Abo
  • Services:

Vom Weltraumkommunismus à la Star Trek zum Monopol

Stellt man sich den Immobilienmarkt als Protokollstapel vor, hat sich Wework zwischen den Vermieter- und den Mieter-Layer (also die Firmen) als Management-Layer geschoben. Dinge, um die sich sonst jedes Unternehmen Gedanken machen muss, - von der Büroausstattung, der Organisation der Arbeitsplätze, bis hin zu Internet, Kaffee und Bierversorgung, aber auch Sicherheit und Postzustellung - hat Wework in seinen Service-Layer integriert und damit für die Firmen zu einer monatlichen Rechnung wegabstrahiert. Wework ist Büro as a Service, mit allem inklusive.

Stellenmarkt
  1. Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin
  2. Teckentrup GmbH & Co. KG, Verl

Dafür hat das Unternehmen auch einiges an Dateninfrastruktur aufgebaut. Jedes Wework-Mitglied installiert sich eine App, mit der es am Communitygeschehen teilnimmt, aber auch etwa einen Konferenzraum bucht. Dadurch weiß Wework viel über Auslastung und Crowdflows innerhalb seiner Filialen und kann entsprechend optimieren. So haben die Daten ergeben, dass in Deutschland große Konferenzräume öfter gebucht werden als in anderen Märkten. In den USA werden derweil auch Sensoren an den Schreibtischen getestet, die für die individuelle Optimierung von Arbeitsumgebungen genutzt werden sollen.

Wie es sich für einen Protokoll-Layer gehört, ist auch Wework vor allem Software. Es besitzt fast keine Immobilien, sondern mietet sich ein. Zwar gehören die Tische, Glaswände und Router dem Unternehmen, doch das stimmt auch nicht immer. Für IBM in New York genauso wie für Amazon in Seattle managt Wework ganze Gebäudekomplexe als Dienstleistung. Powered By We heißt das Produkt und macht klar, dass Wework in erster Linie Büromanagement-Kompetenz verkauft - ob in seinen eigenen Filialen oder den Gebäuden ihrer Kunden ist dabei fast egal.

Abgeordnetenhaus outgesourct

Dieses Know-how nutzt auch der FDP-Politiker im Berliner Abgeordnetenhaus, Bernd Schlömer, für sich, aber vor allem für seine Mitarbeiter, darunter Ann Catrin Riedel. Es sei eine rein pragmatische Entscheidung gewesen, die sie gemeinsam getroffen hätten, sagt Riedel. Der Platz im Abgeordnetenhaus sei eben beengt und ein großes Wahlkreisbüro in Friedrichshain-Kreuzberg wäre zu teuer gewesen. "Das ist am Ende auch eine Kostenfrage."

Bevor sie anfing für Schlömer zu arbeiten, saß Riedel im St. Oberholz und vermisst es ein bisschen. Zwar sei sie grundsätzlich zufrieden bei Wework, aber Coworking sei das nicht, pflichtet sie Tobias Kremkau bei. Sie habe in all der Zeit keinen einzigen Selbstständigen getroffen. Überhaupt sei die Atmosphäre bei Wework eher anonym.

Der Erfolg kommt erst mit dem Preisschild

Im Grunde kann man die Entwicklung, die das Coworking mit Wework genommen hat, gut mit der sogenannten Sharing-Economy vergleichen. Unter Carsharing stellte man sich damals ja auch vor, dass man einfach das Auto des Nachbarn mitnutzen würde. Lange vor Airbnb gab es bereits die Couchsurfing-Community, die fröhlich fremde Menschen unentgeltlich auf dem eigenen Sofa einquartiert. Das gemeinsame Nutzen von Ressourcen hatte am Anfang immer einen Touch von Weltraumkommunismus à la Star Trek und natürlich wird das durch das Internet erleichtert - Sharing-Economy war wie Coworking tatsächlich ernst und durchaus politisch gemeint. Dass diese Prinzipien erst so richtig zum Massenphänomen wurden, als ein Preisschild dran klebte, kann der Kapitalismus getrost als Erfolg für sich verbuchen.

Das Internet hat mit seinen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten radikal die Koordinationskosten reduziert. Jeder kann jederzeit kommunizieren, wo welche Ressourcen frei werden und Menschen und Ressourcen lassen sich ad hoc verknüpfen. Es war früh klar, dass das die Ökonomie radikal verändern würde. Jeremy Rifkin schrieb bereits zur Jahrtausendwende sein Buch Access. Das Verschwinden des Eigentums, in dem er die Rolle des Eigentums zugunsten des Zugangs schwinden sah. Wer braucht noch Eigentum, wenn sich Zugang zu Gegenständen digital so leicht regeln lässt?

