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Perfektionistische Zocker und das Fazit

Bei meinem zweiten Versuch bin ich vorsichtiger. Ich locke die kleinen Gegner vom Zerstörer weg, um sie anschließend von hinten zu überraschen. Trotzdem habe ich ruckzuck mehrere Raketen am Hals und meine Schilde sind erneut hinüber.

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Zumindest kann ich mich geschickt aus der Affäre ziehen und genug Distanz zu den Gegnern aufbauen, bis sich mein Raumschiff erholt. Doch dafür ruft Paladin um Hilfe - und wird abgeschossen, bevor ich zurückkehren kann.

Ich meistere den Rest der Mission alleine, nachdem ich den Ralari mit all meinen Raketen zersiebt habe, und hoffe noch, dass sich mein Kamerad vielleicht per Schleudersitz retten konnte. Doch wieder zurück auf der Tiger's Claw angekommen, berichtet mein Vorgesetzter nüchtern: Paladin ist tot. So sei nun mal der Krieg.

Nun war Wing Commander seinerzeit für eine weitere Besonderheit bekannt: Ereilt den Spieler ein solcher Schicksalsschlag oder verhunzt er gar eine Mission, weil er beispielsweise einen zu beschützenden Frachter an die Kilrathi verliert, dann darf er trotzdem weiterspielen. Allerdings muss ich hier mit den Konsequenzen leben, weshalb ich bei der folgenden Mission ohne Flügelmann an den Start gehe.

Hierbei scheitere ich grandios und werde gar vor dem Eintreffen eines befreundeten Tankers abgeschossen, den ich eigentlich zurück zur Tiger's Claw begleiten sollte! Was für eine Blamage ...

Ich fackele nicht lange und lade einen alten Spielstand, in dem Paladin noch am Leben ist. Somit blase ich zum dritten Mal zum Angriff auf den Ralari-Zerstörer und kann ihn diesmal bezwingen, ohne dass mein Kollege dabei draufgeht. Doch mein Erfolg fühlt sich weniger nach Können und mehr nach Glück an. Anders ausgedrückt: Ich habe in Wing Commander nicht das Gefühl dazuzulernen.

Egal! Mit Paladin in der Hinterhand überlebe ich in der darauffolgenden Mission deutlich länger, so dass der zu eskortierende Tanker erscheint. Leider wird er kurz vor dem Erreichen der Tiger's Claw zerstört, was meinen Vorgesetzten alles andere als erfreut.

Erneut hat mein Versagen Konsequenzen: Anstatt wie geplant zum Gimle-System zu fliegen, wird unsere Raumstation nach Brimstone versetzt, wo mich völlig andere Aufträge erwarten.

Ich erinnere mich nur zu gut: Diese verzweigte Missionsstruktur, die dem Spieler je nach Erfolg oder Misserfolg unterschiedliche Szenarien offenbart, wurde von der Fachpresse gefeiert.

Allerdings hatte Chris Roberts nicht mit dem perfektionistisch veranlagten Zocker gerechnet, der einfach nach jeder Niederlage neu startete und somit lediglich die perfekte Spielroute zu Gesicht bekam. Also verwarf er das System für den 1991 erschienenen Nachfolger und beschränkte sich dort auf eine lineare Missionsstruktur.

Ich möchte hingegen hier und heute dem Aufwand der Entwickler meinen Respekt zollen. Will heißen: Ich stehe zu meinem Fehler und stelle mich den Herausforderungen in Brimstone. Hier wird mir der berüchtigste Flügelmann der Tiger's Claw zugeteilt, der bereits mit seinem provozierenden Rufnamen auffällt: Maniac.

In der Tat agiert der Bursche im Kampf deutlich aggressiver als seine Kollegen und bringt sich entsprechend schnell in Bedrängnis. Mir ist das egal, weil ich erneut mit mir selbst zu kämpfen habe und mich abermals kaum zur Wehr setzen kann.

