Wero-Bezahlung im Onlinehandel: So wird das nichts mit der Paypal-Alternative
Diese Woche erfolgte der offizielle Startschuss für die Aktivierung von Wero-Zahlungen bei Onlineshops . Mit dem Zahlungsdienst will ein europäischer Bankenverbund eigentlich eine Alternative zu Anbietern wie Paypal anbieten. Wir fragen uns: Warum wird das alles so dilettantisch umgesetzt? Zumal Wero schon jetzt Jahre zu spät ist und erst mal viel aufzuholen hätte – das Gegenteil ist bisher passiert.
Damit Kunden von Paypal zu Wero wechseln, müsste der neue Dienst viel besser sein als der etablierte Anbieter. Bisher fällt Wero seit dem Start vor knapp 1,5 Jahren allerdings vor allem mit einer Besonderheit auf: vielen Einschränkungen und davon immer wieder neue, mit denen sich Interessenten herumplagen müssen.
Hinter Wero steht die European Payments Initiative (EPI), ein Zusammenschluss von 16 Bankhäusern Europas. Sie wollen sich dagegen stemmen, dass für viele Zahlungen in Geschäften und im Onlinehandel vor allem US-Anbieter zur Verfügung stehen. Das sind neben Visa und Mastercard auch Anbieter wie Paypal, Google Pay oder Apple Pay.
Kundeninformationen zu Wero mindestens lückenhaft
Noch immer fehlen viele große Banken in Deutschland unter den Anbietern von Wero. Und genau hier zeigt sich ein Grundproblem dieses Ansatzes: Wero setzt auf eine starke Integration der beteiligten Banken und das Ergebnis frustriert Kunden, wenn sie das Angebot eigentlich nutzen wollen, aber ihre Bank nicht mitmacht.
Ein ganz anderes Bild zeichnet Paypal: Hier ist es problemlos möglich, den Dienst mit beliebigen Bankkonten oder Kreditkarten zu verwenden. Es gibt also keine Abhängigkeit davon, ob Kunden zufällig bei der richtigen Bank sind.
Dabei verdient die Informationspolitik von Wero eine besonders schlechte Note: Auf der Wero-Homepage(öffnet im neuen Fenster) werden seit Monaten nur zehn der fünfzehn Wero-fähigen Banken aufgelistet; dabei wurde die gesamte Homepage erst diese Woche überarbeitet.
Komplette Bankenliste auf Wero-Homepage
Wir haben den Hinweis erhalten, dass die Wero-Webseite etwas versteckt doch noch alle unterstützten Banken nennt. Es erscheint eine Liste aller Wero-fähigen Banken in Europa, nachdem der Button "Jetzt Wero aktivieren" betätigt wurde. So mancher Interessent wird den Button nicht drücken, wenn er auf der Homepage sieht, dass die gewünschte Bank nicht erwähnt ist.
Unpraktisch dabei: Wir erhalten eine lange Liste aller Wero-fähigen Banken in Europa; es gibt keine Unterteilung nur nach Geldinstituten in Deutschland. Immerhin gibt es eine Suchfunktion, um nach der Bank suchen zu können, bei der man Kunde ist.
Zu den zehn auf der Wero-Webseite genannten Banken kommen noch fünf Banken dazu: Das sind die Geldhäuser Edeka Bank, Ethik Bank, Evangelische Bank, DKM Darlehnskasse Münster, KD Bank sowie die Pax-Bank für Kirche und Caritas.
Obwohl die Deutsche Bank zu den 16 Geldhäusern hinter der EPI zählt, fehlt eine Wero-Zahlung 1,5 Jahre nach dem Start weiterhin. Das alles gilt allerdings nur, wenn es darum geht, Geld von einer Person zu einer anderen zu überweisen. Damit sollen bisherige Banküberweisungen vereinfacht werden, was aber nur gilt, wenn ein Smartphone mit im Spiel ist.
Die Lage bei der Nutzung von Wero in Onlineshops ist eine ganz andere – auch das gibt es so bei Paypal nicht.
Onlineshopping mit Wero kaum nutzbar
Seit Anfang November 2025 kann bei einem ersten Onlineshop mit Wero bezahlt werden: Eventim . Dabei sind die Einschränkungen der unterstützenden Banken noch gewaltiger als bei Wero-Überweisungen. Nur wer ein Konto bei einer Sparkasse oder den Volks- und Raiffeisenbanken besitzt, kann derzeit mit dem Bezahlmodell online einkaufen.
Aus Kundensicht ist es einfach überhaupt nicht nachvollziehbar, warum sich Wero zwar für Überweisungen, nicht aber beim Onlineshopping nutzen lässt. Und auch hier spielt die unzureichende Informationspolitik mit hinein.
Erst diese Woche haben Wero-Kunden erstmals erfahren, dass sie noch für Wochen oder Monate vom Onlineshopping mit dem System ausgeschlossen sind, wenn sie nicht bei einer der beiden genannten Banken ein Konto besitzen.
