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Wearables: EU-Regeln bremsen Metas Ray-Ban Display aus

Batterieverordnung und KI-Vorgaben: Meta kämpft mit EU-Hürden für die Ray-Ban Display-Brille. Ein Marktstart rückt in weite Ferne.
/ Nils Matthiesen
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Meta-Display-Brille scheitert an EU (Bild: Manaure Quintero / AFP via Getty Images)
Meta-Display-Brille scheitert an EU Bild: Manaure Quintero / AFP via Getty Images

Die Markteinführung der neuen Smart Glasses von Meta mit integriertem Display gestaltet sich in Europa deutlich schwieriger als erwartet. Wie Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf Insider berichtet, stehen dem US-Konzern vor allem zwei regulatorische Hürden im Weg: die kommende EU-Batterieverordnung und die strengen Vorgaben für künstliche Intelligenz. Diese Kombination könnte dazu führen, dass das Wearable, das in den USA bereits seit September 2025 erhältlich ist, auf absehbare Zeit nicht offiziell in der Europäischen Union erscheint.

Austauschbare Akkus als Design-Hürde

Ein zentrales Problem stellt für Meta die neue Batterieverordnung der EU dar. Denn ab dem 18. Februar 2027 müssen Akkus in vielen Elektronikgeräten – darunter auch Wearables mit lithiumbasierten Batterien – durch den Nutzer entnehmbar und austauschbar sein. Diese Regelung soll die Reparierbarkeit verbessern und das Recycling fördern.

Für Hersteller von Smart Glasses wie Meta oder deren Partner EssilorLuxottica bedeutet dies jedoch einen massiven technischen Mehraufwand. Zwar könnte Meta die Brille jetzt in der EU verkaufen, müsste sie dann aber ab Februar 2027 bereits wieder vom Markt nehmen oder technisch grundlegend umrüsten. Ein Produktzyklus von weniger als einem Jahr lohnt sich bei derart komplexer Hardware und hohen Marketingkosten aber meist nicht.

Was die Sache technisch schwierig macht: In dem extrem begrenzten Gehäuse einer Brille zählt jeder Millimeter. Eine Konstruktion, die einen einfachen Akkutausch ermöglicht, beeinträchtigt laut Experten die Ergonomie, das Gewicht und die Energieeffizienz. Zudem stellt die Wärmeentwicklung bei austauschbaren Modulen eine Herausforderung dar. Meta versucht derzeit offenbar, eine Ausnahmeregelung bei der EU-Kommission zu erwirken, die nicht nur für Brillen, sondern auch für Smartwatches und Earbuds gelten soll. Ohne eine solche Ausnahme müsste das Hardwaredesign für den europäischen Markt grundlegend überarbeitet werden.

KI-Beschränkungen mindern Attraktivität

Zusätzlich zur Hardware-Problematik bereiten die europäischen KI-Vorgaben Sorgen. Da Meta die Brille explizit als KI-Brille vermarktet, wäre ein Launch mit stark beschnittenen Funktionen für das Management wenig attraktiv. Es wird befürchtet, dass wesentliche Features aufgrund der EU-Regulierung in Europa nicht angeboten werden können. Dies betrifft vor allem die multimodale Analyse in Echtzeit: Die Funktion, bei der die KI sieht, was der Nutzer sieht, und Objekte identifiziert oder Texte übersetzt, stößt in der EU auf strenge Datenschutzvorgaben zur Verarbeitung biometrischer Daten Dritter.

Auch das Training der KI-Modelle mit Nutzerdaten aus der EU wurde bereits in der Vergangenheit von Regulierungsbehörden blockiert, was personalisierte Funktionen erschwert. Andrew Puzder, US-Botschafter für die EU, deutete bereits an, dass die Brille unter den aktuellen Bedingungen nicht in der Union verfügbar sein wird.

Erschwerend kommen anhaltende Lieferengpässe hinzu. Das neuartige Wellenleiter-Display der Ray-Ban Display ist in der Herstellung hochkomplex. Ursprüngliche Pläne, Anfang 2026 Märkte wie Frankreich oder Italien zu bedienen, wurden bereits im Januar aufgrund der hohen Nachfrage in den USA verworfen. Während Meta und EssilorLuxottica mit rund sieben Millionen verkauften Smart Glasses seit Oktober 2023 zwar Marktführer sind, stehen auch Konkurrenten wie Google und Apple vor ähnlichen regulatorischen Problemen bei ihren künftigen Wearables.


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