Meinungen zur Entwicklung von Hardware, Rechenzentren und Verbraucherpreisen
´ ➤ Das aktuelle Vorgehen – immer mehr RAM – skaliert langfristig nicht. Man vergleiche ein Hirn mit 20 Watt vs. Rechenzentren. Was daher offen bleibt, ist, die Modelle selbst zu verbessern. Besseres Modell, gleiche Hardware. Das bedeutet, es wird wahrscheinlich in zwei Jahren zu viel Speicher produziert. GPUs werden weiterhin besser. Und die Modelle werden eventuell smarter eingesetzt als jetzt.
➤ KI ist genauso toll wie googeln und Wikipedia es einst waren und sind, und wird zu unserem Alltag werden. Die Tech-Industrie ist aber völlig verblendet, was deren Nutzung angeht. Es wird versucht, alles mit KI anzureichern, und zwar auf Teufel komm raus. Coole neue Produkte sind durch menschliche Kreativität oder Communitys entstanden und werden nicht durch eine kalte, lediglich wiederkäuende KI produziert.
Beruflich verbinde ich die KI-Überambitionierung mit Spracherkennung, die jetzt im Alltag angekommen ist, aber zehn Jahre später immer noch fernab der perfekten Werbeversprechen und massiven Arbeitsentlastung (zum Beispiel im Gesundheitswesen) ist.
Die KI-Blase wird meiner Meinung nach innerhalb der nächsten zwölf Monate durch einen doofen Zufall platzen. Die Knappheit bei Speichern wird sich dann erholen und vorerst etwas Überschuss und geringe Preise mit sich bringen. KI wird dann in Phase zwei genauso gut wie googeln, aber alle Extras wie Coding und Bildgenerierung werden dann zu teureren Businessmodellen, die nur noch da benutzt werden, wo es wirklich Sinn hat. Und nicht wie jetzt von überambitionierten KI-Propheten und dem mittleren Management versucht, in jede kleine Nische zu quetschen.
➤ Ich sehe absolut nicht, wie die horrenden Kosten des Trainings und des Betriebs der Rechenzentren durch Preise gedeckt werden könnten, die Kunden zu zahlen bereit wären. Ich zahle derzeit 100 EUR/Monat für Claude Max 5x und das ist auch meine Grenze. Ich könnte mir vorstellen, dass Firmen bis zu 500 EUR/Monat und Mitarbeiter zu zahlen bereit wären, allerdings definitiv nicht alle Firmen und definitiv nicht für alle Mitarbeiter. Das dürfte nicht reichen.
Also werden wir sehen, wie eines der KI-Unternehmen nach dem anderen pleitegeht, sobald die Geldgeber aufhören, ihr Kapital dort hineinzubuttern. Damit entstehen Überkapazitäten in Rechenzentren, die deren Betrieb nicht mehr rentabel machen. Ein bis zwei Jahre später ist die dortige Hardware veraltet und wertlos, die Rechenzentren werden zu Bauruinen, voll Elektroschrott. Konkursmasse ist also so gut wie nicht vorhanden.
Ich sehe das spätestens 2027 kommen, wenn nicht schon 2026. Der damit verbundene Börsencrash dürfte alles übersteigen, was wir bisher kennen. Wohl dem, der vorher auf andere Anlagen umgeschichtet hat. Vorteil: Es dürfte dann wieder bezahlbare Grafikkarten, Speicher, SSDs und Festplatten geben.
➤ Zuerst muss die Frage gestellt werden, wer die Firmen aufkauft oder finanziell unterstützt, die zu 100 Prozent nur auf KI gesetzt haben (OpenAI, Anthropic und so weiter). Wenn diese nicht gerettet werden sollten, dann werden viele Unternehmen auf andere Modelle und Dienste setzen, die dann als Gewinner hervortreten werden. Vermutlich wäre Google einer der Gewinner.
