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Wework: Die Kaffeeautomatisierung des Lebens

WLAN, ein Tisch, frischer Latte Macchiato und schlaue Köpfe hinter Computern: Mit diesen Zutaten wollte die idealistische Coworking-Bewegung die Arbeitswelt revolutionieren. Herausgekommen ist die Plattformisierung vor allem in Gestalt von Wework - modular, effizient und pragmatisch.

Ein Essay von Michael Seemann veröffentlicht am
Die Wework-Räume am Potsdamer Platz in Berlin
Die Wework-Räume am Potsdamer Platz in Berlin (Bild: Michael Seemann)

Was der Unterschied sei zwischen einem Americano und einem Regular Coffee werde ich auf Englisch gefragt, während ich an der Kaffeemaschine in der Schlange stehe. Automat würde irgendwie abwertend klingen, dabei hat er wirklich viele Auswahlmöglichkeiten. Die Maschine steht bei Wework in Foyer und reflektiert in gewisser Weise das gesamte Wework-Erlebnis: Qualität und Flexibilität von der Stange. Wework ist eine Art Coworking-Office-Space-Konzern mit einem weltumspannenden Filialnetz. Alleine fünf Standorte gibt es in Berlin, ein weiterer kommt bald hinzu und in dem am Potsdamer Platz warte ich darauf, für eine Führung abgeholt zu werden.

Als ich mich vor zwölf Jahren das erste Mal mit dem Thema Coworking beschäftigte, war nicht abzusehen, was daraus einmal werden würde. Wir dachten noch in Utopien von neuer Arbeit, jenseits der fremdbestimmten Festanstellung; träumten davon, wie das Internet die Beziehung von Unternehmen und Einzelnen zugunsten einer neuer Selbstbestimmung austarieren würde. Wework ist die von allem Idealismus entledigte Kaffeeautomatenversion dieser Utopie. Es ist damit aber auch nur Teil einer globalen Entwicklung, die aus den Internetträumen von damals die heutige Plattformformisierung von allem zimmert. Ich trinke einen Schluck Kaffee. Er ist wirklich gut.

Auch ich kann Coworking

Eine junge Frau kommt mit dem Fahrstuhl im Foyer an und begrüßt mich freudestrahlend. Tatjana, die eigentlich anders heißt, aber hier nicht genannt werden möchte, spricht ebenfalls nur Englisch und ist mein Tourguide. Ich behaupte, dass ich mich als Freelancer für einen Platz hier interessiere. Im Fahrstuhl fragt Tatjana, was ich so tue und ich sage, ich sei Journalist.

Ich habe noch viele andere Hüte auf: Einer davon ist, dass ich ebenfalls mit Coworking zu tun habe. Ich helfe bei der Verwaltung und Vermietung und bekomme meinen Tisch dafür günstiger. Alles hat damit angefangen, dass ich selber jahrelang einen Coworking-Space betrieb, damals am Weichselplatz in Neukölln. Nichts Besonderes. Ein paar Tische und Stühle, WLAN und eine nette, ruhige Atmosphäre. Reich wurde ich damit nicht, aber es finanzierte meinen eigenen Schreibtisch. Als der Vertrag auslief und ich den Laden dicht machte, bot ich mein Know-how einem sich neu gründenden Space an. Ich bin also vom Fach, quasi.

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Ein Unterschied ist, dass wir nur 15 Leute beherbergen, nicht 253.000, wie es Wework weltweit tut. Diese Viertelmillion verteilt sich auf 283 Standorte in 75 Städten in 22 Ländern. Nach einer 4,4-Milliarden-Dollar-Investition des japanischen Techkonzerns Softbank wird das Unternehmen derzeit mit 20 Milliarden US-Dollar bewertet.

