Die Ja- und die Neinsager
Etwas Ähnliches passierte vor kurzem in den hervorragenden Kommentaren zu einem unserer Artikel . Dort entstanden zwar faszinierende Diskussionen über die Zukunft von KI, aber niemand schien sich überzeugen zu lassen. Verschiedene Weltbilder trafen aufeinander – und deren Verfechter hatten ein so unterschiedliches Verständnis von KI, dass sie kaum aufeinander eingehen konnten.
Thema war vor allem eine Grundsatzfrage: Produziert eine hinreichend fortgeschrittene KI Outputs, die dasselbe sind wie das, was wir bei Menschen Denken nennen? Wer KI für eine bahnbrechende Technologie hält, sagt in der Regel ja(öffnet im neuen Fenster) , wer KI eher skeptisch betrachtet, sagt eher nein(öffnet im neuen Fenster) .
Der Bericht des Forecasting Research Institutes deckt außerdem noch eine zweite Frage auf. Es gehe nicht nur darum, ob wir grundsätzlich so über KI reden können, als ob sie wie ein Mensch denke, wie ein Gehirn funktioniere oder überhaupt intelligent sei. Es gehe auch darum, was wir als valides Argument anerkennen und von welchen Beweisen wir bereit sind, uns überzeugen zu lassen.
Was bedeutet überhaupt KI?
Ein Teil des Problems ist der Begriff künstliche Intelligenz. "Gerade im Deutschen" , sagt Jens Ohlig, ehrenamtliches Mitglied im Präsidium von Wikimedia Deutschland, "denken viele dabei eher an 'der Computer ist schlau' und weniger an 'der Computer erkennt Muster.'" Wir verbinden Intelligenz so sehr mit uns selbst, dass wir dann "fast automatisch den Computer vermenschlichen" .
Die Marketingversprechen diverser Unternehmen und Tropen der Science-Fiction tun den Rest. Hinter all diesen Ideen verwischen, was unterschiedliche Menschen mit KI meinen. Da hilft auch die Definition(öffnet im neuen Fenster) nicht, KI sei ein Teilbereich der Informatik, der sich mit Algorithmen beschäftigt, "die menschliche kognitive Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität imitieren."
Eine irreführende Abkürzung
Zwar dominiere die Perspektive, KI sei gleich maschinelles Lernen. Aber der Begriff stehe auch noch für viel mehr, schreiben zum Beispiel Jasper Korte und seine Kolleginnen(öffnet im neuen Fenster) vom Deutschen Zentrum und Luft und Raumfahrt. Sie haben analysiert, wie in der Wissenschaft und auf Wikipedia über KI geschrieben wird – und Unterschiede entdeckt.
In der Wikipedia-Gemeinschaft sei KI etwa kein Hype gewesen: Im Gegensatz zu wissenschaftlichen Beiträgen über KI sei die Anzahl Änderungen, neuer Seiten und neuer Autorinnen bei Wikipedia relativ stabil geblieben. Außerdem richte sich die Aufmerksamkeit eher "auf Umsetzungen als auf Gedankenexperimente" .
Das passt zur Definition des Deutschen Zentrums für Politische Bildung: Das Ziel des Forschungsbereichs KI sei, Computerprogramme zu entwickeln, die "selbstständig Problemlösungen erlernen" . Aber es passt so gar nicht zu den überspitzten Beiträgen der letzten Monate, wegen denen Benjamin Pieters vom Wayfare Magazin empfiehlt(öffnet im neuen Fenster) , am besten ganz auf die "mysteriöse Abkürzung" zu verzichten.



