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Wenn die Fußnotenkette reißt: Millionen wissenschaftlicher Artikel von Löschungen bedroht

Eine neue Studie zeigt alarmierende Lücken in der digitalen Archivierung von Forschungsartikeln auf. Experten fordern Maßnahmen, um das wissenschaftliche Erbe zu bewahren.

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Ist ein Papierarchiv am Ende besser? (Bild: KI-generiert mit Midjourney)

Eine aktuelle Studie beleuchtet eine wachsende Sorge in der akademischen Welt – das Verschwinden von Millionen von Forschungsartikeln aus dem Internet. Die Analyse, bei der mehr als sieben Millionen digitale Veröffentlichungen untersucht wurden, legt nahe, dass die derzeitigen Maßnahmen zur digitalen Bewahrung nicht mit dem rasanten Wachstum des wissenschaftlichen Outputs mithalten können.

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Die von Martin Eve, einem Forscher an der Birkbeck University of London, durchgeführte Studie ergab, dass mehr als zwei Millionen Artikel in keinem der großen digitalen Archive auftauchen, obwohl sie einen aktiven Digital Object Identifier (DOI) haben. DOIs bezeichnen einen möglichst eindeutigen und dauerhaften digitalen Identifikator für physische, digitale oder abstrakte Objekte. Das DOI-System wird von der International DOI Foundation betrieben und bislang vor allem für Onlineartikel wissenschaftlicher Fachzeitschriften verwendet.

Die Erhaltung der Fußnotenkette

Eve betont, wie wichtig es sei, die "Kette der Fußnoten" in der Forschung zu bewahren. Sie erklärt, dass unser gesamtes Verständnis von Wissenschaft und Forschung von der Fähigkeit abhänge, zu überprüfen, was andere in der Vergangenheit gesagt haben. Ohne eine ordnungsgemäße Archivierung seien Forscherinnen und Forscher möglicherweise gezwungen, sich blind auf Artefakte zu verlassen, weil die Originale nicht mehr zugänglich sind.

William Kilbride, Geschäftsführer der Digital Preservation Coalition, stellt in einem Nature-Artikel fest, dass es bisher schwierig gewesen sei, das wahre Ausmaß des Problems zu erkennen.

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Viele Menschen gehen davon aus, dass ein Artikel, der mit einem DOI versehen ist, dauerhaft zugänglich ist. Doch wie Mikael Laakso, Forscher an der Hanken School of Economics in Helsinki, zeigt, ist das nicht immer der Fall. Im Jahr 2021 berichteten Laakso und seine Kollegen, dass zwischen 2000 und 2019 mehr als 170 Open-Access-Zeitschriften aus dem Internet verschwunden seien.

Kate Wittenberg, Geschäftsführerin des digitalen Archivierungsdienstes Portico, warnt in dem Nature-Artikel, dass das Risiko vor allem bei kleineren Verlagen aufgrund der Kosten, die für eine ordnungsgemäße Archivierung erforderlich sind, hoch sei, dass Artikel verloren gehen.

Eves Studie schlägt mehrere Maßnahmen vor, die die digitale Bewahrung verbessern könnten, z. B. strengere Anforderungen an die DOI-Registrierungsagenturen und eine bessere Aufklärung und Sensibilisierung von Verlagen und Forschern.