Wasserproblematik in Grünheide: Die lächerliche Arroganz des Elon Musk
Wenn Elon Musk regelmäßig mit seinem Privatjet nach Berlin einfliegt, sieht er alles andere als eine Wüste. Ausgedehnte Waldflächen und viele Seen vermitteln den Eindruck einer Region, in der es offenbar keinen Mangel an Wasser gibt. "Hier ist überall Wasser" , sagte Musk lachend bei einem Fabrikbesuch mit Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU). Es mag daher nachvollziehbar sein, dass der Tesla-Chef die Sorgen der Anwohner wegen des Wasserbedarfs der Gigafabrik in Grünheide überhaupt nicht verstehen kann. Doch sie als "lächerlich" abzutun, führt in der Debatte nicht weiter.
Denn der Eindruck täuscht, den Musk aus der Luft erhält. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ)(öffnet im neuen Fenster) weist für viele Teile Ostdeutschlands in tieferen Bodenschichten von 1,8 m weiterhin eine "außergewöhnliche Dürre" aus. Das gilt auch für große Bereiche rund um Berlin. Lediglich die Situation im Oberboden hat sich im vergangenen Jahr deutlich verbessert.
Streusandbüchse Brandenburg
Natürlich sieht Brandenburg von oben nicht aus wie Nevada, wo Tesla seine erste Gigafactory errichtet hat. Dennoch ist die " Streusandbüchse des Heiligen Römischen Reiches(öffnet im neuen Fenster) " vom Klimawandel besonders betroffen. Die Waldbrandgefahr ist wegen der trockenen Böden oft sehr hoch. Wie schnell ausgetrocknete Wälder durch Borkenkäferbefall und Brände vernichtet werden können, haben die vergangenen Jahre leider eindrucksvoll gezeigt. Durch die trockenen Jahre von 2018 bis 2020 ist der Wasserspiegel in den Seen rund um Grünheide nach Angaben von Bewohnern schon deutlich gesunken.
Das alles sieht Musk natürlich nicht, wenn er gelegentlich über Berlin ein- und ausfliegt. Aber das zuständige Firmenmanagement oder auch die brandenburgische Landesregierung könnten ihn durchaus darüber informieren. Schließlich hat Tesla schon auf die Bedenken von Umweltverbänden und Anwohnern reagiert und den geplanten Wasserbedarf der Fabrik deutlich gesenkt. Musk selbst hatte Anfang 2020 auf die Vorwürfe reagiert und die Gigafabrik als umweltfreundlich verteidigt.
Wasserproblematik spielt wichtige Rolle
Im noch laufenden Genehmigungsverfahren spielt die Wasserproblematik die wohl entscheidende Rolle . Möglicherweise müssen sogar neue Grundwasserreservoirs erschlossen werden . Tesla geht davon aus, dass der Bedarf durch den Bau der Batteriezellproduktion nicht steigen wird .
Hinter der Debatte um das Wasser steckt aber noch ein genereller Konflikt: Wie sinnvoll ist es, große Fabriken mit einem hohen Ressourcenverbrauch zu bauen, um eine klimafreundlichere Mobilität zu ermöglichen? Viele Umweltschützer fordern einen stärkeren Verzicht auf Individualverkehr, anstatt sämtliche Verbrennerfahrzeuge durch Elektroautos zu ersetzen. Dabei entsteht bisweilen der Eindruck, dass die Wasserproblematik als Vorwand genommen wird, um den Bau der Tesla-Fabrik als ganze zu torpedieren.
Umweltprobleme erkennt man nicht immer aus dem Flieger
Das zuständige Landesamt für Umwelt kann solche Grundsatzkonflikte allerdings nicht entscheiden. Zudem: Wenn eine Erdölraffinerie im brandenburgischen Schwedt jährlich zwölf Millionen Kubikmeter Grundwasser nutzen darf(öffnet im neuen Fenster) , warum sollte Tesla nicht die beantragten 1,4 Millionen Kubikmeter verbrauchen dürfen?
Musk scheint sich wie immer seiner Sache ziemlich sicher zu sein . Doch die arrogante Art im Umgang mit berechtigter Kritik ist während des laufenden Verfahrens ziemlich ungeschickt. Und wenn es um die Frage geht, wie sich der Bau einer so großen Fabrik auf die Umgebung auswirkt, sollte man sich nicht auf bloßen Augenschein verlassen. Das ist geradezu lächerlich.
IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).
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