• IT-Karriere:
  • Services:

Die Deutschen sind zu perfektionistisch

Golem.de: Gibt es kulturelle Eigenheiten, die besonders für den deutschen IT-Markt gelten?

Stellenmarkt
  1. EUROBAUSTOFF Handelsgesellschaft mbH & Co. KG, Bad Nauheim
  2. VPV Versicherungen, Stuttgart

Özdil: Übertriebene Genauigkeit statt eines kontinuierlichen Mehrwerts für den Kunden. Da muss man in Deutschland aufpassen. Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen. Manchmal muss man nach 80 Prozent der Arbeit sagen "Ok, das ist in Ordnung so" und sich dann mit dem nächsten, genauso wichtigen Thema beschäftigen.

Golem.de: Gibt es dafür ein konkretes Beispiel aus der Praxis?

Özdil: Das ist das Pareto-Prinzip. 80 Prozent einer Aufgabe lassen sich schnell und effizient lösen. Für die restlichen 20 braucht man oft einen riesigen Kraftaufwand. Aber wofür? Oft passen die erreichten 80 Prozent bereits für den Großteil der Kunden. In Deutschland tendieren wir dazu, die fehlenden 20 Prozent überzuerfüllen und verrennen uns in Perfektion. Wenn man große Ziele hat, dann darf man sich im Kleinen nicht verlieren.

Golem Akademie
  1. PostgreSQL Fundamentals
    15.-18. Juni 2021, online
Weitere IT-Trainings

Golem.de: Welche Unterschiede gibt es bei der Arbeit in Deutschland noch im Unterschied zu den USA?

Özdil: Ich glaube, in den USA sind Mitarbeiter sehr getrieben von ihrem eigenen Erfolgsanspruch. Man merkt die Hire-and-Fire-Mentalität. Ich habe erlebt, dass viele Menschen Angst haben, den Job zu verlieren und deshalb nicht am Erfolg des Teams, sondern lieber am eigenen Erfolg arbeiten. Das Problem haben wir hier in Deutschland zum Glück nicht.

Golem.de: Gibt es auch Nachteile in Deutschland im Vergleich zu den USA?

Özdil: Die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland müssen wir überdenken. Die Möglichkeiten, Mitarbeiter am Erfolg der Company zu beteiligen, sind im Vergleich zu Ländern wie den USA zu stark eingeschränkt. Das sind nervige Nachteile, die wir hier leider aktuell noch haben.

Oster-Angebote bei Amazon bis zum 31. März.

Golem.de: Wie würden Sie die Mitarbeiter gerne beteiligen und was steht Ihnen konkret im Wege?

Özdil: Zum Beispiel flexible Aktienoptionsprogramme, die erst mit Börsennotierung möglich werden. Wir brauchen im deutschen Unternehmens- und Aktienrecht mehr Spielraum für die Beteiligung von Mitarbeitern am eigenen Unternehmen. Hier sind die USA wesentlich weiter als wir hier in Europa. Am Ende geht es um die Talente, die durch eine Beteiligung stärker ans Unternehmen gebunden werden. Das wäre auch hier in Europa sehr wichtig.

Scheitern gehört dazu

Golem.de: Woran scheitern die meisten Projekte?

Özdil: Manchmal werden Projekte im Zuge der Realisierung hochkomplex oder die Anforderungen verändern sich. Dann wird ein Projekt auch mal nicht abgeschlossen. Das ist aber die absolute Ausnahme. Scheitern ist auch ein Bestandteil von Menschen und Unternehmen. Die Frage ist immer, ob man Schlüsse daraus zieht.

Golem.de: Wie würden Sie mit einem Team umgehen, das immer zu spät Projekte liefert, oder mit einem Entwickler, der ständig Fehler macht?

Özdil: Sich gemeinsam auf die Prioritäten verständigen. Analysieren, woran es liegt, und für stärkere Strukturierung, Entlastung, Fokus oder einen Prioritäten-Shift sorgen. Ich habe viel Verständnis für Hindernisse in der Erreichung von Zielen. Da hilft auch unsere agile Organisation: Durch kleine Teams können Fehler schon früh erkannt werden. Wichtig ist: Warum wird nicht produktiv gearbeitet? Warum entstehen Fehler? Liegt es auf Arbeitsseite oder ist es privat gerade schwierig? Dann kann man gemeinsam Maßnahmen ergreifen. Solange beide Seiten da gewillt sind, lässt sich das alles regeln.