Wero-Kunden werden allein gelassen
Und wer in der glücklichen Lage ist, bei der richtigen Bank ein Konto zu haben und gerne online mit Wero bezahlen möchte, stößt auf das nächste Problem: Kunden bekommen vom Betreiber keine Informationen. Es gibt keine Übersicht darüber, in welchen Onlineshops damit bereits bezahlt werden kann(öffnet im neuen Fenster) .
Stattdessen wird alles den Nutzern überlassen – Dienstleistung sieht anders aus. Und selbst der Presse gegenüber behält sich die EPI ausgesprochen bedeckt: Angeblich sollen in den verbleibenden sechs Wochen des Jahres Wero-Zahlungen bei mehr als 150 Onlineshops starten .
Das Potenzial der Wero-Onlinebezahlungen bleibt vage
Davon werden allerdings lediglich zwölf genannt. Welches die übrigen mehr als 140 Shops sein werden, bleibt unklar. Es stellt sich die Frage: Warum wird die Onlinebezahlung von Wero mit einer Verspätung von zwei Wochen angekündigt? Und dann können nicht einmal genaue Starttermine für weitere Shops genannt werden? Warum ist der Start so schlecht koordiniert?
Zum Vergleich dazu, wie Konkurrent Paypal vorgeht, wenn es darum geht, neue Wege zu beschreiten: Seit Mai 2025 kann mit Paypal auch im Geschäft bezahlt werden , und da machen mit einem Schlag alle Shops mit, die kontaktloses Bezahlen mit einer Mastercard erlauben. Es ist also nicht ein einziger Anbieter, sondern es sind rund eine halbe Million Geschäfte dabei – Kunden konnten die neue Funktion damit von Anfang an breit im Alltag nutzen.
Es spielt dabei weiterhin keine Rolle, bei welcher Bank Kunden ein Bankkonto haben, sie können die Paypal-Bezahlung einfach nutzen. Genau das erwarten Kunden auch, wenn ein Bezahldienst einen so wichtigen Bezahlweg wie Onlineshopping erstmals einführt.
Paypal zeigt der EPI, wie man einen neuen Bezahlweg erfolgreich etabliert
Das bisherige Verhalten der EPI hinterlässt den Eindruck, dass bisher einfach zu viel falsch gemacht wurde, und es ist wenig überraschend, dass Nutzer nicht bereitwillig Paypal den Rücken kehren. Denn eigentlich ist es aus Kundensicht schon fast eine Beleidigung, den Start einer Zahlungsoption in Onlineshops damit zu starten, dass sich ausschließlich Konzertkarten online bezahlen lassen – nichts anderes.
Die deutlich bessere Unterstützung der Kunden zahlt sich für Paypal aus. Innerhalb von nur einem halben Jahr haben in Deutschland 5 Millionen Paypal-Kunden das Bezahlen im Laden freigeschaltet . Zum Vergleich: In der dreifachen Zeit konnte Wero gerade mal 1,3 Millionen Kunden gewinnen – zum Teil eben auch deswegen, weil viele große Banken noch immer fehlen. Dadurch werden Interessenten ausgeschlossen, die eigentlich gerne Wero nutzen wollen.
IMHO ist der Kommentar von Golem. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)
Nachtrag vom 18. November 2025, 19:15 Uhr
Nach Schilderungen von Lesern wurden wir darauf hingewiesen, dass die Wero-Zahlung bei der Deutschen Bank doch noch nicht vorhanden ist. In einer Mitteilung der Bank vom 29. Juli 2025 wird der Eindruck erweckt, dass Wero-Zahlungen seitdem möglich seien(öffnet im neuen Fenster) . Etliche(öffnet im neuen Fenster) Medien(öffnet im neuen Fenster) hatten das seinerzeit so berichtet. Wir haben die Passage im Artikel entsprechend angepasst.
Nachtrag vom 21. November 2025, 9:23 Uhr
Wir haben den Hinweis erhalten, dass Wero-Interessenten doch erfahren können, welche Banken in Deutschland den Zahlungsdienst unterstützen. Wir haben die Textpassage dazu entsprechend angepasst.
Nachtrag vom 26. November 2025
Ein Leser von Golem wies uns darauf hin, dass es neben Eventim einen weiteren Onlineshop gibt, der eine Bezahlung über Wero anbietet: der Onlineshop des Fußballvereins 1. FC Kaiserslautern(öffnet im neuen Fenster) . Wie auch bei Eventim fehlt allerdings unter dem Wero-Logo jeder Hinweis darauf, dass die Wero-Bezahlung derzeit nur für ausgewählte Kunden möglich ist. Nur Bankkunden einer Sparkasse oder der Volks- und Raiffeisenbanken können diese Bezahlart nutzen.
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