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Wettbewerb: Hightech-Drohnen für die Bundeswehr gesucht

Per Drohne lassen sich FPV-Piloten finden – und ausschalten: Wie, das hat ein Start-up bei einem Wettbewerb der Bundeswehr gezeigt.
/ Peter Steinlechner
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Drohne von Dremian (Bild: Peter Steinlechner/Golem)
Drohne von Dremian Bild: Peter Steinlechner/Golem

"Wir möchten wissen, wo sich Störsender und wo sich feindliche Piloten befinden", sagt ein Sprecher des Start-ups Dremian bei einer Veranstaltung der Bundeswehr im Fliegerhorst Erding bei München. Störsender und Piloten seien mittlerweile so wichtig, dass es sich oft lohnt, teure "Artillerie oder sogar Raketen" für einen Angriff einzusetzen.

Das ist kein theoretisches Szenario: Der Sprecher arbeitet zwar für eine deutsche Firma, stammt aber aus der Ukraine – und kennt den Alltag im Drohnenkrieg nur zu genau.

Dremian nutzt einen handelsüblichen 10-Zoll-FPV-Quadcopter, ergänzt um vier SDR-Empfangsmodule mit Antennen. Während ein vorab programmierter Flug abgearbeitet wird, misst das System permanent minimale Phasenunterschiede eintreffender Funksignale im typischen Frequenzband von FPV-Steuerungen.

Aus diesen Verschiebungen ergibt sich die ungefähre Einfallsrichtung des Signals. Sobald die Drohne dieselbe Quelle aus mehreren Positionen erfasst hat, lassen sich die Richtungsvektoren kreuzen – daraus entsteht eine einfache Triangulation.

Spectra-Challenge: Wettbewerb rund um Drohnen

Die Software verdichtet die Schnittpunkte zu einer Heatmap, auf der sich die wahrscheinlichsten Standorte von Pilotensendern oder Jamming-Geräten ablesen lassen. Auch wenn Reflexionen, Gebäude oder kleine Flugareale die Genauigkeit mindern können, liefert dieses Verfahren auf engem Raum eine für taktische Einheiten relevante Auflösung.

Dremian hat seine Drohne im Rahmen der sogenannten Spectra-Challenge vorgestellt. Das ist ein mehrstufiger Innovationswettbewerb, den die Cyberagentur(öffnet im neuen Fenster), der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr(öffnet im neuen Fenster) und das Innovationslabor System Soldat(öffnet im neuen Fenster) gemeinsam ausrichten. Aus ursprünglich 46 Bewerbungen wurden im Oktober 2025 rund 40 Teams nach Erding eingeladen, wo sie ihre Ansätze vorstellten.

Von diesen Pitch Days wählte die Jury 13 Finalisten aus, die nun beim Finale ihre Prototypen und Zukunftskonzepte präsentieren – aufgeteilt in einen Praxis-Track mit nahezu einsatzreifen Lösungen und einen Moonshot-Track für radikal frühphasige Ansätze.

Das Ziel: Sichtbar machen, welche Technologien gegen Jamming, Spoofing und andere elektronische Angriffe auf unbemannte Systeme tatsächlich tragfähig sind.

Organisiert wurde das Format von drei Stellen, die erstmals gemeinsam auftreten: der Cyberagentur, dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr und dem neuen Innovation Center der Streitkräfte.

Nach den Präsentationen vor Ort hat eine Jury nun die Siegerteams gekürt. Im Praxistrack setzte sich Espargos vor Raydiant RF und Dremian durch; der Sieger erhält ein Preisgeld von 100.000 Euro. Dremian hat nach eigenen Angaben zudem bereits Anfragen von ukrainischen Frontverbänden.

Antennenarray aus Massenmarkt-Modulen

Den ersten Preis gewann ein Team namens Espargos. Dessen Ansatz besteht aus einem digitalen Antennenarray, das ebenfalls Sender von Drohnensteuerungen, Jammern oder ähnlichen Quellen präzise anpeilen kann.

Grundlage sind extrem günstige Funkchips aus dem Massenmarkt, die normalerweise in Alltagsgeräten stecken.

Mehrere dieser Module werden zu einem Phased-Array kombiniert und auf Sub-Nanosekunden-Ebene synchronisiert, so dass minimale Phasenverschiebungen der eingehenden Signale messbar werden.

Aus diesen Daten lässt sich wieder die Einfallsrichtung bestimmen – und damit der Standort der Quelle.

Espargos zeigte das Verfahren nicht als Drohne, sondern als Handheld-System mit Augmented-Reality-Overlay ebenso wie als kompaktes SDR-Array, das Signale bis 6 GHz erfassen und peilen kann.

Störsicher fliegen

Der zweite Platz des Wettbewerbs ging an das Start-up Raydiant RF. Dessen Ansatz zielt darauf, Drohnen trotz massiver elektronischer Störangriffe funktionsfähig zu halten. Kernstück ist ein kompaktes, nachrüstbares Antennensystem, das auf handelsübliche Drohnen montiert werden kann.

Statt mit rundstrahlenden Standardantennen arbeitet die Lösung mit einem gerichteten Funklink zur eigenen Basisstation. Dadurch werden gegnerische Jamming-Signale auf physikalischer Ebene ausgeblendet, noch bevor sie überhaupt in die Funkmodule der Drohne gelangen. Gleichzeitig kann dieselbe Antenne genutzt werden, um eingehende Störenergie auszuwerten und die Quelle zu lokalisieren.

Raydiant sagt, dass dafür weder neue Protokolle noch spezielle Funkgeräte nötig seien: Das System wird an bestehende Funkmodule angesteckt und reduziert die effektive Störreichweite drastisch. In Tests sei es gelungen, mit identischer Drohne und identischem Jammer rund sechsmal näher an eine Störquelle heranzufliegen, ohne den Link zu verlieren.

Die gezeigten Projekte dienen nun als Grundlage für eine weitere fachliche Bewertung. Die drei beteiligten Einheiten wollen auf Basis der Ergebnisse prüfen, welche Ansätze technisch weiterverfolgt werden sollten, wo zusätzliche Forschung nötig ist und ob sich einzelne Lösungen für Folgevorhaben eignen.

Das Ziel besteht darin, konkrete Erkenntnisse aus den Tests in Erding in die weitere Planung einfließen zu lassen und dabei im Blick zu behalten, was sich perspektivisch für Praxis, Beschaffung und Truppe nutzen lässt.


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