Wero: Kein Paypal-Killer, sondern eine Pre-Beta-Version

In dieser Woche ist mit Wero der deutsche Konkurrent für Paypal und US-Kreditkartenbetreiber gestartet . Doch die einzige Funktion, die Wero bisher bietet, sind Phone-2-Phone-Zahlungen. Und auch das kann nicht jeder Bankkunde nutzen, weil nicht einmal alle 16 europäische Banken, die über die European Payments Initiative (EPI) den Dienst Wero aufbauen, wirklich mitmachen.
Wero ist bei vielen Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland verfügbar. Die EPI-Mitglieder Ing und Deutsche Bank sind noch nicht dabei, das gilt auch für das Deutsche-Bank-Tochterunternehmen Postbank. Immerhin, die Sparkassen sind in Deutschland bei Privatkunden mit 36 Prozent mit Abstand führend(öffnet im neuen Fenster) .
Wero benötigt keine neue App, sondern wird in die vorhandene Banken-Apps integriert. Obwohl der Start für den 2. Juli angekündigt wurde, war die Registrierung für Sparkassenkunden an dem Tag noch nicht möglich, wie das Onlinemagazin Teltarif berichtet(öffnet im neuen Fenster) .
Nur wenige Banken machen mit
Nutzen kann Wero nur, wer bei seiner teilnehmenden Bank für das Onlinebanking registriert ist, was keine Hürde darstellen dürfte. Im Banking taucht dann die Funktion "Geld in Echtzeit senden" auf, die aber erst nutzbar wird, wenn man seine Mobilfunknummer eingibt. Wero kann die Zahlungen nur mit Girokonten verknüpfen, Kreditkarten sind ausgenommen.
Golem.de hat die Sparkassen-Finanzgruppe gefragt, wie eine Konkurrenz zu Paypal möglich sein soll, wenn so wenige Banken mitmachen. Sprecher Thomas Rienecker nennt verschiedene Vorteile von Wero: "Wero basiert auf dem europäischen Standard für Echtzeit-Überweisungen. Das macht es für weitere europäische Banken leichter, sich dem Zahlverfahren anzuschließen. Außerdem heißt das, dass das Geld sofort auf dem Empfängerkonto ist und vollumfänglich verwendet werden kann. Es ist kein Treuhänder mehr dazwischen, der die Zahlung verwaltet, so wie bei bisher am Markt aktiven Wettbewerbern."
2025 würden Online-Zahlungen und 2026 auch Zahlungen im Einzelhandel mit Wero möglich sein. Wero sei ein langfristiges Engagement, das einige Zeit brauchen werde, um sich im Markt zu etablieren. "Durch die schon im Start-Jahr teilnehmenden Banken werden 120 Millionen Menschen in Europa finanziell 'vernetzt'," betonte Rienecker.
Wero über Wero: Wir brauchen Zeit
Die Onlinebezahlverfahren Giropay/Paydirekt der deutschen Banken und Sparkassen sollen Ende 2024 eingestellt werden . Auch Paydirekt startete im Jahr 2015 gegen die US-Bezahlsysteme Paypal und Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard. Auch hier sollte es sich um eine direkt mit dem Girokonto verknüpfte Lösung für die Zahlungsabwicklung handeln.
Der Rest ist Geschichte: 2021 folgte die Fusion mit dem ebenfalls von der deutschen Kreditwirtschaft angestoßenen Projekt Giropay. Ein gemeinsamer Erfolg blieb ebenfalls aus. Ende 2022 kamen beide Verfahren zusammen auf einen Marktanteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Der börsennotierte US-Konzern Paypal wickelte zuletzt knapp ein Drittel aller Onlineeinkäufe in Deutschland ab.
Mit Wero soll langfristig auch eine Alternative zu Apple Pay und Google Pay entstehen. Als Vorbild diente die Smartphonezahlungslösung Twint aus der Schweiz, die dort beliebt ist.
Doch es wird noch mindestens zwei Jahre dauern, bis Wero funktioniert. Ende 2024 sollen auch kleine Gewerbetreibende Wero nutzen können, ab April 2025 Privatkunden beim Onlinekauf. An der Ladenkasse sollen Kunden mit Wero erst Ende 2025 bezahlen können. Da bestehe am wenigsten Bedarf, da die Kunden mit Kartenzahlung "ganz zufrieden" seien, wurde zuvor erklärt.
Katastrophale Migration der Postbank-IT
Der Start von Wero zeigt, dass die deutschen Banken und Sparkassen weit davon entfernt sind, Paypal Konkurrenz zu machen, zu groß sind offenbar die Gegensätze zwischen den Partnern. Dazu kommen technische Probleme durch Legacy-Systeme , wie bei der katastrophalen Migration der Postbank-IT zum Mutterkonzern Deutsche Bank im Jahr 2023.
Wenn Ende 2025 wirklich alles bei Wero funktioniert, werden die Kunden entscheiden, ob sie das Tool Paypal vorziehen. Genügend Kritik gibt es in Deutschland an willkürlichen Kontensperrungen durch Paypal. Doch ihre Kunden verärgern können deutsche Banken auch.



