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Web-Server: Russischer Kern-Entwickler startet Fork von Nginx

Wegen Streit mit Eigner F5 über Richtlinien und die Weiterentwicklung des Open-Source-Projekts Nginx startet ein Kern-Entwickler einen Fork.
/ Sebastian Grüner
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Nginx wird geforkt. (Bild: Reuters)
Nginx wird geforkt. Bild: Reuters

Der Entwickler Maxim Dounin hat einen Fork von Nginx angekündigt(öffnet im neuen Fenster) . Nginx gilt als am meisten genutzter Web-Server weltweit. Dounin, der als einer der sehr wenigen Kernentwickler seit Jahren maßgeblich an dem Open-Source-Projekt beteiligt ist, will künftig die Entwicklung des Web-Servers unter dem Namen Freenginx(öffnet im neuen Fenster) fortführen. Aufgrund bestehender Markenrechte an dem Namen Nginx wird der von Dounin gewählte Projektname wohl aber nicht langfristig zu halten sein. An der Weiterentwicklung der bisherigen Code-Basis will sich Dounin außerdem nicht weiter beteiligen.

Als Grund für die Abspaltung nennt Dounin Streitigkeiten mit den aktuellen Eignern von Nginx, dem vor allem für seine Load-Balancer bekannten Unternehmen F5. Dies hatte Nginx im Jahr 2019 übernommen . Dounin schreibt: "Leider haben einige neue, nicht-technische Führungskräfte bei F5 kürzlich entschieden, dass sie besser wissen, wie man Open-Source-Projekte betreibt. Insbesondere beschlossen sie, die seit Jahren von Nginx verwendeten Sicherheitsrichtlinien zu übergehen und dabei sowohl die Richtlinie als auch die Position der Entwickler zu ignorieren."

Konkreter Auslöser für den Fork ist demnach eine Auseinandersetzung darüber, ob und inwiefern CVE-Nummern als Hinweis für Fehler im Code vergebenen werden und ob diese tatsächlich als Sicherheitslücken anzusehen sind oder nicht. Wie Dounin schreibt(öffnet im neuen Fenster) , seien sich alle Entwickler einig darüber, dass der betreffende Fehler in experimentellem Code nicht als Sicherheitslücke gewertet werden dürfe. Auch wenn F5 als formaler Eigner des Codes jedes Rechte dazu habe, mit dem Projekt zu machen, was er für richtig hält, verstoße das Verhalten gegen eine Vereinbarung mit Dounin, so der Entwickler. Die Gründe für den Fork liegen aber wohl tiefer.

Denn nachdem F5 das Büro der Nginx-Gründer in Moskau Ende 2022 geschlossen hatte und Dounin damit seinen Job verlor, soll F5 ihm zugesichert haben, seine Rolle als Entwickler und Projektbetreuer als Freiwilliger weiterführen zu können. Das habe auch fast zwei Jahre gut funktioniert. Dounin könne aber die Änderungen an Nginx nicht mehr beeinflussen, wie er selbst schreibt. "Ich halte Nginx nicht mehr für ein freies und Open-Source-Projekt, das für das öffentliche Wohl entwickelt und gepflegt wird." Sein Fork solle von Entwicklern getragen werden, nicht von Unternehmen und er hoffe auf Unterstützung, so Dounin.


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