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Jede Hiobsbotschaft wird zur Glaubensprobe

Die Technik müsste auf der einen Seite dazu dienen, die bereits unvermeidlichen Folgen des Klimawandels beherrschbar zu machen, auf der anderen Seite sofort und unmittelbar dazu beitragen, das Problem nicht noch zu verschlimmern. Abgesehen davon, dass offen ist, ob Wissenschaft und Technik das überhaupt leisten können, stellt sich die erkenntnistheoretische Frage: Wenn der bisherige Einsatz von Wissenschaft und Technik schon zu unbeabsichtigten und unbeherrschbaren Folgen für die Umwelt geführt hat, wie lässt sich garantieren, dass die Korrekturmaßnahmen nicht ebenso gravierende oder noch schlimmere Folgen zeitigen werden?

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Als Negativbeispiel gilt die Förderung von Biosprit, was zur Zerstörung von Urwald und der Verdrängung von Lebensmittelanbau führt. Immerhin kann man der Menschheit zugutehalten, dass den ersten Cyanobakterien vermutlich auch nicht so klar war, mit der Photosynthese die Große Sauerstoffkatastrophe auszulösen.

Jede Hiobsbotschaft von der Klimafront wird daher zu einer modernen Glaubensprobe: Glaubst du weiter an die Fähigkeit der Politik, Wissenschaft und Technik, die Erderwärmung noch begrenzen zu können? Glaubst du an die Bereitschaft von Individuum und Gesellschaft, die Folgen einer konsequenten Klimapolitik mitzutragen und erforderliche Einschränkungen zu akzeptieren?

Konsumgesellschaft und Klimarettung passen nicht zusammen

Der US-Schriftsteller Jonathan Franzen hat diese Fragen vor einem Jahr in einem viel beachteten Essay mit Nein beantwortet. "Nennen Sie mich einen Pessimisten oder nennen Sie mich einen Humanisten, aber ich kann nicht erkennen, dass sich die menschliche Natur demnächst grundlegend ändern wird. Ich kann mir zehntausend Szenarien durch den Kopf gehen lassen, und nicht in einem von diesen erkenne ich, wie das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden kann." Franzen sagt nicht, dass dieses Ziel nicht theoretisch eingehalten werden könnte. Doch praktisch sei die Menschheit eben nicht dazu in der Lage.

Eine gewisse Bestätigung findet Franzens These in einer radikaleren Analyse. "Die Welt ist nicht mehr, wie sie war. Der Konsument hat sich sein freudloses Paradies mittels eines wahrhaft beispiellosen, in der Geschichte unserer Erde noch niemals da gewesenen Energieverbrauches errichtet." Diese aktuell anmutende Feststellung stammt nicht aus der Gegenwart, sondern bereits aus dem Jahr 1954. In einem mehrteiligen Radio-Feature warnte der Journalist Erich Kuby schon damals vor den unabsehbaren Folgen eines Bevölkerungswachstums verbunden mit einem Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs an Energie.

Erneuerbare Energien und Klimaschutz: Hintergründe - Techniken und Planung - Ökonomie und Ökologie - Energiewende (Deutsch)

Der Konsument als Esel

Seine These: "Das technische Zeitalter lebt aus seiner Dynamik, es kann nie in einen statischen Zustand überführt werden. Der Konsument ist psychologisch wie jener Esel konstruiert, der einem Strohbüschel nachläuft, das einen halben Meter vor seinem Maul an der Deichsel befestigt ist. Er kann sein Leben nur ertragen, wenn für ein pausenloses Programm mit immer neuen Nummern gesorgt ist." Das war noch weit vor dem Privatfernsehen und Netflix.

Die Katastrophe im geistigen Sinne sei für den Konsumenten bereits da, wenn die Entwicklung nicht mehr expansiv sein könne. Denn getrieben wird der "hilflose Diktator Konsument" laut Kuby von seinem "Perfektionswahn". Solche Stationen der Perfektion heißen "Kamera, Film, Bewegungsfilm, Tonfilm, Farbfilm, (...) Papier, Klosettpapier, Luxusklosettpapier, Superluxusklosettpapier, Superluxusklosettpapierrollenhalter, der, wenn man ein Blatt abreißt, die Melodie 'Üb immer Treu und Redlichkeit' spielt".

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 Der Klimawandel ist zu langfristigUmweltzerstörung wird ausgeblendet 
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PanicMan 21. Sep 2020 / Themenstart

Genau das ist auch meine Aussage die ich an alle die ich kenne richte und die mich fragen...

PanicMan 21. Sep 2020 / Themenstart

Finde ich nicht, ich komme aus dem Schwarzwald in Süddeutschland, also komplett andere...

markusl30@gmx.net 06. Sep 2020 / Themenstart

Und O2, ganz großer Humbug.

twil 03. Sep 2020 / Themenstart

Hauptsache immer mit der Prämisse, ein Problem mit der Quantität gäbe es nicht. https...

ephikles 03. Sep 2020 / Themenstart

Das verschiebt das Problem lediglich zeitlich nach hinten. Nehmen wir den Extremfall und...

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