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Wetware statt Hardware: Universität bekommt erste Cloud mit Hirnzellen

Ein australisches Start-up baut Chips mit lebenden Neuronen. Erstmals bekommt eine Universität ein größeres eigenes System für die Forschung.
/ Johannes Hiltscher
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Mit Regalböden passen die CL1 in klassische 19-Zoll-Racks. (Bild: National University of Singapore)
Mit Regalböden passen die CL1 in klassische 19-Zoll-Racks. Bild: National University of Singapore

Im Juni 2025 hat das australische Start-up Cortial Labs seinen ersten biologischen Computer namens CL1 vorgestellt. Statt Transistoren nutzt er aus Stammzellen gezüchtete Neuronen.

Über eine eigene Cloudumgebung verspricht das Unternehmen eine einfache Nutzung ohne direkten Zugriff. Bislang bot Cortical Labs die Cloudlösung nur selbst an, Labore konnten einzelne CL1 kaufen.

Forschern an der National University of Singapore (NUS) steht nun ein eigenes Cloudsystem mit 20 CL1 zur Verfügung(öffnet im neuen Fenster). Jedes Einzelsystem enthält rund 800.000 menschliche Nervenzellen.

Rechner und Versuchskaninchen in einem

Laut Cortical Labs können Neuronen eine höhere Effizienz bieten als herkömmliche Chips, etwa im Bereich KI. Zudem können an den Zellen direkt medizinische Wirkstoffe und neurologische Erkrankungen untersucht werden.

Eine Alternative zu gängiger KI-Hardware ist das System aber nicht. Cortical Labs selbst befindet sich nach eigenen Aussagen noch immer in einem Lernprozess. Die Möglichkeiten demonstriert das Start-up gern mit Spielen: Zu Beginn spielten die Neuronen Pong, zuletzt Pokémon: Gelbe Edition(öffnet im neuen Fenster) und Doom.

Labor statt Rechenzentrum

In einem normalen Rechenzentrum würden sich die Neuronen nicht wohlfühlen. Daher erhält keine Informatikfakultät das System, sondern das Institut für Medizin der NUS.

Denn Cortical Labs Wetware – ein Begriff, den Science-Fiction-Romane popularisierten – unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von klassischer Hardware: Betreiben lässt sie sich nur unter Laborbedingungen, auch wenn das CL1-System sich um die Lebenserhaltung der Nervenzellen kümmert.

Das Neurobiologielabor an der NUS ist für den Betrieb verantwortlich, insbesondere dafür, die Neuronen zu züchten. Deren Lebensdauer liegt bei etwa sechs Monaten.


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