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Wettplattform: Israelischer Reporter wird wegen Onlinewette massiv bedroht

Weil ein Bericht über einen Raketeneinschlag ihre Wetten gefährdet, bedrohen Polymarket-Nutzer einen israelischen Journalisten.
/ Nils Matthiesen
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Millionenwetten auf Poymarket (Bild: Scott Olson/Getty Images)
Millionenwetten auf Poymarket Bild: Scott Olson/Getty Images

Der Journalist Emanuel Fabian von der Times of Israel ist Ziel einer koordinierten Einschüchterungskampagne geworden. Auslöser war seine Berichterstattung über einen iranischen Raketenangriff am 10. März 2026. Fabian hatte gemeldet, dass ein Projektil in einem Waldgebiet nahe der Stadt Beit Shemesh eingeschlagen sei. Was der Reporter als nebensächliche Meldung eines Einschlags ohne Verletzte ansah, kollidierte mit den finanziellen Interessen auf der Prognoseplattform Polymarket .

Wettvolumen im zweistelligen Millionenbereich

Hintergrund der Drohungen ist eine spezifische Wette auf Polymarket, deren finanzielle Tragweite die ursprünglichen Nachricht weit übersteigt. Laut Daten von The Block(öffnet im neuen Fenster) lag das Gesamtvolumen auf diesem Markt bei mehr als 14 Millionen US-Dollar, andere Quellen(öffnet im neuen Fenster) sprachen sogar von rund 17 Millionen US-Dollar. Die Wettbedingungen sahen vor, dass ein Einschlag auf israelischem Boden mit "Ja" gewertet wird, während abgefangene Raketen zu einem "Nein" -Ergebnis führen – unabhängig von Trümmerfeldern oder Schäden.

Der Druck auf Fabian begann subtil, weitete sich allerdings schnell aus. Laut Cointelegraph(öffnet im neuen Fenster) gab es zunächst einen indirekten Bestechungsversuch: Ein Kollege eines anderen Mediums wurde von einem Bekannten kontaktiert, der zugab, auf Polymarket gewettet zu haben. Er bot einen Teil der potenziellen Gewinne an, falls der Bericht über den Einschlag dahingehend geändert würde, dass die Rakete abgefangen worden sei. Fabian lehnte dies ab, da Videoaufnahmen den Einschlag des Gefechtskopfes und die daraus resultierende Explosion eindeutig belegten.

Eskalation durch koordinierte Belästigung

In der Folge erhielt der Journalist von verschiedenen Personen(öffnet im neuen Fenster) Nachrichten, die ihn zur Änderung seiner Berichterstattung drängten. Die Situation eskalierte schließlich durch einen Nutzer namens Haim. Dieser äußerte schwere persönliche Drohungen und gab an, persönlich 900.000 US-Dollar bei der Wette zu verlieren, falls der Bericht bestehen bleibe.

Haim drohte damit, eine ebenso hohe Summe zu investieren, um den Journalisten "fertigzumachen" . Die Angreifer untermauerten ihre Drohungen mit Details über Fabians Wohnviertel und seine Familie. Der Vorfall unterstreicht die wachsende Gefahr durch unregulierte Prognosemärkte: Wenn zweistellige Millionenbeträge auf dem Spiel stehen, wird die unabhängige Berichterstattung für die Akteure zu einem finanziellen Hindernis, das sie mit kriminellen Mitteln aus dem Weg zu räumen versuchen.


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