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Vera Rubin Space-1: Für Geld macht Nvidia jeden Quatsch mit

Jensen Huang präsentiert Hardware für Rechenzentren im All . Dass nur Edge-Anwendungen realistisch sind, weiß Nvidia – aber der Hype ist gut fürs Geschäft.
/ Johannes Hiltscher
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Nvidia-CEO Jensen Huang bei der Ankündigung des Space-1 Vera Rubin Module (Bild: Nvidia)
Nvidia-CEO Jensen Huang bei der Ankündigung des Space-1 Vera Rubin Module Bild: Nvidia
Inhalt
  1. Vera Rubin Space-1: Für Geld macht Nvidia jeden Quatsch mit
  2. Nvidia setzt auf einen medienwirksamen Blender

Früher war es so, dass Nvidia Trends wie die Nutzung von GPUs als Rechenbeschleuniger oder KI aufgriff und ihnen mit Hard- und Software Schwung gab. Das scheint nicht mehr zu reichen, jetzt greift der Konzern jeden Quatsch auf, Hauptsache er verspricht mehr Umsatz. Die Rede ist von Weltraumrechenzentren, deren Absurdität schon in diesem Artikel aufgezeigt wurde .

Auch Nvidia weiß eigentlich, dass die realistischen Nutzungsszenarien für die Hardware des Konzerns im All Edge-Anwendungen sind – Verarbeitung von Bild- oder anderen Sensordaten direkt im Satelliten etwa. Das zeigt die Pressemitteilung zu Nvidias Weltraum-Hardware(öffnet im neuen Fenster) , die eigentlich in Anführungszeichen gesetzt werden müsste. Denn es ist praktisch die Hardware, die auch auf der Erde in Edge-Anwendungen eingesetzt wird.

In der Keynote von CEO Jensen Huang sieht das aber ganz anders aus: Die Präsentation zeigt ein Fantasierechenzentrum von Starcloud, einen riesigen, quadratischen Satelliten mit 4 Kilometern Kantenlänge ( siehe Whitepaper, PDF(öffnet im neuen Fenster) ). Vor dieser Kulisse kündigt Huang das Space-1 Vera Rubin Module an – angeblich die Plattform für KI-Rechenzentren im All, aber wohl eher eine kompakte Bauform für Edge-Rechenzentren auf der Erde.

Erdnahe Orbits brauchen keine Weltraum-Hardware

Irdische Hardware taugt nämlich auch fürs All. Zwar kommt schnell das Problem mit der Strahlung in den Sinn, die entweder Abschirmung oder sogenannte Radiation-Hardened-Hardware erfordert. In erdnahen Orbits ist das aber ein kleines Problem.

Dort wird etwa auf der ISS seit Langem ganz normale Hardware für den irdischen Einsatz genutzt – Laptops wie auch Server. In der Pressemitteilung hebt Nvidia sogar die Erweiterungen für funktionale Sicherheit der Thor-Plattform hervor. Diese sieht der Konzern, neben der RTX Pro 6000 , ebenfalls im All.

Und Thor ist sinnvolle Hardware für den Einsatz im All. Mechanismen zur Umsetzung funktionaler Sicherheit sind in anspruchsvollen Umgebungen interessant, da sich Fehlfunktionen hier schnell erkennen lassen. So lässt sich sicherstellen, dass die Auswirkungen von Fehlern überschaubar bleiben.

Es ist also keineswegs so, als würde Nvidia für Space-1 TSMCs weltraumoptimierten N3S-Prozess nutzen (den gibt es auch nicht). Das eigentliche Problem sprach Huang sogar an: "Wir müssen herausfinden, wie man diese Rechenzentren im All kühlt." Dafür hat der sonst so innovative Konzern zwar auch keine Lösung. Aber das wird schon, denn, so Huang, es "arbeiten eine Menge großartige Ingenieure daran" – das wird die Physik sicher beeindrucken!

Dass in der Präsentation ausgerechnet Starcloud der Aufhänger war, ist kein Zufall. Das Start-up ist das einzige von fünf in der Pressemitteilung zur Weltraum-Hardware zitierten Unternehmen, das von großen Rechenzentren spricht. Dass in der Keynote die anderen vier ignoriert wurden, hat einen einfachen Grund: Edge-Rechenzentren sind nicht fancy und ein Business Case, der Investoren schwer zu vermitteln ist, wenn doch gleichzeitig Gigawatt-Rechenzentren gebaut werden.


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