Abo
  • Services:

Watson: IBMs Supercomputer stellt sich dumm an

Supercomputer Watson sollte der klügste Computer der Welt werden und dem Unternehmen unter Chefin Virginia Rometty Milliarden bringen. Doch der Rechner enttäuscht.

Artikel von Matthias Kamp/Wirtschaftswoche, Michael Kroker und Sven Prange veröffentlicht am
IBMS Watson ist wohl ein Opfer übertriebenen Marketings.
IBMS Watson ist wohl ein Opfer übertriebenen Marketings. (Bild: IBM)

Eine wahre Wundermaschine, davon ist Virginia Rometty, Chefin des IT-Konzerns IBM, überzeugt, ist ihr Watson. Ein Supercomputer, der mit Hilfe künstlicher Intelligenz all die Aufgaben löse, an denen die Menschheit bisher gescheitert sei. Und so scheute die Vorstandsvorsitzende auch keinen noch so großen Marketingjubel: In einem TV-Werbespot parliert Watson mit Literatur-Nobelpreisträger Bob Dylan über Songtexte. Und beim Super Bowl, dem Finale der Football-Meisterschaft, pries Schauspieler Jon Hamm, bekannt als Don Draper aus der Serie Mad Men, die Vorzüge Watsons: "Er hilft Ärzten dabei, Krankheiten zu bekämpfen; er kann Muster im globalen Wetter vorhersagen - und die Bildung von Kindern verbessern", schwärmte Hamm. "Watson ist eines der leistungsfähigsten Werkzeuge, das die Menschheit je gebaut hat."

Inhalt:
  1. Watson: IBMs Supercomputer stellt sich dumm an
  2. Der Markt sucht noch Anwendungsfälle für Watson

Und so euphorisch wie die Werbung klingen auch die Geschäftspläne, die Rometty mit Watson hegt. Die gesamte Zukunft des IT-Konzerns soll auf dem Geschäft mit künstlicher Intelligenz ruhen. Und dessen zentraler Baustein ist Watson. Er soll helfen, die seit 21 Quartalen in Folge sinkenden Erlöse von Big Blue wieder zu steigern. "Watson wird der nächste Mondflug für IBM - vor allem im Gesundheitswesen", sagt Rometty.

Doch nun bereitet der Hoffnungsträger der Konzernchefin Probleme. Nicht nur, dass das Geschäft mit künstlicher Intelligenz, Datenanalyse und Cloud Computing (Strategic Imperatives) nach zuvor zweistelligen Wachstumsraten im zweiten Quartal dieses Jahres nur noch um fünf Prozent wuchs. Es mehren sich auch die Zweifel an Watsons Fähigkeiten. Zuerst fiel das Programm bei einer staatlichen Ausschreibung für den Kampf gegen Cyberterroristen in Italien durch. Dann sorgte ein Bericht in den USA für Aufsehen, dass Watson mit der Auswertung von Daten im Kampf gegen Krebs überfordert sei. Und nun rücken nach Informationen der Wirtschaftswoche große Unternehmenskunden vom IBM-Supercomputer ab.

"Der Funke ist einfach nicht übergesprungen"

So haben die weltgrößten Rückversicherer Munich Re und Swiss Re laufende Watson-Projekte beendet oder reduziert. "IBM wird aktuell Opfer der Erwartungshaltung, die man selber durch aggressives Watson-Marketing bei den Kunden geschürt hat", sagt Axel Oppermann vom IT-Analysehaus Avispador. Welche Zukunft also hat der Supercomputer?

Stellenmarkt
  1. Bosch Gruppe, Berlin
  2. OKI EUROPE LIMITED, Branch Office Düsseldorf, Düsseldorf

Beim Münchner Rückversicherer Munich Re gehört der Umgang mit großen Datenmengen von jeher zum Geschäftsmodell. Wer auf Datengrundlage die Risiken dieser Welt richtig einschätzt, kann im Versicherungsgeschäft deutlich mehr Geld verdienen. Also waren sie in München wie elektrisiert, als IBM die gigantischen Datenverarbeitungsmöglichkeiten seines Watsons anpries. Und so starteten die Versicherer vor zwei Jahren den Einsatz Watsons. Auf drei Feldern, dem Schadensmanagement, der Risikoeinschätzung etwa bei Klimarisiken sowie der Absicherung von Lieferkettenunterbrechungen, sollte Watson helfen.

