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Outgesourcte Hippness als zubuchbares Businessmodul?

Philipp Bohn ist angestellt bei Unify, einem internationalen Telekommunikationskonzern. Er ist dort produktverantwortlich für die Kollaborationssoftware Circuit und das Startup Bluekiwi und arbeitete mit einem kleinen Team einige Monate lang bei Wework. "Wir wollten raus aus den eigenen Strukturen", sagt er. "Neue Umgebung, andere Leute, anderes Umfeld." Es sollte auch ein "Signal" sein, an das Team aber auch an die Kunden, die teils selbst schon da sind, und an die Partner. Das Team war sowieso größtenteils virtuell aufgestellt, verteilt auf die ganze Welt. "Wework reflektiert physisch wie wir eh schon arbeiteten", sagt Bohn. Es biete zudem auch eine andere Atmosphäre als ein Konzern, zum Beispiel wenn man zum Meeting einlade. Die Atmosphäre bei Wework sei innovativer, offener und insgesamt zeitgemäßer, "aber eben auch nicht zu crazy. Hier muss man auch nicht auf Europaletten sitzen wie in manch anderem Coworking-Space."

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Wework hat gewissermaßen eine Art kulturelle Scharnierfunktion und bildet den Missing Link zwischen "ausgeflipptem" Coworking- und der eher konservativen Corporate-Welt. Ist Wework also nur das domestizierte Abziehbild einer einst radikalen New-Work-Pose? Outgesourcte Hippness als zubuchbares Businessmodul?

Das wäre zu einfach. Tatsächlich reflektiert Wework sehr gut, was aus der neuen Arbeit in Wirklichkeit geworden ist. Die Arbeitswelt hat sich ja tatsächlich gewandelt - nur halt nicht so eindimensional wie wir damals glaubten. Zwischen den damals als Dualität gedachten Polen des ungebundenen kreativen Freiberuflers und dem bis zur Rente festangestellten Konzernsoldaten hat sich ein großes Feld aufgespannt mit allerlei neuen Arbeitsmodellen, die irgendwo dazwischen liegen: vom festen Freien, zu den nur noch halbtags Angestellten, zu den Leuten im Sabbatical oder den vielen Arbeitskräften, die donnerstags und freitags Homeoffice machen.

Ja, es gibt mehr Freelancer als je zuvor, aber viel mehr noch gibt es diejenigen, die irgendwo zwischen Festanstellung und Freiberuflertum ihre Nische gefunden haben. Die Arbeitswelt hat sich vor allem entzerrt und diversifiziert. Es passiert vieles gleichzeitig und nebeneinander statt entweder-oder. Das hat Wework frühzeitig erkannt und die entsprechend flexible Infrastruktur dafür angeboten.

Alles kann ein Arbeitsplatz sein

Aber auch das Arbeitsplatzangebot hat sich in der Zwischenzeit aufgefächert. Natürlich sitzen einige immer noch im Café, andere haben zu Hause einen Schreibtisch im Arbeitszimmer und vereinbaren so Familie und Beruf. Wieder andere haben die gute alte Bibliothek für sich wiederentdeckt und Pendler arbeiten mittlerweile routiniert im ICE, seitdem auch dort WLAN verfügbar ist. Der Ort der Arbeit hat sich wie die Arbeit selbst entgrenzt und jeder Ort mit Tisch und Internet macht den Coworking-Spaces - und Wework - Konkurrenz.

"Alles kann heute ein Arbeitsplatz sein. Bei gutem Wetter und WLAN kann man auch im Park sitzen und arbeiten", sagt Wybo Wijnbergen, General Manager für Nordeuropa bei Wework. Seiner Ansicht nach ist das, was Wework darüber hinaus anbietet der Zugang zur Community. Von anderen lernen, sich austauschen, zusammen Projekte machen und dabei mehr Geld verdienen, das sei der eigentliche Mehrwert der Wework-Mitgliedschaft und rechtfertige auch die höheren Preise. Eine Umfrage habe ergeben, dass 70 Prozent der Mitglieder mit anderen kollaborierten.

Viele Wework-Kunden, mit denen ich gesprochen habe, konnten diesen Mehrwert - verglichen zu anderen Coworking-Spaces - nicht so recht bestätigen. Das Arbeiten bei Wework sei vergleichsweise anonym, der Austausch eher rar. Das liege gar nicht so sehr am Unternehmen selber - die Bemühungen zur Stärkung der Community seien durchaus sichtbar. Es ist eher der spezifische Mix der Menschen, die dort arbeiten. Der Wunsch nach Austausch ist bei Corporate-Angestellten vielleicht nicht so groß, wenn für sie am Ende des Tages vor allem das Netzwerk innerhalb des eigenen Unternehmens zählt.

Trotzdem ist die Betonung der Community bei Wework mehr als reiner PR-Sprech - zumindest ist es ein nachvollziehbares Ziel. Tatsächlich tut Wework viel, um den Austausch zu fördern. Überall hängen Displays, auf denen Freelancer oder Startups in Rotation ihre Dienste oder Produkte anpreisen. Es gibt regelmäßige Veranstaltungen und im vergangenen Jahr hat Wework das Startup Meetup akquiriert, eine Onlineplattform zur Organisation von Offline-Events. Ein idealer Match, freut sich Wijnbergen, denn genau als das sieht er Wework: die physische Instanz der digital gewordenen Kollaboration.

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 Vom Weltraumkommunismus à la Star Trek zum MonopolIst Wework eher Offline-Facebook oder -LinkedIn? 
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ElTentakel 04. Aug 2018

Ich hätte gerne irgendwie beides ... flexible Arbeitszeiten mit flexibler Entlohnung und...

Ymi_Yugy 25. Jul 2018

Ich glaube man macht einen Fehler, wenn man die physische Arbeitsumgebung völlig außer...

KlugKacka 24. Jul 2018

Siehe ein Post vor Deinem.

KlugKacka 24. Jul 2018

doppelplusgut

KlugKacka 24. Jul 2018

Du bist halt nicht Hipp und arbeitest ernsthaft am Rechner und twitterst nicht nur.


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