  • Ertan Özdil an seinem Arbeitsplatz in Kitzingen (Bild: Weclapp)
  • Ertan Özdil als Jugendlicher mit der ersten Konsole (Bild: privat)
Ertan Özdil an seinem Arbeitsplatz in Kitzingen (Bild: Weclapp)

Golem.de: Wäre es nicht manchmal praktisch, wenn KIs statt Entwickler programmierten?

Özdil: Hört sich nach Horror-Science-Fiction an. Das würde zu Zweiklassensoftware führen: Masse gegen Eliteclub - nein, danke! Aber auch wir forschen zu AI und arbeiten an der Entwicklung eines digitalen Mitarbeiters innerhalb unserer Software. Dabei geht es in erster Linie um die Entlastung von Mitarbeitern, Beschleunigung von Prozessen und Erhöhung der Servicequalität des Unternehmens. Kurz: AI, die dazu dient, Programmierer zu ersetzen, halte ich für sehr gefährlich, Machine Learning - zum Beispiel für Beta-Tests - allerdings für reizvoll.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 ITler wollen immer mehr Geld und weniger ArbeitDie Maschine der Zukunft ist Jarvis aus dem Marvel-Universum 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6. 5
  7.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. 3.999€ (statt 4.699€)
  2. 74,99€ (Bestpreis)
  3. 249€ (Bestpreis)
  4. (u. a. HyperX Fury Black RGB DIMM 16GB DDR4-3200 Kit für 91,90€, Razer Naga Trinity Gaming-Maus...

eyeQ711 10:57 / Themenstart

jemand der SAP einsetzen kann, gehört wohl nicht zur Zielgruppe von weclapp

ranzassel 20. Apr 2021 / Themenstart

Richtig. Wo keine Menschen, Flugzeuge oder sonstige Dinge herummanövrieren, da passieren...

6502 12. Apr 2021 / Themenstart

Ist das nicht bei diesen agilen Sprint-Scrummern "Programm"? ;-)

MikeMan 06. Apr 2021 / Themenstart

Wer hat Dich denn für das Posting bezahlt? Oder schreibt hier der "CEO" gar selbst...

waldschrat 30. Mär 2021 / Themenstart

Jaja, an die ganzen Sprüche kann ich mich noch erinnern. Und auch an die Realität...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Govecs Elmoto Loop - Test

Das Elmoto Loop von Govecs wiegt nur 59 Kilogramm, hat einen guten Elektromotor und fährt sich ganz anders als ein klassischer E-Roller.

Govecs Elmoto Loop - Test Video aufrufen
Programm für IT-Jobeinstieg: Hoffen auf den Klebeeffekt
Programm für IT-Jobeinstieg
Hoffen auf den Klebeeffekt

Aktuell ist der Jobeinstieg für junge Ingenieure und Informatiker schwer. Um ihnen zu helfen, hat das Land Baden-Württemberg eine interessante Idee: Es macht sich selbst zur Zeitarbeitsfirma.
Ein Bericht von Peter Ilg

  1. Arbeitszeit Das Sechs-Stunden-Experiment bei Sipgate
  2. Neuorientierung im IT-Job Endlich mal machen!
  3. IT-Unternehmen Die richtige Software für ein Projekt finden

Weclapp-CTO Ertan Özdil: Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!
Weclapp-CTO Ertan Özdil
"Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!"

Der CTO von Weclapp träumt von smarter Software, die menschliches Eingreifen in der nächsten ERP-Generation reduziert. Deutschen Perfektionismus hält Ertan Özdil aber für gefährlich.
Ein Interview von Maja Hoock


    Fiat 500 als E-Auto im Test: Kleinstwagen mit großem Potenzial
    Fiat 500 als E-Auto im Test
    Kleinstwagen mit großem Potenzial

    Fiat hat einen neuen 500er entwickelt. Der Kleine fährt elektrisch - und zwar richtig gut.
    Ein Test von Peter Ilg

    1. Vierradlenkung Elektrischer GMC Hummer SUV fährt im Krabbengang seitwärts
    2. MG Cyberster MG B Roadster mit Lasergürtel und Union Jack
    3. Elektroauto E-Auto-Prämie übersteigt in 2021 schon Vorjahressumme

      •  /