Weltraumschrott: 50 Objekte machen die größte Gefahr aus

Eine Forschungsgruppe hat am 3. Oktober 2025 auf dem Internationalen Astronautischen Kongress (IAF)(öffnet im neuen Fenster) im australischen Sydney ein Paper vorgestellt(öffnet im neuen Fenster) , das die Gefahr von einzelnen Weltraumschrottteilen bewertet. Die Entfernung von 50 Objekten aus dem Orbit würde demnach die Gefahr durch Weltraumschrott um die Hälfte senken.
"Objekte, die vor dem Jahr 2000 in die Umlaufbahn gelangten, machen immer noch den größten Teil des Problems aus" , erklärte der Hauptautor der Studie(öffnet im neuen Fenster) , Darren McKnight, auf der Konferenz.
"66 Prozent der Objekte in den Top 50 wurden im letzten Jahrhundert deponiert und 88 Prozent der Objekte sind Raketenteile" , führte er weiter aus. "Das ist wichtig zu wissen, vor allem angesichts einiger beunruhigender Trends, die sich derzeit abzeichnen."
Gefahr durch Kollisionen im All
Die 50 identifizierten Objekte könnten durch Kollisionen mit anderen Trümmerteilen am ehesten zur Entstehung von weiterem Weltraumschrott in der erdnahen Umlaufbahn (Leo) beitragen. Sie sind fast acht Kilometer pro Sekunde (28.900 km/h) schnell und befinden sich in einem Bereich von 700 bis 1.000 Kilometern über der Erdoberfläche - also in einer Region mit besonders vielen Weltraumaktivitäten.
Selbst der Aufprall eines winzigen Objekts könnte bei den hohen Geschwindigkeiten zu einer katastrophalen Kettenreaktion von neuen Kollisionen führen – bekannt als Kessler-Syndrom . Die Auswirkungen könnten so groß sein, dass keine Starts von Raketen mehr möglich wären, weil diese unweigerlich von Schrottteilen getroffen würden.
In der Studie berücksichtigten die Analysten die Nähe der Objekte zu anderen Raumfahrzeugen sowie ihre Flughöhe und ihre Masse. Größere Trümmer in größerer Höhe stellen langfristig ein besonderes Risiko dar, da sie mehr Trümmer erzeugen könnten, die Jahrhunderte oder länger in der Umlaufbahn verbleiben würden.
Die Top 50 der gefährlichsten ausrangierten Raumfahrzeuge im Leo
Die Top-50-Liste umfasst überwiegend Objekte aus Russland und der ehemaligen Sowjetunion, insgesamt 34 Stück. Allein 30 davon stammen von den russischen SL-16- und SL-8-Raketen. Auf der Liste folgen zehn Objekte aus China, drei aus den USA, zwei aus Europa und eins aus Japan.
So sehen die Top 10 aus:
- 1. eine russische SL-16-Rakete, gestartet 2004
- 2. der europäische Satellit Envisat, gestartet 2002
- 3. eine japanische H-II-Rakete, gestartet 1996
- 4. eine 2013 gestartete chinesische CZ-2C-Rakete
- 5. eine 1985 gestartete sowjetische SL-8-Rakete
- 6. eine sowjetische SL-16-Rakete, gestartet 1988
- 7. der 1993 gestartete russische Satellit Kosmos 2237
- 8. der 1996 gestartete russische Satellit Kosmos 2334
- 9. eine sowjetische SL-16-Rakete, gestartet 1988
- 10. eine chinesische CZ-2D-Rakete, gestartet 2019
Bei den Top 50 handelt es sich um die Aktualisierung einer 2020 erstellten Liste. Diesmal analysierte McKnight, wie sich das Gesamtrisiko entwickeln würde, wenn man einen Großteil oder alle der 50 gefährlichsten Objekte entfernen würde. Das gesamte Trümmerpotenzial würde sich in der erdnahen Umlaufbahn um 50 Prozent verringern. Selbst durch das Entfernen der zehn größten Objekte sänke das Risiko um 30 Prozent.
Allein 26 Raketenkörper im erdnahen Orbit wurden seit dem 1. Januar 2024 dort platziert. China lässt seine Oberstufen besonders häufig im Leo. In den letzten 21 Monaten startete die Volksrepublik 21 der 26 gefährlichen neuen Raketenkörper, die durchschnittlich jeweils mehr als vier Tonnen wiegen.
Laut dem stellvertretenden Leiter der nationalen Raumfahrtbehörde Chinas, Bian Zhigang, erforscht sein Land derzeit Möglichkeiten, wie sich der Weltraummüll aus der Umlaufbahn entfernen lässt .



