Webentwicklung: 44 Millionen US-Dollar für kaum funkionierende Impf-Webseite

Die US-Behörde CDC hat viele Steuergelder für eine Webseite für Corona-Impfungen ausgegeben. Doch wird sie immer weniger genutzt.

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Medizinisches Personal hat  Probleme mit VAMS.
Medizinisches Personal hat Probleme mit VAMS. (Bild: Pixabay.com)

Eigentlich war die Idee simpel: In den USA sollte eine Webseite entstehen, über die sich Bürger für eine Covid-19-Impfung und Zweitimpfungen eintragen und dann auch ihre Ergebnisse anzeigen lassen können. Entstanden ist das Vaccine Administration Management System VAMS - und das ist wohl ein Disaster für 44 Millionen US-Dollar an Steuergeldern.

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Diese Summe hatte die große Consulting-Firma Deloitte laut einer Analyse des Magazins Technologyreview für die Entwicklung der Webseite und der dahinter stehenden Datenbank verlangt. Das Unternehmen hatte bereits öfter Aufträge der US-Regierung angenommen, was aber wohl nicht der Grund dafür war, dass es den Millionenauftrag gewann. Anscheinend gab es keine ernstzunehmende Konkurrenz. So konnte Deloitte ohne Druck relativ frei verhandeln und eine große Geldsumme verlangen.

Das Ergebnis scheint nicht zufriedenstellend zu sein: In US-Bundesstaaten werden Impftermine teils ohne erkennbaren Grund abgesagt, die Registrierung auf der VAMS-Plattform funktioniert nicht richtig oder Belegschaft sperrt sich selbst aus dem Nutzerdashboard aus, das etwa eine Übersicht über Termine und Impfstoffbestände geben soll.

In der Folge werde das eigentlich unentgeltlich nutzbare System von Krankenhäusern und Behörden gemieden und es würden Alternativen herangezogen. So gibt es Countys in den USA, die auf proprietäre Systeme wie Eventbrite setzen, welches eigentlich für Konzerte und andere Veranstaltungen gedacht ist. Der US-Bundesstaat Virginia baut etwa auch auf das kommerzielle System Prepmod. Diese Dezentralisierung auf lokaler Ebene scheint - neben der fehlerbehafteten Software - ein großes Problem bei der Impfstoffverwaltung in den USA zu sein.

100 Praktikanten tippen Infos per Hand ein

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Dabei seien einige Funktionen in VAMS nicht einmal integriert, die kommerzielle Systeme bieten. So konnten Spezialisten und Helfer ihren Patienten keine Hinweise für die Vorbereitung auf einen Termin geben, etwa dass sie zuvor noch einmal auf Toilette gehen und ausgeruht sein sollten.

An anderer Stelle sei es dem teils technisch untrainierten Personal kaum möglich gewesen, sich überhaupt in das System einzuloggen. "Wenn Sie 75 Jahre alt sind, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie sich ohne Hilfe einloggen können", sagt die Ärztin Courtney Rowe im Interview. Sie sei im Grunde ein freiwilliger Tech-Support für viele Patienten, die in den ersten Impfrunden meist älter sind.

Es soll auch Kliniken geben, die freiwillige Praktikanten eingestellt haben, die nur für die Nutzung von VAMS zur Verfügung stehen. Sie tippen Daten teilweise händisch ein. "Wie kann man 100 Millonen Impfungen in 100 Tagen durchführen, wenn jemand das alles per Hand eintragen muss?", fragt Rowe.

Das Center for Disease Control (CDC) ist offenbar anderer Meinung. Die vielen Fehler im System seien auf falsche Bedienung durch Personal zurückzuführen, heißt es. Dabei wurden bereits einige Änderungen vorgenommen: So werden etwa Warnungen angezeigt, wenn ein Admin-Account wichtige Informationen im System ändert.

Das Problem: VAMS ist ein System, das für medizinische Einrichtungen entwickelt wurde, die teilweise noch den Internet Explorer über andere Browser nutzen und deren Userbasis, zunächst ältere zur Impfung aufgerufene Menschen, in vielen Fällen nicht techaffin genug ist. Wenn allerdings Bedienelemente auf mobilen Endgeräten teilweise nicht einmal mehr angezeigt werden, dann liegt der Fehler nicht nur an der Nutzerschaft selbst.

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