Weltraum: Nuklearwaffen effektiver gegen Asteroiden als gedacht

Um einen Asteroiden auf Kollisionskurs an einem Einschlag auf der Erde zu hindern, werden zwei Strategien verfolgt. Durch den Zusammenstoß mit einem Raumschiff ließe sich die Flugbahn minimal verändern, um den Kurs des Objekts zu korrigieren. Als Test wurde hierzu von Nasa und Esa bereits die Mission Dart(öffnet im neuen Fenster) durchgeführt und befindet sich in der Auswertung.
Wesentlich radikaler wäre es dagegen, eine der zahlreichen verfügbaren Atomwaffen der Welt auf dem oder direkt vor dem Asteroiden zur Explosion zu bringen. An der technischen Umsetzbarkeit eines solchen Vorhabens gibt es kaum Zweifel.
Zerbricht der Asteroid dadurch jedoch, dürften viele Bruchstücke dennoch ihren Weg zur Erde finden. Zweifel gibt es deshalb vor allem an der Effektivität einer solchen Maßnahme.
Kernwaffenexplosion nachgestellt
Dies hat eine Arbeitsgruppe der britischen University of Oxford(öffnet im neuen Fenster) am Hiradmat-Labor(öffnet im neuen Fenster) des Forschungszentrums Cern untersucht. Hier wird zur Festigkeit von Materialien unter extremen Bedingungen geforscht.
Um Verhältnisse wie bei der Explosion einer Kernwaffe zu erreichen, wurden Protonen mit einer Energie von 440 Gigaelektronenvolt fast bis auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Sie trafen dann auf ein echtes Fragment eines Eisenmeteoriten.
Das Forschungsteam, dessen Studie in Nature Communications(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht wurde, untersuchte damit erstmals im Labor, wie sich ein Asteroid unter diesen Bedingungen verhalten würde. Bisher basierten die Annahmen darüber auf Computersimulationen und der Beobachtung von auseinanderbrechenden Meteoriten in der Atmosphäre.
Unerwartet stabil
Die Untersuchungen zeigten, dass das Meteoritenfragment sich unter den extremen Bedingungen verfestigte und stabilisierte. Zumindest für metallene Asteroiden würde das bedeuten, dass die Energie einer Kernwaffenexplosion nicht zu einem Zerbrechen führt, sondern größtenteils in die Änderung der Flugbahn fließt.
Laut Melanie Bochmann, Erstautorin der Studie, ergibt sich dadurch eine neue Option, um besonders große oder erst kurz vor dem Einschlag entdeckte Himmelsobjekte abzuwehren. Anders als in früheren Vorhersagemodellen könnte eine größere Kernwaffe eingesetzt werden, um eine Kollision zu verhindern, ohne nicht minder gefährliche Bruchstücke zu erzeugen.



