Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Watch Dogs: Der Sysadmin-Alptraum

E3 2013
Er hackt Stadtnetze, kapert vom Smartphone bis zum Rechenzentrum jedes fremde System in Sekundenbruchteilen – aber der Held in Watch Dogs kann auch jederzeit zum Opfer anderer Spieler werden. Golem.de hat mit den Entwicklern über Hacker, die Technik und über das Überwachungsprogramm Prism gesprochen.
/ Peter Steinlechner
66 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Watch Dogs (Bild: Ubisoft)
Watch Dogs Bild: Ubisoft

Es kann einfach nur Spaß machen, in Watch Dogs fremde Systeme zu hacken. Etwa, einen privaten Laptop zu kapern, über die Kamera einen Blick in die fremde Wohnung zu werfen und ein bisschen Geld vom Konto zu klauen. Gar nicht so lustig ist es für die Hauptfigur Aiden Pearce allerdings, wenn ein – echter! – anderer Spieler plötzlich sein persönliches Ingame-Nutzerkonto knackt. Bei einer Präsentation auf der E3 hat der Entwickler von Ubisoft(öffnet im neuen Fenster) , der das Programm vorgeführt hat, jedenfalls geflucht, wenn es passierte und er eigentlich gerade etwas anderes demonstrieren wollte. Und dann hat er sich doch eine Verfolgungsjagd mit seinem Kollegen im Nebenraum geliefert.

Watch Dogs – Interview und Gameplay (E3 2013)
Watch Dogs – Interview und Gameplay (E3 2013) (03:28)

Dazu hat er zuerst im Eiltempo die Überwachungskameras in der Nähe gehackt, weil er aus deren Perspektive die beste Sicht auf die Umgebung bekommt. Mit der Personenerkennung der Systeme hat unser Aiden Pearce dann die Figuren in der Nähe gescannt. Bei den meisten hat es sich einfach um Passanten gehandelt – aber bei einem Mann ist dann doch der Alarm losgegangen: einem von einem Menschen gesteuerten Angreifer, der dann zwar noch versuchte zu flüchten, aber in einer Verfolgungsjagd mit Autos und einer kurzen Schießerei starb.

Watch Dogs – Gameplay-Demo auf Playstation 4 (E3 2013)
Watch Dogs – Gameplay-Demo auf Playstation 4 (E3 2013) (07:08)

Das Übernehmen von technischen Einrichtungen der Stadt ist die vielleicht faszinierendste Möglichkeit, die es in Watch Dogs gibt. "Als wir die Stadt mit den Menschen, den Telefonen und der ganzen Infrastruktur gebaut haben, hat es Sinn ergeben, das alles zu verknüpfen" , sagte Spieldesigner Danny Belanger von Ubisoft Montreal im Gespräch mit Golem.de. "Das hat uns sehr inspiriert. Was können wir mit persönlichen Geräten, mit der Elektrizität, dem Strom anstellen – wir wollten aus allem, was es da gibt, Gameplay herausziehen."

Handlung soll Emotionen hacken

Tatsächlich "hacken" im Sinne von Code oder Speicher manipulieren muss der Spieler in Watch Dogs nicht. Auch die aus Spielen wie Deus Ex bekannten Knobelalternativen entfallen. Wenn Aiden Pearce einen Rechner knackt, dann läuft ein Ladebalken hoch, und er hat entweder Erfolg gehabt oder nicht. Die Schwierigkeit für den Spieler ist, erst mal in jedem Bezirk an den Zentralserver zu gelangen, was je nach den örtlichen Gegebenheiten und persönlichen Vorlieben eine Schießerei oder eine Schleichpassage bedeutet.

Watch Dogs – Trailer (offengelegt, E3 2013)
Watch Dogs – Trailer (offengelegt, E3 2013) (03:20)

Dann geht es darum, die Systeme zu seinem Vorteil zu nutzen. Wer etwa Verfolger in einem Auto abschütteln will, kann die Ampelsysteme so umschalten, dass die Gegner in den Gegenverkehr geraten. Das kann sehr komplex werden, etwa wenn Sicherheitssysteme mit Kameras und Alarmen, Zugangscodes für Türen, Verkehrsanlagen und weitere technische Einrichtung für eine Mission zusammengeschaltet werden. Auch für die Entwickler ist das eine Herausforderung. Wie sie im Gespräch mit Golem.de sagten, muss das Team höllisch aufpassen, dass die zum großen Teil miteinander vernetzten Systeme nach den gewünschten Vorgaben funktionieren und sich nicht versehentlich lahmlegen.

Neben den Network- und Hacking-Elementen hat Watch Dogs bei der Präsentation übrigens auch ein paar eher konventionelle Stärken gezeigt: So war Aiden in einem sehr stimmungsvoll-herbstlichen Stadtteil unterwegs, der schön aussah, und auch die Autofahrt ins Zentrum von Chicago hat grafisch einen sehr guten Eindruck gemacht. Von der Handlung der Kampagne war auf der E3 kaum etwas zu sehen, sie soll aber mit dem Kampf gegen das Imperium des Medienmoguls Joseph DeMarco durchaus auch die Gefühlssysteme des Spielers knacken, so die Entwickler.

Real existierende Überwachungsprogramme wie Prism sieht Belanger übrigens differenziert. "Jeden Tag beobachtet eine Kamera an meinen Computern mein Privatleben – wer kann diese Daten nutzen?" , fragte der Designer. "Wir leben in einer neuen Art von Gesellschaft. Ist das gut, ist das schlecht? Ein bisschen von beidem, denke ich. Aber klar, es berührt unsere Freiheit und unsere Grundrechte" . Er fügte hinzu: "Wir möchten durchaus auch auf die Risiken etwa von sozialen Netzwerken hinweisen."

Watch Dogs erscheint laut Ubisoft am 21. November 2013 für Playstation 3, die Xbox 360, Wii U und Windows-PC sowie beim Konsolenstart für Xbox One und Playstation 4.


Relevante Themen