Wetterextreme und IPCC-Bericht: Ist der klimapolitische Stalingrad-Moment erreicht?

Die Klimakrise hinterlässt an der Ahr kriegsähnliche Verwüstungen. Doch die Debatte über klimapolitische Konsequenzen erinnert an bekannte Muster.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Die Flutwelle an der Ahr hat schwere Verwüstungen angerichtet.
Die Flutwelle an der Ahr hat schwere Verwüstungen angerichtet. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Dieses Jahr also Flutwellen und Überschwemmungen. Nachdem Deutschland in den vergangenen drei Jahren unter Hitze, Dürre und Trockenheit zu leiden hatte, gibt es im Sommer 2021 in vielen Regionen Wasser im Übermaß. Wer sich die Schäden an der Ahr mit eigenen Augen angesehen hat, erschaudert vor der brutalen Gewalt der Fluten. Es sind Bilder wie aus dem Krieg. Sollte Deutschland daher nicht im Kampf gegen die Erderwärmung aus den Fehlern zweier verlorener Weltkriege lernen?

Inhalt:
  1. Wetterextreme und IPCC-Bericht: Ist der klimapolitische Stalingrad-Moment erreicht?
  2. Mit Naturgesetzen lässt sich nicht verhandeln

Der Flutsommer könnte als Stalingrad-Moment in die Geschichte der deutschen Klimapolitik eingehen. Zusammen mit dem am Montag veröffentlichten Bericht des Weltklimarats als Wendepunkt eines größenwahnsinnigen Projekts, das offensichtlich zum Scheitern verurteilt ist.

Dieses Projekt ist die rücksichtslose und unbeschränkte Verwertung fossiler Brennstoffe als Rückgrat eines hochindustriellen Wirtschaftssystems in Verbindung mit der großflächigen Abholzung von Wäldern. "Die Industrie der fossilen Brennstoffe zerstört unsere Zukunft", schrieb der britische Professor Simon Lewis im Guardian als Reaktion auf den IPCC-Bericht.

Das hat es doch immer schon gegeben

Doch wie im Zweiten Weltkrieg die Schlacht von Stalingrad lässt sich auch die Hochwasserkatastrophe an der Ahr sehr unterschiedlich interpretieren. Klimawandelskeptiker werden einwenden, dass es extreme Wettereignisse schon immer gegeben habe. Ein ähnliches Hochwasser soll sich schon vor 200 Jahren an der Ahr ereignet haben. Doch man muss schon sehr die Augen vor der Realität verschließen, um die Häufung solcher Ereignisse, verbunden mit anderen Wetterextremen zu gleicher Zeit in vielen anderen Teilen der Welt, komplett zu ignorieren.

  • Eine völlig zerstörte Fußgängerbrücke in Ahrweiler (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Straßenbrücke in Ahrweiler wurde ebenfalls weggerissen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Fluten haben große Bereiche der Uferböschung zusammen mit der Infrastruktur wie Gasleitungen weggerissen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auch im Stadtteil Bad Neuenahr hat die Flut große Schäden verursacht. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Spielkasino in Bad Neuenahr wurde stark beschädigt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Viele Häuser in der Region sind vor allem im Erdgeschoss derzeit unbewohnbar. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Fluten haben die Infrastruktur wie Straßenlaternen stark zerstört. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die völlig verschlammten Transformatoren müssen ausgetauscht werden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Tausende Fahrzeuge sind von den Fluten weggerissen und völlig zerstört worden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Viele beschädigte Fahrzeuge wurden noch nicht abgeschleppt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auch drei Wochen nach der Flut türmen sich noch die Müllberge in den Straßen von Ahrweiler. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Betroffene Läden und Geschäfte müssen komplett entkernt werden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Ein Haken an den Gebäuden zeigt an, dass keine Einsturzgefahr droht. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • 21 Tage nach der Flutwelle haben große Teile von Ahrweiler immer noch keinen Strom. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Täglich kommen teilweise mehrere Tausend freiwillige Helfer an die Ahr, um die Schäden zu beseitigen.(Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Eine völlig zerstörte Fußgängerbrücke in Ahrweiler (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
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Solche Klimawandelskeptiker glauben vermutlich noch an den Endsieg der menschlichen Technik über die Natur. Dass am Ende alles nicht so schlimm sein wird und es keinen Grund gibt, die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas aufzugeben oder den eigenen Lebenswandel umzustellen. Eine verlorene Schlacht ist schließlich kein verlorener Krieg.

Ein Siegfrieden mit der Natur

Sehr unterschiedlich können die Reaktionen bei Menschen ausfallen, die den menschengemachten Klimawandel als Faktum anerkennen und irgendwie das Klima schützen wollen. So sehen Politiker wie CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet das Land auf dem richtigen Weg und wollen nur wegen eines Unwettertages nicht ihre Politik ändern.

Dieses Konzept ist vergleichbar mit dem des Siegfriedens, wie er im Ersten Weltkrieg von der deutschen Führung propagiert wurde. Damals war man nach zwei, drei verlustreichen Jahren durchaus kriegsmüde, wollte aber einen Frieden nach den eigenen Bedingungen durchsetzen. In diese Kategorie gehört auch das Konzept des Green New Deal, mit dem das aktuelle Wirtschaftssystem ohne große Wohlstandsverluste in ein CO2-neutrales System überführt werden soll.

Was, wenn wir einfach die Welt retten?: Handeln in der Klimakrise

An den Plänen zum Kohleausstieg soll nicht gerüttelt werden, stattdessen will man innerhalb mehrerer Jahrzehnte die Wirtschaft auf klimafreundliche Techniken umstellen. Als mögliche Wunderwaffe wird sogar eine Renaissance der Atomenergie propagiert, wie es Bill Gates in seinem Buch vorgeschlagen hat. Weitere Wundermittel sind synthetische Treibstoffe, die das fossile Öl einfach ersetzen, oder Kernfusionsreaktoren, die das Sonnenfeuer kopieren sollen.

"Das Problem ist letztlich, dass die Nutzung fossiler Brennstoffe eine 'Fortschrittsfalle' ist", schreibt Lewis und erläutert: "Vor Jahrzehnten haben fossile Brennstoffe das Leben im Vergleich zu anderen Energiequellen verbessert, aber jetzt bewirkt ihr Einsatz das Gegenteil und zerstört aktiv Leben und Lebensgrundlagen. Fossile Brennstoffe haben sich von einem genialen Wegbereiter des menschlichen Fortschritts zu einer Falle entwickelt, die ihn untergräbt."

Diesen Fortschritt will die Politik wie ein einmal erobertes Terrain natürlich nicht aufgeben.

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Mit Naturgesetzen lässt sich nicht verhandeln 
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mnementh 18. Aug 2021

Ich sehe es als richtige Strategie an Politik zu entwerfen um mit dem Klimawandel zu...

davidcl0nel 18. Aug 2021

Ja. und was immer vergessen wird, ist noch ein Punkt: Es ist auch ein...

Clown 15. Aug 2021

Aber auch nur, wenn man beide Augen und sämtliche Hühneraugen mit aller Gewalt...

Emulex 14. Aug 2021

Nun, laut dem Link von Trollversteher: https://forum.golem.de/kommentare/automobil...



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