Doch statt des digitalen Kommunismus haben wir die Plattformisierung von allem erlebt. Netzwerkeffekte sorgen für die Monopolisierung der Services. Warum woanders nach Wohnungen suchen, wenn Airbnb eh die größte Auswahl hat? Hinzu kommen Kostenreduzierungen durch Professionalisierung und das Zusammenlegen von Ressourcen - die sogenannten Skaleneffekte. Das Resultat: Plattformen agieren heute als neue Service-Layer zwischen Menschen und Gegenständen und lösen Probleme mittels integrierten Standards und optimierten Algorithmen. So werden aus Produkten, die man kaufen kann, Services, die man mietet. Die Antwort auf das Problem, von A nach B zu kommen, ist nicht mehr das Auto, sondern die Uber-Fahrt. Die Antwort auf das Problem "Ort zum Arbeiten" ist eben nicht mehr das Büro, sondern die Wework-Mitgliedschaft.

Doch da ist noch etwas anderes. Die rein ökonomische Erkenntnis, dass es nicht mehr als einen Zugang zu einem Schreibtisch und dem Internet braucht, um produktiv zu sein, ist nicht das Einzige, was Wework aus der New-Work-Bewegung gezogen hat. Es ist auch das Image.

 Nichts als schlaue Köpfe hinter Desktop-DisplaysOutgesourcte Hippness als zubuchbares Businessmodul? 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6. 5
  7.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (Neuware für kurze Zeit zum Sonderpreis bei Mindfactory)
  2. mit Gutschein: HARDWARE50 (nur für Neukunden, Warenwert 104 - 1.000 Euro)
  3. und Assassins Creed Odyssey, Strange Brigade und Star Control Origins kostenlos dazu erhalten

ElTentakel 04. Aug 2018 / Themenstart

Ich hätte gerne irgendwie beides ... flexible Arbeitszeiten mit flexibler Entlohnung und...

Ymi_Yugy 25. Jul 2018 / Themenstart

Ich glaube man macht einen Fehler, wenn man die physische Arbeitsumgebung völlig außer...

KlugKacka 24. Jul 2018 / Themenstart

Siehe ein Post vor Deinem.

KlugKacka 24. Jul 2018 / Themenstart

doppelplusgut

KlugKacka 24. Jul 2018 / Themenstart

Du bist halt nicht Hipp und arbeitest ernsthaft am Rechner und twitterst nicht nur.

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Smartphones Made in Germany - Bericht

Gigaset baut Smartphones - in Deutschland.

Smartphones Made in Germany - Bericht Video aufrufen
IT-Jobs: Achtung! Agiler Coach gesucht?
IT-Jobs
Achtung! Agiler Coach gesucht?

Überall werden sie gesucht, um den digitalen Wandel voranzutreiben: agile Coaches. In den Jobbeschreibungen warten spannende Aufgaben, jedoch müssen Bewerber aufpassen, dass sie die richtigen Fragen stellen, wenn sie etwas bewegen möchten.
Von Marvin Engel

  1. Studitemps Einige Studierende verdienen in der IT unter Mindestlohn
  2. SAP-Berater Der coolste Job nach Tourismusmanager und Bierbrauer
  3. Digital Office Index 2018 Jeder zweite Beschäftigte sitzt am Computer

Raumfahrt: Boeing und SpaceX kämpfen mit dem Regulierungschaos der Nasa
Raumfahrt
Boeing und SpaceX kämpfen mit dem Regulierungschaos der Nasa

Die neuen Raumschiffe von Boeing und SpaceX verspäten sich und werden wohl erst 2020 mit Crew fliegen. Die Aufsichtsbehörde der US-Regierung sieht einen Teil der Schuld beim Chaos im Nasa-Management.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  1. Parker Solar Probe Sonnen-Sonde der Nasa erfolgreich gestartet
  2. Parker Solar Probe Nasa verschiebt Start seiner Sonnen-Sonde
  3. Raumfahrt Die neuen Astronauten für SpaceX und Boeing

Smartphone von Gigaset: Made in Bocholt
Smartphone von Gigaset
Made in Bocholt

Gigaset baut sein Smartphone GS185 in Bocholt - und verpasst dem Gerät trotz kompletter Anlieferung von Teilen aus China das Label "Made in Germany". Der Fokus auf die Region ist aber vorhanden, eine erweiterte Fertigung durchaus eine Option. Wir haben uns das Werk angeschaut.
Ein Bericht von Tobias Költzsch

  1. Bocholt Gigaset baut Smartphone in Deutschland

    •  /