Werbefinanzierte Copyrightverstöße: Die Spur des Geldes im Netz

Auch Unternehmen wie Google und Yahoo sollen am Werbegeschäft von Internetportalen beteiligt sein, denen zahlreiche Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen werden, so eine Studie. Eine US-Urheber-Initiative fordert Künstler auf, gegen Markenwerbung auf sogenannten Piratenseiten mobil zu machen.

Artikel veröffentlicht am , Alexander Wragge/iRights
Werbefinanzierte Copyrightverstöße: Die Spur des Geldes im Netz
(Bild: Bernadett Szabo/Reuters)

Große Unternehmen werben mitunter auf Internetseiten, die gewerbsmäßig Urheberrechte verletzen, indem sie Filme, Spiele und Musik illegal zugänglich machen. Das ist für Rechteinhaber seit langem ein Ärgernis. Die Betreiber illegaler Plattformen finanzieren mit den Werbeerlösen ihre technische Infrastruktur und fahren in Fällen wie der mittlerweile geschlossenen Streaming-Plattform Kino.to Gewinne in Millionenhöhe ein. In die Produktion der Werke, mit denen sie oft immense Klickzahlen generieren - Kino.to war einst eine der 50 meistbesuchten Seiten Deutschlands - investieren die Plattformbetreiber dagegen keinen Cent.

Inhalt:
  1. Werbefinanzierte Copyrightverstöße: Die Spur des Geldes im Netz
  2. Google lässt mit Rechteinhabern den illegalen Markt erforschen
  3. Folgen für den Werbemarkt

Bereits im August 2012 belegte die US-Urheber-Initiative The Trichordist ("Künstler für ein ethisches und nachhaltiges Internet") mit Screenshots: Anzeigen großer Markenhersteller wie VW, Ford, Emirates Airlines und LG landen auf dem Portal Filestube, dem bereits millionenfach Copyrightverstöße vorgeworfen wurden. Allerdings müssen die Unternehmen die Schaltung nicht bewusst veranlasst haben. Sie beauftragen in der Regel Agenturen, die wiederum zahlreiche weitere Vermittler - etwa Internetbörsen für Onlinewerbung (Ad Exchanges) - einschalten, bis das Werbebanner schließlich irgendwo im Netz landet.

Ein Bericht des Annenberg Innovation Lab der University of Southern California (5. Januar 2013) kommt aktuell zu dem Schluss: Markenunternehmen sind sich oft nicht bewusst, dass sie mit ihren Werbegeldern "parasitäre" Geschäftsmodelle finanzieren. Die mangelnde Transparenz der Werbenetzwerk-Industrie im Internet sei ein klassischer Fall des Marktversagens.

Das Lab will mit einem Transparenzbericht monatlich dokumentieren, welche Werbenetzwerke Betreibern von "Piratenseiten" Anzeigen vermitteln. Die ersten Ergebnisse zeigen die Beteiligung prominenter Unternehmen. In den Top Ten der von "Piraterieseiten" genutzten Werbenetzwerke und -Server landet Google (inklusive des Dienstes Doubleclick) auf Platz 2 und Yahoo (inklusive des Dienstes Right Media) auf Platz 6.

"Unternehmen und Werbenetzwerke wollen nicht als böse gelten"

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Google reagierte mit verhaltener Kritik. Man glaube, die Ergebnisse seien irreführend, wenn sie nahelegen, dass Google-Anzeigen eine bedeutende Einnahmequelle für große Piratenseiten seien, erklärte das Unternehmen auf Anfrage der Los Angeles Times. Was Google als eine "große" Piratenseite einstuft und was als "bedeutende" Einnahmequelle, lässt das Unternehmen offen. Ein eindeutiges Dementi hört sich anders an.

Google verweist gegenüber dem Innovation Lab außerdem darauf, dass das Unternehmen nicht unbedingt an Werbeerlösen von Internetseiten beteiligt ist, die einen Google-Code in ihrem Quelltext verwenden. Millionen von Werbetreibenden und Seitenbetreibern würden selbst entscheiden, wie sie Googles Doubleclick-Technologie nutzen, und man könne nicht "sehen", wo all diese Anzeigen auftauchen.

Zugleich sichert Google zu, Vorwürfen nachzugehen. Bekomme man Kenntnis davon, dass mit der Doubleclick-Technologie Anzeigen auf copyrightverletzenden Seiten geschaltet würden, kontaktiere man die beteiligten Werbetreibenden und Seitenbetreiber, damit sie "etwas unternehmen" ("We contact the affected advertisers and publishers to take action"), zitiert der Bericht das Unternehmen. Das Annenberg Innovation Lab kommentiert: "Wir sind darüber erfreut, dass Google seit kurzem seine Bemühungen verstärkt, Werbekunden wissen zu lassen, wenn ihre Anzeigen auf illegalen Seiten erscheinen." Man gehe davon aus, dass sich diese Bemühungen in den neuen Daten niederschlagen würden, die das Innovation Lab im Februar veröffentlichen will. Außerdem regt der Bericht wissenschaftliche Untersuchungen der Geldflüsse im Netz an.

"Wir glauben, dass sowohl die prominenten Werbenetzwerke als auch die großen Markenunternehmen nicht als 'böse' wahrgenommen werden wollen", schreibt das Innovation Lab in Anspielung auf Googles informelles Unternehmensmotto "Don't be evil" (Sei nicht böse). Tatsächlich könnten die Recherchen des Annenberg Lab speziell für Google peinlich werden, wenn sich der Eindruck erhärtet, das Unternehmen kooperiere mehr oder minder indirekt mit fragwürdigen Internetangeboten.

Was ist eine Piratenseite?

Das Lab nutzt Googles eigenen Transparenzbericht, um sogenannte Piratenseiten zu identifizieren. Darin listet Google Internetangebote auf, gegen die besonders häufig Löschanträge wegen Copyrightverstößen eingehen. Auf Antrag von Rechteinhabern streicht das Unternehmen monatlich Millionen Unterseiten von Domains wie Filestube, Isohunt und MP3Skull aus den Suchergebnissen. Doch ausgerechnet die Werbeschaltung auf dem Portal Filestube, das im Transparenzbericht regelmäßig den Rekord bei Löschanträgen von Rechteinhabern aufstellt, lief die Werbeschaltung zumindest 2012 noch teilweise über Google-Dienste, wie der Bericht des Annenberg Innovation Lab nahelegt (siehe Visualisierung auf Seite 5).

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Google lässt mit Rechteinhabern den illegalen Markt erforschen 
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