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Whatsapp-Alternative: Mit dem eigenen Signal-Proxy gegen staatliche Zensur

Ein Proxy soll Signal -Nutzern dabei helfen, staatliche Blockaden zu umgehen. Das Team will an weiteren Anti- Zensur -Techniken arbeiten.
/ Sebastian Grüner
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Signal ist im Iran derzeit nicht nutzbar. (Bild: Edward Smith/Getty Images)
Signal ist im Iran derzeit nicht nutzbar. Bild: Edward Smith/Getty Images

Das Entwicklungsteam des freien und sicheren Messengers Signal hat den Quellcode zu einem einfachen TLS-Proxy veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) . Dieser soll sich auf eigenen Systemen einfach aufsetzen lassen, was dabei helfen soll, staatliche Blockademaßnahmen zu umgehen. Der Signal-Traffic des Messengers werde so sicher über den Proxy geleitet. Gedacht ist dies hauptsächlich als Übergangslösung für Nutzer im Iran, die derzeit wegen staatlicher Blockademaßnahmen den Signal-Messenger nicht nutzen können.

Im Zuge des Ultimatums an Whatsapp-Nutzer , den neuen Geschäftsbedingungen zuzustimmen, sind weltweit sehr viele Nutzer als Alternative auch auf Signal gewechselt , was das Team selbst zwischenzeitlich vor massive Problem gestellt hat. Der deutliche Nutzeranstieg des sicheren Messengers hat aber aber auch dazu geführt, dass Signal im Iran auf der staatliche Blockierliste gelandet ist. Der Messenger lag zuvor auf Platz 1 der Downloads im Iran(öffnet im neuen Fenster) und kann derzeit in dem Land nicht ohne Weiteres genutzt werden.

Um das dennoch zu ermöglichen, gibt es nun den TLS-Proxy, dessen Nutzung bereits in der aktuellen Beta-Version des Signal-Clients für Android unterstützt wird. Das Team schreibt in der Ankündigung(öffnet im neuen Fenster) dazu: "Wir hoffen, dass dies vielen Menschen im Iran helfen wird, wieder Nachrichten zu senden und zu empfangen, während wir weiterhin zusätzliche Technik zur Umgehung der Zensur untersuchen, die dort funktionieren wird."

Signal umgeht staatliche Zensur

Dem Team von Signal setzt sich seit Jahren dafür ein, staatliche Zensur und Blockaden zu umgehen, damit der Dienst tatsächlich weltweit überall eingesetzt werden kann. Dazu hat das Team vor etwas mehr als vier Jahren auf das sogenannte Domain-Fronting gesetzt, damit Signal trotz Blockaden auch in Ägypten genutzt werden kann. Das Vorgehen brachte den Verantwortlichen später sogar Probleme mit Amazon ein.

Mit dem nun veröffentlichen TLS-Proxy können alle, die über einen Webserver verfügen, dem Team dabei helfen, Signal im Iran wieder nutzbar zu machen. Der Proxy leitet dabei sämtlichen Traffic von Signal einfach nur weiter, ohne dass Proxy-Betreiber Einblick in die Inhalte der Nachrichten nehmen können. Darüber hinaus ist der Traffic zu dem Proxy selbst so gestaltet, dass er so gut wie möglich im Hintergrund verschwindet und möglichst schlecht entdeckt und blockiert werden kann.

Werden einzelne Proxy-Server sehr bekannt oder deren URLs vielfach öffentlich geteilt, steigt damit natürlich auch die Gefahr, dass die dazugehörigen IP-Adressen im Iran blockiert werden, weshalb das Signal-Team zu einem zurückhaltenden Vorgehen rät. Das Team gibt sich dennoch zuversichtlich: "Obwohl es einfach ist, neue Proxys zu starten, wenn einer blockiert wird, möchten wir alles tun, um die iranische Zensur so schwierig wie möglich zu machen. Solange es Server auf der Welt gibt, gibt es keine Begrenzung für die Anzahl der Signal-TLS-Proxys, die Benutzer ausführen können."


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