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Weltraumwirtschaft: Das Weltall als industrielles Revier - China hat's erkannt

Zwei Autoren gehen davon aus, dass China die Vormachtstellung im Weltall erlangt, wenn die USA keine massiven Investitionen in die Raumfahrt tätigen.
/ Patrick Klapetz
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Collage der chinesischen Mauer und eines Sternenhimmels. (Bild: Pixabay/Montage: Golem)
Collage der chinesischen Mauer und eines Sternenhimmels. Bild: Pixabay/Montage: Golem

China könnte die Vormachtstellung im Weltall erlangen, wenn die US-Regierung keine massiven Investitionen in die Raumfahrt tätigt. Diese Vermutung äußern Richard M. Harrison und Peter A. Garretson vom Amerikanischen Rat für Außenpolitik (American Foreign Policy Council, AFPC) in der US-Hauptstadt Washington D.C. in einem Gastbeitrag auf spacenews.com. Die Regierung in Peking geht davon aus, dass der Markt für Weltraumwirtschaft bis zum Jahr 2050 ein Volumen bis zu zehn Billionen US-Dollar erreichen könne. Der Optimismus basiert auf beobachtbaren Trends(öffnet im neuen Fenster) , wie dem wachsenden Markt für wiederverwendbare Raketentechnologien.

"Nach Jahren der Stagnation sind wiederverwendbare Raketen zum Schlüssel für die Erschließung der Weltraumwirtschaft geworden" , so Harrison, Vizepräsident des Bereichs Verteidigungsstudien im AFPC. Garretson ist dort leitender Wissenschaftler.

Wiederverwendbarkeit als Zukunftsmotor

SpaceX hält auf dem Markt für Raketenstarts mit einer Startrate von etwa 86 Prozent aller jährlichen Orbitalstarts ein Quasimonopol. China holt jedoch mittlerweile auf und verfolgt eigene Programme für wiederverwendbare Raketen.

Zudem kann China eine positive Bilanz bei den Weltraummissionen verbuchen, seien es die erste erfolgreiche Marslandung oder die Landungen auf dem Mond mit dem Chang'e-Programm .

Die chinesische Regierung hat den Weltraum als neue industrielle Basis erkannt und landete als bisher einzige Nation auf der Mondrückseite . Zudem betreibt es als derzeit einziger Staat eine nationale Raumstation.

Der Weltraum als Ressourcenzentrum

Außerdem fördert das Land massiv seinen kommerziellen Raumfahrtmarkt, etwa mit neuen Megakonstellationen oder Startanbietern mit wiederverwendbaren Raketen . Laut beider Gastautoren sieht Chinas Regierung den Weltraum auch als Ressourcenzentrum.

Die Mondoberfläche enthält Helium-3 , das auf der Erde fast nicht verfügbar ist. Der Stoff wird oft als potenzieller Input für Kernfusion und Quantencomputing diskutiert. Überdies können der Asteroidenbergbau und Weltraumraffinerien auf dem Mond einen nahezu unbegrenzten Vorrat an natürlichen Ressourcen bieten.

Einige erdnahe Asteroiden enthalten kommerziell bedeutende Konzentrationen von Platinmetallen und Elemente seltener Erden. Mit der Mission Tianwen-2 stößt China erstmals in dieses Feld vor.

Der Plan von Weltraumfabriken

Die Fertigung und Montage im Weltraum sei ein weiterer Schritt, der vom Institute of Mechanics (IMECH) vorangetrieben wird, einer Forschungseinrichtung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS). Das Institut arbeitet derzeit am Prototyp einer aufblasbaren Mondfabrik , mit der Halbleiter und neue Metalle , reinere Arzneimittel und gigantische Strukturen hergestellt werden können, die weitaus größer sind als alles, was Raumfahrtfirmen und -behörden bisher in den Orbit bringen.

Derzeit haben die USA in vielen Bereichen noch die Führung. Doch "wenn sich die US-Kapitalmärkte nicht anpassen, wird diese Vorrangstellung unweigerlich von China übernommen werden, welches bereits den Wert der Raumfahrt als wirtschaftlichen Wettbewerbsbereich erkannt hat" , schlussfolgern die Autoren in ihrem gemeinsamen Buch Space Shock: 18 Threats that Will Define Space Power (Weltraumschock: 18 Bedrohungen, die die Weltraummacht bestimmen werden).

Damit die USA ihre Vormachtstellung behalten, wären "Investitionen in Höhe von 335 bis 620 Milliarden US-Dollar in den nächsten zehn Jahren notwendig" . Es brauche jedoch auch eine kohärente Weltraumvision, auf die sich die US-Kapitalmärkte, Investoren und politische Entscheidungsträger einigen müssten, so die Autoren.  


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