Dann sollte Kapital freiwerden bei vielen Unternehmen, die keinen ROI beim Einsatz von KI sehen, und sie werden zudem nicht von Investoren bestraft, die das KI-Thema massiv in einige Firmen gedrückt haben. Dabei gingen die Investoren davon aus, dass der Einsatz von KI ein Wettbewerbsvorteil ist. Bisher ist davon nichts bemerkbar und das wird vermutlich auf lange Sicht so bleiben.
"Die Großen werden erwartungsgemäß gewinnen"
Drittens werden die Tokens massiv teurer bei den verbliebenen KI-Firmen und damit ist die Erschwinglichkeit für viele nicht mehr gegeben. Kostenfreie LLMs und Agenten lokal laufen zu lassen, ist ebenfalls ein Kostenfaktor bei den Energie- und Hardwarekosten. Durch die meist höhere Latenz werden sich dann auch höhere Ineffizienzen beim Personal zeigen. Gerade die größeren Modelle mit Reasoning haben zwar bessere Ergebnisse, benötigen aber trotzdem viel Energie und Zeit, bis sie zu diesen Ergebnissen kommen.
Viertens wird es eine Schwemme von preiswerten Grafikkarten geben, weil der Bau der Rechenzentren so lange dauert, dass die aktuelle Generation von der zukünftigen Generation überholt wird, bevor man die Gelegenheit für den Einbau der jetzigen Generation hatte. Da aber auch die Nachfrage nach KI durch die oben genannten Preiserhöhungen sowie fehlenden ROI geringer sein wird, können viele Rechenzentrumsprojekte auf Eis gelegt werden, was einige Infrastrukturfirmen stark treffen wird. Der Preis für RAM sollte sich danach mit der Zeit auch wieder erholen, wird aber nicht das Niveau von 2025 oder früher erreichen.
Fünftens werden Robotik oder Quantencomputing (QC) die Nachrichten sowie Investitionen bestimmen, sobald die KI-Bubble platzt. Ersteres ist vor allem etwas, was man CEOs (ähnlich wie KI) als günstigen Ersatz von Mitarbeitern verkaufen kann, wobei ein bisschen KI dabei immer noch eine Rolle spielt. QC steht gefühlt jedes Quartal vor dem gefährlichen Durchbruch, dass sämtliche Standardverschlüsselungen obsolet werden könnten, sobald die Qubits stabil sind und man kryptografische Berechnungen fehlerfrei durchführen kann. Ich bin gespannt, in welchem Jahrzehnt sich eines der Ergebnisse aus Robotik oder QC bewahrheitet. Bis dahin wird vermutlich wieder viel Kapital hineingepumpt.
➤ Wenn man die Leistungsfähigkeit von KNNs erst realistisch einzuschätzen weiß, wird es zu einer Konsolidierung kommen. Anfangserfolge werden sich relativieren, weil es immer schwerer werden wird, dort anzuschließen.
Aus Corona haben wir gelernt: Wo eben noch riesige Übergewinne angefallen waren, folgte Katerstimmung: Die hohen Gewinne müssen ja weiterhin jedes Jahr übertroffen werden, so will es der Markt. Bei Streamingportalen führte dies zu verschlechtertem Service und der Einführung von Werbung an allen Ecken und Enden, nur so konnte man die Erwartungen einigermaßen erfüllen.
Speicher beziehungsweise Hardware allgemein wird also vermutlich nicht wieder deutlich preiswerter werden. Eher wird es zu Werksschließungen kommen, die die Preise dann auf hohem Niveau stabilisieren. KI-Firmen werden um die real existierenden Marktanteile kämpfen, es wird ein Wettrennen werden und die großen werden erwartungsgemäß gewinnen.
Aber ich denke, KI wird stärker Teil unseres Alltags werden und uns hier und da ein wenig bereichern, so wie es alle Werkzeuge der Menschheit langfristig getan haben.
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