ein paar Fragen beantworten, eine Gebühr per Paypal überweisen, seine Daten und die Krankenversicherungsnummer eingeben - und kann sich so per Whatsapp krankschreiben lassen.

Inhalt:
  1. Whatsapp: Krankschreibung auf Knopfdruck
  2. 10.000 Patienten per Whatsapp krankgeschrieben
  3. Sich selbst krankschreiben

Ende 2018 hat der 42-Jährige das Startup AU-Schein in Hamburg gegründet. Sein Geschäft: Er verkauft Krankschreibungen. "Jeder weiß doch eigentlich, wann er eine Erkältung hat und was zu tun ist", sagt Ansay. Patienten müssten also nicht jedes Mal wieder zum Arzt gehen und sich eine Therapieempfehlung anhören. Erkältungen seien harmlos und häufig - und darum ideal, um mittels Fragebogen aus der Ferne diagnostiziert zu werden. "Dadurch werden Ärzte entlastet, die so mehr Zeit für andere Patienten haben."

Aber noch hat die Sache ein paar Haken. In Hamburg etwa dürfen Ärzte nur dann eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach einer Ferndiagnose ausstellen, wenn sie den Patienten zuvor mindestens einmal persönlich gesehen haben. Bis Mai 2018 galt das "ausschließliche Fernbehandlungsverbot" in allen Bundesländern, dann wurde die Regelung auf dem Deutschen Ärztetag gelockert. In Schleswig-Holstein etwa dürfen Ärzte nun auch Patienten behandeln, ohne sie jemals gesehen zu haben.

Auch in Hamburg soll das Fernbehandlungsverbot fallen. Whatsapp sei als Diagnosekanal aber ungeeignet, da es so zu gar keinem persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patienten komme, warnt der Präsident der Hamburger Ärztekammer, Pedram Emami: "Die ärztliche Sorgfaltspflicht gegenüber der Patientin oder dem Patienten muss immer im Vordergrund stehen."

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Can Ansay weiß das. Er ist Jurist und kennt sich im "Paragrafendschungel", wie er sagt, sehr gut aus - mit seinem Unternehmen habe er "eine Lichtung" entdeckt.

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10.000 Patienten per Whatsapp krankgeschrieben 
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crazypsycho 12. Aug 2019

Du hast davon gesprochen, dass man eben diese nicht vorlegt und der AG beweisen müsste...

plutoniumsulfat 11. Aug 2019

Es geht ums krank sein. Fühlen ist in dem Fall unerheblich, denn das ist nicht ansteckend.

JackIsBack 10. Aug 2019

Ganz ehrlich, das ist mir egal. Dann sollen sie halt prüfen ob er für die Stelle...

crazypsycho 09. Aug 2019

Hier zum Beispiel: https://www.praktischarzt.de/blog/bieterverfahren-wartezimmer-arzt...



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