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Weltraumschrott: So schlimm wie bei der Bahn, nur im Orbit

Ohne einen Plan für langfristige Nutzung, Wartung und Entsorgung von Satelliten und Orbitalstationen droht die Erdumlaufbahn unbrauchbar zu werden.
/ Mario Petzold
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Die Esa schätzt, dass mehr als 130 Millionen Trümmer und Fragmente um die Erde kreisen. (Bild: Esa)
Die Esa schätzt, dass mehr als 130 Millionen Trümmer und Fragmente um die Erde kreisen. Bild: Esa

In einem Beitrag auf der Rechercheplattform Table Briefings(öffnet im neuen Fenster) legt Marieluna Frank, promovierte Politikwissenschaftlerin und wissenschaftliche Beraterin des Instituts für qualifizierende Innovationsforschung und -beratung(öffnet im neuen Fenster) dar, welches Gefahrenpotenzial die derzeit weitverbreitete wie kurzsichtige Nutzung des Orbits birgt. Sie zieht dabei die direkte Parallele zur über Jahrzehnte vernachlässigten Infrastruktur in Deutschland, die aktuell nur mittels Sondervermögen und über einen noch nicht absehbaren Zeitraum wieder instand gesetzt werden kann.

Zu ignorieren, dass die Strukturen im All gewartet, repariert und rückstandslos entfernt werden müssen, mündet nach ihren Worten in einem Wartungs- und Sanierungsstau. Weil der Platz im Orbit zudem begrenzt ist, würden sich dadurch gleichzeitig der Transport und Betrieb neuer Satelliten erheblich verteuern.

Mit anderen Worten: Ohne eine nachhaltige Nutzung des begrenzten Platzes vor allem im niedrigen Erdorbit explodieren irgendwann die Kosten für den Betrieb von Satelliten. Im schlimmsten Fall wird der Bereich unbenutzbar.

Satellitentechnik im Sinne aller globalen Akteure

Statt schnelle Erfolge beim Aufbau eines Satellitennetzwerkes zu erzielen oder Satellitenstarts mit dem Bedarf nach Sicherheit durch Überwachung aus dem Orbit zu begründen, sollte eine langfristige Perspektive verfolgt werden. Die gelingt nur durch nachhaltige, also reparierbare Technik, durch eine umfassende Überwachung des Orbits und einheitliche Standards.

Nicht nur Deutschland und Europa, auch alle anderen Länder mit Satelliten, müsste sich einigen, damit die vorhandene Technik möglichst lange im Orbit funktioniert und am Ende der jeweiligen Lebensdauer sicher entfernt werden kann. Statt auf kurzfristige technologischer Überlegenheit zu setzen, fordert Frank, endlich die langfristige Funktionsfähigkeit als wichtigstes Ziel bei der Nutzung des Orbits anzuerkennen.

Zusammenstöße von Satelliten häufen sich

Derzeit hat vor allem die Esa(öffnet im neuen Fenster) das Ziel ausgerufen, in wenigen Jahren keinen Weltraumschrott mehr zu hinterlassen. Dass das keineswegs ein Thema ist, das noch ein paar Jahrzehnte warten kann, zeigen darüber hinaus die jüngsten Meldungen. So plant Starlink , sein komplettes Netzwerk in einen sichereren, weil weniger belasteten Bereich des Orbits zu verlegen.

Anfang Januar war zudem ein spanischer Kommunikationssatellit mutmaßlich von Weltraumschrott getroffen worden. Seitdem besteht kein Kontakt mehr.


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