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Wegen US-Einflussnahme: Österreichischer Staatssekretär will Anthropic in EU holen

Die restriktive Freigabe von Anthropics KI-Modellen Mythos und Fable führt der EU ihre technologische Abhängigkeit vor Augen.
/ Johannes Hiltscher
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Österreichs Digitalstaatssekretär schlägt Anthropic vor, seine Sachen zu packen und in die EU zu ziehen. (Bild: Blue Bird, Pexels)
Österreichs Digitalstaatssekretär schlägt Anthropic vor, seine Sachen zu packen und in die EU zu ziehen. Bild: Blue Bird, Pexels / CC0 1.0

Die zeitweilige Sperre von Anthropics jüngsten KI-Modellen Fable und Mythos hat nicht nur Nutzer verunsichert. Auch in der EU scheint einigen Entscheidungsträgern bewusst geworden zu sein, wie sehr Europa vom Wohlwollen der US-Regierung abhängig ist. Die hat Anthropic zwar mittlerweile erlaubt, Mythos wieder anzubieten, kontrolliert aber, wer Zugriff bekommt.

Um solche Situationen künftig zu vermeiden, hat Österreichs Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll vorgeschlagen, Anthropic einen Umzug in die EU schmackhaft zu machen. Als Anreize dienen könnten: "Rechtssicherheit, Marktzugang, Kapital und ein Wertesystem, das zu dem Unternehmen passt". Das schrieb Pröll in einem Brief an EU-Digitalkomissarin Henna Virkunnen. Das berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters(öffnet im neuen Fenster).

Anthropic passe gut zur EU, so Pröll in seinem Brief, da das Unternehmen Sicherheit über Geschwindigkeit stelle und den ethischen Einsatz von KI nicht nur als Marketing begreife. In der EU werde das Unternehmen nicht eingeengt, sondern freigesetzt. Wirklich überzeugt von der Machbarkeit seines Vorschlags scheint Pröll allerdings nicht zu sein. Wie der ORF berichtet(öffnet im neuen Fenster), äußerte er sich selbst skeptisch zu seinem Vorschlag.

Der Golem-Blick

Prölls Vorschlag klingt interessant, wird aber für Anthropic praktisch nicht umsetzbar sein. Das Unternehmen würde sich weiterem Druck der US-Regierung und in der Folge wohl der Kapitalgeber aussetzen.

Und ein Umzug des Unternehmenssitzes in die EU würde das Problem lediglich verschieben. Anthropic besitzt bislang keine eigenen Rechenzentren, sondern mietet Hardware von einer Reihe an Betreibern. Diese sind allesamt US-Unternehmen, und über sie könnte die US-Regierung indirekt Druck auf das Unternehmen ausüben.

Anstatt Anthropic aus den USA abzuwerben, sollte die EU lieber Mistral unterstützen. Das Unternehmen ist bereits in der EU ansässig. Helfen könnte etwa eine Unterstützung bei der Anwerbung führender Forscher und Entwickler. Zudem muss eine zuverlässige Versorgung mit Hardware und ausreichend Kapital sichergestellt werden. Und hier liegt ein weiterer Punkt, an dem die US-Regierung einen starken Hebel hat: Die KI-Hardware entwickeln ebenfalls hauptsächlich US-Unternehmen.

Mit der AI Diffusion Rule (g+) wollte einst die scheidende Biden-Regierung schon einmal den Export von KI-Hardware kontrollieren. Die kippte ausgerechnet Donald Trump, da sie zu bürokratisch sei. Doch auch der dachte bereits laut darüber nach, die leistungsfähigste Nvidia-Hardware nur US-Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Sicher ist aber: Wenn die EU bei modernster KI unabhängig werden will, muss sie sich beeilen. Einige meinen(öffnet im neuen Fenster), es sei bereits zu spät, da die Modelle von Anthropic und OpenAI so mächtig seien, dass sie zu einer exponentiellen Verbesserung kommender Modellgenerationen beitrügen.


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