Die Deutschen sind zu perfektionistisch

Golem.de: Gibt es kulturelle Eigenheiten, die besonders für den deutschen IT-Markt gelten?

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Özdil: Übertriebene Genauigkeit statt eines kontinuierlichen Mehrwerts für den Kunden. Da muss man in Deutschland aufpassen. Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen. Manchmal muss man nach 80 Prozent der Arbeit sagen "Ok, das ist in Ordnung so" und sich dann mit dem nächsten, genauso wichtigen Thema beschäftigen.

Golem.de: Gibt es dafür ein konkretes Beispiel aus der Praxis?

Özdil: Das ist das Pareto-Prinzip. 80 Prozent einer Aufgabe lassen sich schnell und effizient lösen. Für die restlichen 20 braucht man oft einen riesigen Kraftaufwand. Aber wofür? Oft passen die erreichten 80 Prozent bereits für den Großteil der Kunden. In Deutschland tendieren wir dazu, die fehlenden 20 Prozent überzuerfüllen und verrennen uns in Perfektion. Wenn man große Ziele hat, dann darf man sich im Kleinen nicht verlieren.

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Golem.de: Welche Unterschiede gibt es bei der Arbeit in Deutschland noch im Unterschied zu den USA?

Özdil: Ich glaube, in den USA sind Mitarbeiter sehr getrieben von ihrem eigenen Erfolgsanspruch. Man merkt die Hire-and-Fire-Mentalität. Ich habe erlebt, dass viele Menschen Angst haben, den Job zu verlieren und deshalb nicht am Erfolg des Teams, sondern lieber am eigenen Erfolg arbeiten. Das Problem haben wir hier in Deutschland zum Glück nicht.

Golem.de: Gibt es auch Nachteile in Deutschland im Vergleich zu den USA?

Özdil: Die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland müssen wir überdenken. Die Möglichkeiten, Mitarbeiter am Erfolg der Company zu beteiligen, sind im Vergleich zu Ländern wie den USA zu stark eingeschränkt. Das sind nervige Nachteile, die wir hier leider aktuell noch haben.

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Golem.de: Wie würden Sie die Mitarbeiter gerne beteiligen und was steht Ihnen konkret im Wege?

Özdil: Zum Beispiel flexible Aktienoptionsprogramme, die erst mit Börsennotierung möglich werden. Wir brauchen im deutschen Unternehmens- und Aktienrecht mehr Spielraum für die Beteiligung von Mitarbeitern am eigenen Unternehmen. Hier sind die USA wesentlich weiter als wir hier in Europa. Am Ende geht es um die Talente, die durch eine Beteiligung stärker ans Unternehmen gebunden werden. Das wäre auch hier in Europa sehr wichtig.

Scheitern gehört dazu

Golem.de: Woran scheitern die meisten Projekte?

Özdil: Manchmal werden Projekte im Zuge der Realisierung hochkomplex oder die Anforderungen verändern sich. Dann wird ein Projekt auch mal nicht abgeschlossen. Das ist aber die absolute Ausnahme. Scheitern ist auch ein Bestandteil von Menschen und Unternehmen. Die Frage ist immer, ob man Schlüsse daraus zieht.

Golem.de: Wie würden Sie mit einem Team umgehen, das immer zu spät Projekte liefert, oder mit einem Entwickler, der ständig Fehler macht?

Özdil: Sich gemeinsam auf die Prioritäten verständigen. Analysieren, woran es liegt, und für stärkere Strukturierung, Entlastung, Fokus oder einen Prioritäten-Shift sorgen. Ich habe viel Verständnis für Hindernisse in der Erreichung von Zielen. Da hilft auch unsere agile Organisation: Durch kleine Teams können Fehler schon früh erkannt werden. Wichtig ist: Warum wird nicht produktiv gearbeitet? Warum entstehen Fehler? Liegt es auf Arbeitsseite oder ist es privat gerade schwierig? Dann kann man gemeinsam Maßnahmen ergreifen. Solange beide Seiten da gewillt sind, lässt sich das alles regeln.

  • Ertan Özdil an seinem Arbeitsplatz in Kitzingen (Bild: Weclapp)
  • Ertan Özdil als Jugendlicher mit der ersten Konsole (Bild: privat)
Ertan Özdil an seinem Arbeitsplatz in Kitzingen (Bild: Weclapp)

Golem.de: Wäre es nicht manchmal praktisch, wenn KIs statt Entwickler programmierten?

Özdil: Hört sich nach Horror-Science-Fiction an. Das würde zu Zweiklassensoftware führen: Masse gegen Eliteclub - nein, danke! Aber auch wir forschen zu AI und arbeiten an der Entwicklung eines digitalen Mitarbeiters innerhalb unserer Software. Dabei geht es in erster Linie um die Entlastung von Mitarbeitern, Beschleunigung von Prozessen und Erhöhung der Servicequalität des Unternehmens. Kurz: AI, die dazu dient, Programmierer zu ersetzen, halte ich für sehr gefährlich, Machine Learning - zum Beispiel für Beta-Tests - allerdings für reizvoll.

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cc68 17. Mai 2021

ist ja an sich ganz schön und eigentlich gibt es viele tolle Funktionen. Dann gibt es...

peterson78 15. Mai 2021

Naja, immerhin lassen sich CRM-Kontakte Leads, Interessenten zwischen weclapp und...

supersux 10. Mai 2021

Quark, Gehälter auf Marktniveau sind zwar nicht besonders interessant, aber eben auch...

luoc 02. Mai 2021

Herzlichen Glückwunsch zum ersten Beitrag :)

/lib/modules 01. Mai 2021

Hehe, dachte ich mir auch. Naja - soll er halt seine vendor-login Bude bewerben. Es gibt...



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