  • Wing Commander führte das Pixelorchester ein, das den cineastischen Anspruch von Origin Systems symbolisierte. (Bild: Origin Systems/Medienagentur plassma)
  • Größere Gegner wie diesen Ralari-Zerstörer sollte man am besten mit Raketen beschießen. (Bild: Origin Systems/Medienagentur plassma)
  • Die Schlafkajüte, die von Größe und Aufmachung eher an einen Hangar erinnert, zeigt auf einen Blick alle Spielstände. (Bild: Origin Systems/Medienagentur plassma)
  • Dieses Bild stammt aus Super Wing Commander, einer exklusiv für die 3DO-Konsole entwickelte Umsetzung.  (Bild: Origin Systems/Medienagentur plassma)
  • Drei Kilrathi-Raumschiffe, die im Intro butterweich über den Bildschirm huschten: Was wie Pixelbrei aussieht, versetzte PC-Spieler anno 1990 in Staunen. (Bild: Origin Systems/Medienagentur plassma)
  • General Halcyon ist der Vorgesetzte des Spielers und erklärt alle wichtigen Missionsdetails. (Bild: Origin Systems/Medienagentur plassma)
  • Nach der Einsatzbesprechung spurten die Piloten in einer der ikonischsten Zwischensequenzen der PC-Spielegeschichte zu ihren Raumschiffen. (Bild: Origin Systems/Medienagentur plassma)
  • Laut der Anzeige unten rechts sind die Schilde dieses Dralthi größtenteils zerstört, für einen Abschuss reichen ein paar Treffer. (Bild: Origin Systems/Medienagentur plassma)
  • Bei Gesprächen mit anderen Piloten bekommt man wunderschöne Porträts zu sehen, die selbst 30 Jahre später fantastisch aussehen. (Bild: Origin Systems/Medienagentur plassma)
  • Nicht alles, was im All fliegt, ist zum Abschuss freigegeben. In diesem Fall müssen wir einen Transporter zu einem Navigationspunkt begleiten. (Bild: Origin Systems/Medienagentur plassma)
  • Das war's! Wer zu viele Feindtreffer kassiert oder frontal mit einem Asteroiden kollidiert, der erlebt die letzten Sekunden seines Alter Egos in Nahaufnahme. (Bild: Origin Systems/Medienagentur plassma)
  • Nach jeder Mission besucht man automatisch die Bar der Tiger's Claw. Hier sind stets ein bis zwei Piloten für einen Plausch zu haben. (Bild: Origin Systems/Medienagentur plassma)
Nach der Einsatzbesprechung spurten die Piloten in einer der ikonischsten Zwischensequenzen der PC-Spielegeschichte zu ihren Raumschiffen. (Bild: Origin Systems/Medienagentur plassma)

Ich stelle ernüchtert fest: Sofern ich nicht reaktionsschnell die ersten ein, zwei Kilrathi mit meinen Raketen abschieße, kann ich mich kaum vor Feindfeuer retten und bin innerhalb von zehn Sekunden Weltall-Asche.

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Fazit

Lust auf mehr - aber geht es vielleicht etwas moderner? Folgerichtig schwindet meine Motivation, Wing Commander weiterzuspielen. Dabei bin ich mir sicher: Damals konnte ich das Weltraumepos komplett durchspielen. Aber vermutlich war ich auch geduldiger und Rückschläge gewohnt.

In den 1990er Jahren "starb" man eben regelmäßig und lud entweder einen alten Spielstand oder begann gar komplett von vorne. Das fällt mir heute deutlich schwerer.

Unabhängig davon fesselt mich Wing Commander nicht mehr wie früher. Denn egal, ob Patrouille, Eskorte oder Angriff auf einen Zerstörer: Die Missionen fühlen sich zu ähnlich an. Ich fliege einen Navigationspunkt nach dem anderen ab, bekämpfe mehr oder weniger starke Kilrathi und bin entsprechend stets nach einer halben Spielstunde am Stück satt.

Nichtsdestotrotz sollte man diesen Klassiker einmal gespielt haben, selbst wenn man ihn damals verpasst hat. Chris Roberts hat gekonnt die landläufig vorhandene Technik ausgenutzt und damit das bestmögliche spielerische Filmerlebnis geschaffen. Die Präsentation ist nach wie vor richtig cool und sollte als Vorbild für ähnlich geartete Indiegames dienen.

Überhaupt könnte sich ruhig ein kleiner Entwickler an einem vergleichbaren Spiel versuchen, der sich primär um mehr grafische sowie inhaltliche Abwechslung bemüht.

Wohlgemerkt: Mir schwebt weder ein Rebel Galaxy Outlaw (2019) noch ein Elite Dangerous (2014) vor! So toll diese Titel auch sind, so schwer fällt mir dort aufgrund der komplexen Steuerung oder der vielschichtigen Handelselementen der Einstieg.

Nein, man kreiere bitte einfach ein kerniges 3D-Actionspiel, bei dem es ausschließlich auf gute Reaktionen und eine fesche Präsentation ankommt. Denn in dieser Hinsicht fühlt sich das gute alte Wing Commander nach wie vor einmalig an.

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yumiko 01. Okt 2020 / Themenstart

Ich finds super momentan. Man muss nur schauen, wenn es viel Systeme gibt. Eventuell...

yumiko 01. Okt 2020 / Themenstart

Eigentlich nicht. Ds ist ziemlich genau das WC Rezept, diesmal sogar extra teuer mit...

yumiko 30. Sep 2020 / Themenstart

Ja, aber nur für Bill Gates. "640kb reichen für jeden für immer" ^^

quineloe 30. Sep 2020 / Themenstart

Dafür fand ich es deutlich schwerer. Jalkehi und Grikath mit fucking neutron turrets nach...

Swiffer25 30. Sep 2020 / Themenstart

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