Werkstätten: Elektroauto-Bergung führt zu Abzocke
Wenn E-Autos in einen Unfall verwickelt sind und abgeschleppt werden müssen, kann das für die Besitzer teuer werden, wenn sie in die Fänge unseriöser Werkstätten und vermeintlicher Spezialisten kommen. Der Spiegel berichtet von einem Fall(öffnet im neuen Fenster) , bei dem ein Autofahrer auf der Autobahn auf einen Lkw auffuhr, woraufhin sein Peugeot E-208 Schrott war, ein Feuer gab es nicht. Trotzdem sollte er am Ende über 20.000 Euro an den Abschleppdienst zahlen.
Das Fahrzeug wurde als Gefahrgut eingestuft, ein sogenannter Batterieexperte baute den Akku aus, der dann eine Woche in Quarantäne verbrachte. Allein sieben Tage Lagerbox kosteten 2.450 Euro netto, der Experteneinsatz weitere 1.650 Euro. Die Kfz-Versicherung übernahm schließlich die Rechnung, doch nach Recherchen des Spiegel ist das kein Einzelfall gewesen.
Die Angst vor dem Akku als Geschäftsmodell
Bundesweit melden sich Elektroautofahrer mit ähnlichen Erfahrungen. Einem Tesla-Fahrer wurden 38 Standtage in Rechnung gestellt. Ein VW E-Golf kam in Quarantäne, obwohl der Akku beim Unfall intakt geblieben war. Das Muster ist laut Experten erkennbar: Fahrzeuge werden pauschal als gefährlich deklariert, was einen teuren Bergungsprozess auslöst – unabhängig vom tatsächlichen Zustand des Akkus.
Die Unfallforschung der Allianz-Versicherung kommt zu dem Schluss, dass Abschleppkosten und Quarantänezeiten bei Elektroautos überdurchschnittlich hoch sind, technisch aber selten begründbar. Rainer Kühl vom Kraftfahrzeugtechnischen Institut (KTI) sprach gegenüber dem Spiegel von teils völlig überzogenen Standgebühren. Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut ließ das KTI Batterien verunfallter Elektroautos per Computertomografie untersuchen: Selbst nach heftigen Kollisionen waren die Akkus im Normalzustand.
Netzwerke mit selbst ausgestellten Zertifikaten
Um das Vorgehen öffentlich zu rechtfertigen, haben sich laut KTI bundesweit Netzwerke gebildet. Die Initiativgemeinschaft Bergen Transport eMobilität ( IGBTE(öffnet im neuen Fenster) ) warnt vor enormem Sicherheitsrisiko beim Umgang mit verunfallten Elektrofahrzeugen. Mitglieder bieten teils eigene Schulungen zum Batterieexperten an und das laut Spiegel ohne externe Zertifizierung. Wie seriös das ist, kann Golem nicht beurteilen.
Auch der ADAC, der ein Netzwerk von 750 Mobilitätspartnern unterhält, hält sich bedeckt. Jeder Unfall müsse individuell betrachtet werden, teilte ein Sprecher dem Magazin mit. Das klingt vernünftig, lässt aber offen, nach welchen Kriterien die Kosten entstehen.
Warum das alle etwas angeht
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft stellte gegenüber dem Spiegel klar: Statistisch hätten Elektroautos kein höheres Brandrisiko als Verbrenner. Brennende Elektroautos erscheinen in Medien präsenter, was laut GDV zu einer verzerrten Wahrnehmung führt, die manche Abschleppdienste offenbar gezielt nutzen.
Die Folge: Versicherungsprämien steigen, obwohl Elektroautos im Unterhalt eigentlich günstiger sind als Benziner oder Diesel. Der Verband der Automobilindustrie hat inzwischen einen umfangreichen Leitfaden für den Umgang mit verunfallten Elektrofahrzeugen(öffnet im neuen Fenster) herausgegeben.
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