Wework beherbergt vor allem Unternehmen

Wir erreichen den dritten Stock. Tatjana führt mich durch enge Gänge, die sich wie ein Labyrinth verschachtelt durch die Etage schlängeln und in denen man sich verlieren kann. Links und rechts sind wir flankiert von großflächigen Glasscheiben, dahinter arbeiten Startup-Menschen fleißig an ihrem nächsten heißen Ding. Die einzelnen Büroräume - bei Wework heißen sie Private Offices - sind meist für drei bis zehn Personen ausgelegt, aber Tatjana versichert mir, dass es auch größere gibt. Die Schreibtische sind funktional, die Bürostühle sehen solide und bequem aus. Wework schafft es, die Büros sehr platzsparend zu bauen und dabei trotzdem knapp am Beengtheitsgefühl vorbeizuschrappen.

Wo denn noch andere Freelancer sitzen, frage ich. So Leute wie ich halt. Tatjana lächelt. "Da kommen wir noch hin." Vorher fahren wir allerdings noch einige Etagen rauf und runter. Auf jeder Etage gibt es eine Teeküche mit Sofas, schalldichte Telefonboxen und unterschiedlich eingerichtete Konferenzräume. Schließlich kommen wir zu einem größeren Raum. Hier sitzen sieben Leute, die kein eigenes Büro (Private Office), sondern einen Dedicated Desk gemietet haben, also einen festen Schreibtisch. Ob das alle Selbstständigen hier seien, frage ich. Nein, es gebe noch weitere mit Hot Desk Membership, die hätten keinen eigenen Schreibtisch und würden vor allem in den Aufenthaltsräumen arbeiten, erklärt Tatjana.

Ich kann durchaus nachvollziehen, warum es so wenige sind. Ein Dedicated Desk, also ein fester Schreibtisch, kostet bis zu 390 Euro netto - die Preise schwanken leicht von Standort zu Standort. Das ist nicht konkurrenzfähig in Berlin und die Hot Desks sind mit ca. 340 Euro netto sogar ein völliger Mondpreis für eine Mitgliedschaft ohne festen Schreibtisch. Schon die Hälfte wäre zu teuer für Berlin.

Tatsächlich gehören laut Unternehmensangaben auch nur etwa 5 Prozent der rund 7.000 deutschen Wework-Mitglieder zu der Gruppe, die man sich klassischerweise unter Coworkern vorstellt, also Freelancer oder Einzelunternehmer. 75 Prozent machen Startups und Scaleups aus und die restlichen 20 Prozent sind Corporate Kunden, Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern, die hier einzelne Abteilungen auslagern.

"Wework ist eigentlich kein richtiges Coworking" sagt Tobias Kremkau. Er leitet das Coworking im St. Oberholz und ist nebenbei als Coworking-Evangelist und -Experte unterwegs. Wework sei vielmehr ein "Serviced Office Anbieter". Deswegen beherberge es auch fast ausschließlich Firmen. Die Preise für einzelne Arbeitsplätze nennt Kremkau "prohibitiv hoch". "Die wollen gar keine Freelancer", sagt er, schließlich seien die Kosten pro Person relativ gesehen viel höher, als wenn man gleich sieben Leute unter einen Private-Office-Account verwaltet.

Kremkau versucht im St. Oberholz hingegen, den originalen Gedanken des Coworking aufrechtzuhalten: der Einzelne in seiner Freiheit und Individualität, aber gemeinsam mit anderen in einem Büro.

Nichts als schlaue Köpfe hinter Desktop-Displays 
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ElTentakel 04. Aug 2018 / Themenstart

Ich hätte gerne irgendwie beides ... flexible Arbeitszeiten mit flexibler Entlohnung und...

Ymi_Yugy 25. Jul 2018 / Themenstart

Ich glaube man macht einen Fehler, wenn man die physische Arbeitsumgebung völlig außer...

KlugKacka 24. Jul 2018 / Themenstart

Siehe ein Post vor Deinem.

KlugKacka 24. Jul 2018 / Themenstart

doppelplusgut

KlugKacka 24. Jul 2018 / Themenstart

Du bist halt nicht Hipp und arbeitest ernsthaft am Rechner und twitterst nicht nur.

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