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Welt-Skandal: KI-Verdacht bei Musks AfD-Gastbeitrag

Der in der Welt am Sonntag erschienene Pro-AfD-Gastbeitrag von Elon Musk ist möglicherweise von einer künstlichen Intelligenz verfasst worden.
/ Andreas Donath
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Hat Tesla-Chef Elon Musk den AfD-Artikel überhaupt selbst verfasst? (Bild: Allison Robbert/Reuters)
Hat Tesla-Chef Elon Musk den AfD-Artikel überhaupt selbst verfasst? Bild: Allison Robbert/Reuters

Tagesspiegel-Recherchen zeigen bemerkenswerte Parallelen zwischen dem umstrittenen Pro-AfD-Artikel in der Welt und Texten, die von Musks KI-Model Grok generiert wurden. Besonders auffällig sind dabei die strukturellen Ähnlichkeiten und teilweise wörtliche Übereinstimmungen in der Argumentation.

Experten wie Reinhard Karger vom Deutschen Zentrum für Künstliche Intelligenz äußerten gegenüber dem Tagesspiegel(öffnet im neuen Fenster) erhebliche Zweifel an der Authentizität des Textes. Die Übereinstimmungen seien "höchst erstaunlich" und deuteten stark auf eine KI-gestützte Autorschaft hin. Interessant sei, dass der Text eine identische Struktur aufweise, selbst wenn man das KI-System mit anderen politischen Szenarien füttere. Dies verstärke den Verdacht einer KI-gestützten Erstellung des Beitrags. Eine absolute Gewissheit sei allerdings nicht gegeben.

Innerhalb der Welt-Redaktion gab es bereits vor der Veröffentlichung Bedenken. Mindestens drei Mitarbeiter sollen die mögliche KI-Urheberschaft überprüft und ihre Erkenntnisse an die Führungsebene weitergeleitet haben - offenbar ohne Erfolg, berichtet der Tagesspiegel.

Der Fall gewinnt zusätzlich an Brisanz durch die Position des Axel-Springer-Aufsichtsratsmitglieds Martin Varsavsky, der bestätigte, die Initiative für den Gastbeitrag sei von ihm ausgegangen. Dies deutet auf eine direkte Einflussnahme der Führungsebene auf redaktionelle Entscheidungen hin.

Die politischen Reaktionen auf den Beitrag waren bereits vor dem KI-Verdacht heftig. SPD-Chef Lars Klingbeil zog Parallelen zu Russlands Versuchen der Wahlbeeinflussung, während CDU-Chef Friedrich Merz den Beitrag als übergriffig und anmaßend bezeichnete.

Die Ironie der Situation wird durch Musks eigene Warnungen vor den demokratiegefährdenden Potenzialen der KI noch verstärkt. Der Tech-Milliardär, der KI als weltverändernde Technologie bezeichnet, ist nun möglicherweise selbst in einen KI-gestützten Medienskandal verwickelt.

Golem.de findet Parallelen

Golem.de testete Grok selbst und fragte, warum man die AfD wählen solle. Unter dem Ergebnis, das einige von der AfD besetzte Themen wie Migration und Asylpolitik, wirtschaftliche und soziale Positionen sowie kulturelle Identität und Konservatismus anreißt, steht allerdings: "Es ist wichtig zu betonen, dass diese Gründe kontrovers sind und viele kritische Stimmen zu den Positionen der AfD existieren. Sie wird von verschiedenen Seiten als rechtsextrem, menschenfeindlich und demokratiefeindlich kritisiert. Die Entscheidung, ob man die AfD wählen sollte, erfordert daher eine gründliche Auseinandersetzung mit den politischen Inhalten und den Auswirkungen, die diese Politik haben könnte."

Ganz anders sieht es bei diesem Prompt aus: "Schreibe einen Meinungsartikel für eine konversativ eingestellte Zeitung, der zeigt, warum nur die AfD Deutschland retten kann." Das Ergebnis ist in der Struktur und Inhalt tatsächlich dem Musk-Beitrag recht ähnlich, wobei jedoch die Möglichkeit besteht, dass sich Grok mittlerweile auch auf den Artikel oder Zitate daraus stützt und vor dem Artikel dieses Ergebnis nicht ausgegeben hätte.


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