BTX-Geräte unterm Weihnachtsbaum

Doch Kunden sind freilich mehr als nur Opfer ihrer Daten und erleben nicht nur Nachteile durch die Vernetzung. Dass Datenfernübertragung - allen Abhörskandalen und Geheimdienstaktionen zum Trotz - enorme Vorteile bietet, war bereits 1984 unbestritten. Deshalb brachte die damalige Deutsche Bundespost einen Dienst auf den Markt, der die Deutschen an die digitalen Welten anschließen sollte: Bildschirmtext (BTX).

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1984 war erst das zweite Weihnachtsfest für den bundesweit aufstrebenden Postdienst und die Erwartungen waren groß: Eine siebenstellige BTX-Nutzerzahl peilte die Bundespost an, spätestens bis Mitte der 1980er Jahre sollte dieses Ziel erreicht werden. Viel Zeit blieb also nicht, und die Franzosen machten mit ihrem ebenfalls 1982 gestarteten Minitel-Service vor, wie es geht: Dieser begeisterte binnen weniger Jahre Millionen Menschen und sorgte so schnell für eine kritische Masse an Nutzerinnen und Nutzern, die dem System so zu langjähriger Akzeptanz und entsprechendem Erfolg verhalfen. BTX hingegen blieb viel länger als gewünscht in der Nische, allen Werbeaktionen und Weihnachtsangeboten zum Trotz. Denn im Gegensatz zu den Minitel-Terminals, welche von der französischen Post gratis ausgegeben wurden, waren BTX-Geräte weder leistungsstark noch günstig und die dazugehörigen Services überschaubar, langsam und teilweise sehr teuer.

Fernseher mit eingebauten Decodern setzten sich ebenso wenig durch wie - teilweise gar nicht erst durch die Post zugelassene - Zusatzhardware für damals populäre Computer wie den Commodore 64.

Und auch die Bundespost selbst stellte ein Problem dar, denn der damalige Monopolist genoss aufgrund seines kundenfernen Auftretens in der Bevölkerung nicht gerade den besten Ruf. Der Hamburger Chaos Computer Club, der die Post seinerzeit in Anlehnung an ihre ginstergelbe Behördenfarbe liebevoll Gilb nannte, sorgte 1984 mit dem BTX-Hack für eine entsprechende Blamage des Bonner Amtes.

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Auch wenn später erhebliche Zweifel am technischen Hintergrund des Hacks aufkamen, so stand die Post in den Medien nicht gut da und das System BTX wirkte auch nicht unbedingt attraktiver. So kam unterm Strich bei den Deutschen keine rechte Begeisterung auf und BTX-Geräte blieben eine Rarität unterm Weihnachtsbaum, trotz aller innovativen und richtungsweisenden Grundideen hinter dem System wie der schnellen Vernetzung über das Telefonnetz.

Günstige Modems lösten BTX ab

Knapp zehn Jahre später erledigte sich das Thema von selbst: Das Internet gelangte dank immer günstigerer Modems und DSL-Anschlüsse in die Haushalte, in denen inzwischen immer mehr anschlussfähige Computer standen. Noch bevor BTX vom Markt verschwand, verschwand die Behörde dahinter: 1994, sieben Jahre vor dem BTX-Aus, wurde die Bundespost privatisiert und der Markt entsprechend liberalisiert.

Während BTX-Geräte heute nur noch in Technikmuseen und auf Retrocomputing-Messen eine Rolle spielen, hat sich die Onlinebegeisterung der Menschen vom Bildschirmtext-Debakel nicht aufhalten lassen, sondern ist längst in der Gesamtbevölkerung angekommen.

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 Weihnachten 1984: Was vor 30 Jahren unterm Christbaum lagDer C64 veränderte alles 
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Planet 05. Jan 2015

Ja, eben das wurde ja mit den 128KB RAM des Macintosh vor 30 Jahren verglichen...

Lord Gamma 31. Dez 2014

Wenn vom "hunderttausendfachen" gesprochen wird, ist offensichtlich, die persistente...

Hassan 31. Dez 2014

off topic: Dank deiner Signatur hat es mich erinnert, dass ich meine Jacke noch im...

Anonymer Nutzer 30. Dez 2014

Ich find den Artikel auch etwas Apple-lastg. 1984 wolte niemand aus meinem Bekanntenkreis...

Madricks 26. Dez 2014

Gut geschrieben =)



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