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Weltraum: Kartenarchiv zeigt den gesamten Mars - sogar tiefenscharf

Eine hochauflösende Marskarte steht der Öffentlichkeit jetzt kostenfrei zur Verfügung. Dafür wurden Tausende Bilder der letzten zwei Jahrzehnte verwendet.
/ Patrick Klapetz
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Ein Kartenausschnitt vom Mars (Bild: USGS, ASC)
Ein Kartenausschnitt vom Mars Bild: USGS, ASC

Mehr als 155.000 Bilder und über 4.800 digitale Geländemodelle (DTM) vom Mars umfasst das Kartenarchiv, das hochauflösend und in Tiefenschärfe(öffnet im neuen Fenster) erkundet werden kann.

Die Karte wurde von einem Forschungsteam des Wissenschaftszentrums für Astrogeologie, ASC (Astrogeology Science Center), der US-amerikanischen Behörde USGS für geologische Untersuchungen (Geological Survey) zusammengestellt.

"Jetzt kann jeder, der ein Smartphone besitzt, diese Daten durchsuchen, nutzen und bestaunen" , sagte Teamleiter Jay Laura vom ASC laut Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster) . Interessierte können über den Browser auf die Seite der USGS zugreifen, eine (nutzerfreundlichere) App gibt es dafür nicht.

20 Jahre alte Raumsonde liefert die hochauflösenden Daten

Die topografischen Daten des Mars, die das Team verwendete, wurden von der Context Camera des Mars Reconnaissance Orbiters (MRO) erfasst. Der Orbiter befindet sich seit 17 Jahren in der Marsumlaufbahn. Seine Bilder bieten eine Auflösung von etwa sechs Metern pro Pixel – damit erfasst er ein Gebiet von je bis zu 30 Kilometern Breite und 160 Kilometern Länge.

Um die detaillierte tiefenscharfe Ansicht(öffnet im neuen Fenster) und die damit digitalisierten Geländemodelle zu erstellen, legte das Team zwei Bilder desselben Gebiets übereinander und verarbeitete sie mit einem Supercomputer. Der Prozess ähnelt der Verarbeitung visueller Daten, die von unseren beiden Augen erfasst werden. Unser Gehirn hilft bei der Tiefenwahrnehmung und wir nehmen unsere Umgebung dadurch dreidimensional wahr.

Derzeit arbeitet das Team an einer weiter verbesserten topografischen Abdeckung des Mars mit 20 Metern pro Pixel. Diese Bildpaare wurden mit der noch schärferen Kamera High-Resolution Imaging Science Experiment (Hirise) aufgenommen, die sich ebenfalls an Bord des MRO befindet. Zwar decken die Hirise-Bilder jeweils einen kleineren Bereich der Marsoberfläche ab – nämlich 6 Kilometer in der Breite und 60 Kilometer in der Länge -, jedoch haben diese Bilder eine Auflösung von 25 Zentimetern pro Pixel.

Sisyphusarbeit für das Forschungsteam

Für Wissenschaftler ist es schwierig, mit solch detaillierten Fotos umzugehen. Bisher mussten alle Bilder eines Untersuchungsgebiets einzeln heruntergeladen und dann so bearbeitet werden, dass sie in verschiedenen Zoomstufen betrachtet werden konnten. Das ASC-Team verarbeitete daher den gesamten Katalog von 155.000 Hirise-Bildern, um sie streamingfähig und kostenlos zugänglich zu machen. Das entspricht einer Datenmenge von 114 Terabyte.

"Diese Datenfreigabe bedeutet, dass der Hirise-Datensatz jetzt nahtlos von Wissenschaftlern, die mit maschinellem Lernen arbeiten, genutzt werden kann" , erklärte Laura. Die Daten werden von Amazon in der Open Data Registry(öffnet im neuen Fenster) des Unternehmens gehostet. Zudem baute das Team Suchwerkzeuge in das Tool ein.


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