Doch mittlerweile hat die Munich Re den Einsatz beendet. Offiziell äußern will sich der Konzern dazu nicht. In Unternehmenskreisen heißt es, Watson habe keinen Mehrwert gebracht: "Der Funke ist einfach nicht übergesprungen."Insider berichten, ein Grund für den Abbruch der Kooperation seien die hohen Kosten gewesen. "Es gibt inzwischen kleinere Anbieter, die ähnliche Lösungen zum Teil deutlich günstiger anbieten", sagt ein mit dem Projekt vertrauter Berater. Ein anderer Insider berichtet, Munich Re habe für Leistungen gezahlt, die IBM nie erbracht habe, und für Funktionalitäten, die es gar nicht gab.

Vorbehalte hatten die Münchner offenbar auch hinsichtlich der Sicherheit ihrer Daten. Bei vielen Watson-Modulen muss der Anwender Daten in die Cloud verschieben. Das habe die Munich Re nicht gewollt, sagt der Insider. "Dass viele Anwendungen nur über die Cloud laufen, ist noch immer ein großes Problem für viele Kunden - und somit auch für IBM und den Erfolg von Watson", sagt auch Avispador-Analyst Oppermann.

Der Markt sucht noch Anwendungsfälle für Watson 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 24,99€
  2. 19,99€
  3. 2,99€
  4. 45,99€ Release 04.12.

Der Held vom... 28. Sep 2017

Deine Vermutung ist genauso gut wie meine. Ebenso wenig wie man die Entwicklung, den...

Badewanne 27. Sep 2017

VR: da war der Hype echt etwas groß. Mal sehen ob sich richtung AR noch was tut. Das hat...

6502 26. Sep 2017

...also ein wesentlich größerer Marketingboost - zumindest unter nicht-Mathematikern...

Ovaron 23. Sep 2017

Hm. Ja. Klingt toll. Ich bin gerade mal über Wikipedia (auf der Suche nach der...

markus.obi 22. Sep 2017

Hardware ist doch weitestgehend austauschbar (von Spezialchips wie den Tensor Processing...


Folgen Sie uns
       


Apple Mac Mini (Late 2018) - Test

Apple Mac Mini (Late 2018) ist ein kompaktes System mit Quadcore- oder Hexacore-Chip. Uns gefällt die Anschlussvielfalt mit klassischem USB und Thunderbolt 3, zudem arbeitet der Rechner sparsam und sehr leise. Die Zielgruppe erscheint uns aber klein, da der Mac Mini mindestens 900 Euro, aber nur eine integrierter Grafikeinheit aufweist.

Apple Mac Mini (Late 2018) - Test Video aufrufen
Resident Evil 2 angespielt: Neuer Horror mit altbekannten Helden
Resident Evil 2 angespielt
Neuer Horror mit altbekannten Helden

Eigentlich ein Remake - tatsächlich aber fühlt sich Resident Evil 2 an wie ein neues Spiel: Golem.de hat mit Leon und Claire gegen Zombies und andere Schrecken von Raccoon City gekämpft.
Von Peter Steinlechner

  1. Resident Evil Monster und Mafia werden neu aufgelegt

Google Nachtsicht im Test: Starke Nachtaufnahmen mit dem Pixel
Google Nachtsicht im Test
Starke Nachtaufnahmen mit dem Pixel

Gut einen Monat nach der Vorstellung der neuen Pixel-Smartphones hat Google die Kamerafunktion Nachtsicht vorgestellt. Mit dieser lassen sich tolle Nachtaufnahmen machen, die mit denen von Huaweis Nachtmodus vergleichbar sind - und dessen Qualität bei Selbstporträts deutlich übersteigt.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Pixel 3 Google patcht Probleme mit Speichermanagement
  2. Smartphone Google soll Pixel 3 Lite mit Kopfhörerbuchse planen
  3. Google Dem Pixel 3 XL wächst eine zweite Notch

Autonome Schiffe: Und abends geht der Kapitän nach Hause
Autonome Schiffe
Und abends geht der Kapitän nach Hause

Weite Reisen in ferne Länder, eine Braut in jedem Hafen: Klischees über die Seefahrt täuschen darüber hinweg, dass diese ein Knochenjob ist. Doch in wenigen Jahren werden Schiffe ohne Besatzung fahren, überwacht von Steuerleuten, die nach dem Dienst zur Familie zurückkehren. Daran arbeitet etwa Rolls Royce.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Elektromobilität San Francisco soll ein Brennstoffzellenschiff bekommen
  2. Yara Birkeland Autonome Schiffe sind eine neue Art von Transportsystem
  3. Power Pac Strom aus dem Container für Ozeanriesen

    •  /