Weltraumrecht: Der Mond droht zur Mülldeponie für die Raumfahrt zu werden
Anfang August ist eine vier Tonnen schwere Falcon-9-Rakete auf dem Mond eingeschlagen Sie ist damit ein weiteres von rund 3.000 bereits dort verstreuten menschengemachten Objekten.
Experten gehen davon aus(öffnet im neuen Fenster), dass sich solche Vorfälle in den kommenden Jahren häufen werden. Der Astronom und Weltraumhistoriker Jonathan McDowell sagte gegenüber Space.com, es gebe "keine internationalen Vereinbarungen darüber, wie man sich in der Nähe des Mondes verhält und wie Aktivitäten dort koordiniert werden".
Er forderte dringend eine Überarbeitung der Regularien, denn nicht nur die Aktivitäten rund um den Mond und im Weltraum nähmen zu, auch die Anzahl der Akteure steige. Neben staatlichen Weltraumaktivitäten wachse auch der kommerzielle Raumfahrtmarkt.
Keine Deponieregularien für den Mond
Zwar unterliegen menschliche Aktivitäten auf dem Mond dem 1967 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Weltraumvertrag, um eine schädliche Kontamination des Trabanten zu vermeiden. Jedoch ist nicht genau definiert, was als Kontamination verstanden wird.
Laut der Rechtsexpertin Marieta Valdivia Lefort von der britischen Royal Astronomical Society gibt es weder ein spezielles Abfallrecht noch Grenzwerte oder Pflichten zur Müllbeseitigung im Weltraumvertrag. Dieser lege "keine numerischen Abfallgrenzwerte fest, schafft keine zugelassenen Deponien und verlangt nicht, dass jeder Gegenstand auf dem Mond entfernt werden muss".
Reaktion erst, wenn Menschen zu Tode kommen?
Wegen der geringen Mondschwerkraft wirbeln Einschläge riesige Staubwolken auf, die sich nur langsam legen. "Wenn es in Zukunft dauerhafte menschliche Stützpunkte und wissenschaftliche Experimente auf dem Mond gibt, will man nicht, dass regelmäßig Raketenstufen auf den Mond krachen und große Staubwolken erzeugen, die Instrumente verunreinigen oder Gravitationswellendetektoren stören könnten", erklärte McDowell.
Zudem verändern das eingebrachte künstliche Material und die Krater, die durch den Einschlag schwerer Raktetenstufen entstehen, die Mondoberfläche und könnten noch unerforschtes wissenschaftliches Material zerstören.
Der Rechtsexperte Gregory Radisic von der australischen Bond University betonte, es sei "reines Glück", dass bislang keine teuren Experimente oder wichtigen Standorte zerstört worden seien. Er sagte Space.com, die Raumfahrtbranche werde wohl erst reagieren, wenn Menschen zu Tode kämen oder teure Infrastruktur Schaden nehme: "Solange nur ästhetische oder wissenschaftliche Werte verloren gehen, wird sich die Branche wahrscheinlich nicht darum kümmern."
Ausgediente Raketenstufen in der Nähe des Mondes geraten in dessen gravitativen Einfluss und stürzen unkontrolliert ab. Der aktuelle Vorfall geht auf einen SpaceX-Start von 2025 zurück. Inzwischen lässt das Unternehmen solche Raketenstufen in sonnennäheren Umlaufbahnen zurück.
- Anzeige Hier geht es zu Die Geschichte der Raumfahrt bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.


