Weltraumtourismus: Außer Kontrolle und über Kopf
Das New Yorker Magazine hat ein Porträt eines Testpiloten von Virgin Galactic(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht, in dem er auch über seinen Testflug des Space Ship Two im April berichtete. Das Raketenflugzeug soll im Auftrag von Richard Bransons Firma Touristen in den Weltraum fliegen. Seit einem tödlichen Unfall im Jahr 2014 hatte es im April den ersten Flug mit seinem eigenen Triebwerk .
Schon von außen betrachtet wirkte der Flug unruhig. Das Schiff rollte, drehte sich also entlang der Längsachse hin und her. Anders als normale Raketen und Raumschiffe steuert der Pilot das Space Ship Two von Hand, ohne einen zwischengeschalteten Autopiloten oder ein Fly-by-Wire-System, das ungeplante Bewegungen automatisch ausgleicht und dann die Steuerbefehle des Piloten interpretiert und umsetzt.

Space Ship Two absolvierte im April zwar den vollständigen geplanten Flug. Wie groß die Probleme wirklich waren, offenbart aber erst das Interview. Demnach kämpfte der Pilot während des gesamten Überschallflugs darum, nicht die Kontrolle über das Raketenflugzeug zu verlieren. Schließlich gab er dem Kopiloten den Befehl, den Raketenmotor vorzeitig abzuschalten. Kurz bevor der Kopilot den Knopf zum Abbruch erreichte, schaltete sich das Triebwerk von allein aus, weil der geplante Brennschluss erreicht war.
Fehlendes Software-Update führt zu defektem Kreiselkompass
Die Probleme waren damit aber noch nicht zu Ende. Das Video des Testflugs zeigt bei Brennschluss ein Bild der Erde, das nicht hätte existieren dürfen. Space Ship Two flog in 25 Kilometer Höhe über Kopf. Tatsächlich ist diese Fluglage während der Touristenflüge geplant. Aber laut Testplan hätte es aufrecht fliegen sollen. Der Kreiselkompass hatte versagt und den Piloten eine falsche Lage des Raketenflugzeugs angezeigt. Wie sich herausstellte, war die Ursache für dieses Problem ein fehlendes Softwareupdate.
Der Rest des Fluges verlief normal. Der Klappflügel, der für den tödlichen Unfall im Jahr 2014 verantwortlich gewesen war, brachte Space Ship Two in eine kontrollierte Fluglage und erlaubte eine sichere Landung. Inzwischen gab es zwei weitere Testflüge. In den Videos beider Flüge zeigt sich weiterhin die Instabilität im Flug.
Virgin Galactic konkurriert auf dem Markt der Touristenflüge auf 100 Kilometer Höhe mit der New-Shepard-Rakete von Blue Origin. Die Tickets werden für Preise um 200.000 Euro gehandelt. Richard Branson setzt dabei die eigene Firma unter Druck. In einem Interview mit der CNN wird er zitiert mit: "Ich hoffe, dass Virgin Galactic der erste der drei Entrepreneure [Richard Branson, Elon Musk und Jeff Bezos] sein wird, die Menschen in den Weltraum bringen."
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