Positionen zu einer möglichen Konsolidierung und Spezialisierung
➤ Ein Platzen der KI-Blase bedeutet für mich keineswegs das Ende der Technologie, sondern vielmehr eine gesundheitsfördernde Marktbereinigung. Schaut man pragmatisch auf die Entwicklung, zeichnen sich für die kommenden Jahre drei zentrale Trends ab:
1. Spezialisierung im Enterprise-Bereich vs. Hyperscaler für die Masse – bei Unternehmen: Der Trend geht weg von generischen Riesenmodellen hin zu spezialisierten, kleineren Modellen (SLMs), die Unternehmen zunehmend in eigener Regie (on-premises oder in privaten Clouds) betreiben. Das sichert die Datensouveränität und senkt die laufenden Betriebskosten. Spezialisiertes KI-Wissen wird dadurch in der Nische bezahlbar.
Bei Privatanwendern: Für allgemeine Alltagsfragen und breite B2C-Anwendungen bleiben die großen Hyperscaler die erste Wahl, da sie die nötige Skalierung und Infrastruktur bereitstellen können.
2. Das Ende der Geschäftsmodelle ohne ROI: Wir erleben aktuell die Auslese von reinen Hype-Projekten. Modellentwickler und Start-ups, die außer immensen Trainingskosten keinen klaren Business-Case und keinen messbaren Mehrwert vorweisen können, werden vom Markt verschwinden. Das Kapital fließt künftig nur noch dorthin, wo echter Nutzen entsteht. 3. Hardware-Preise: Erst Kapazitätsgrenzen, dann Kommodifizierung - eine schlagartige Verbilligung von Hardware ist kurzfristig nicht zu erwarten. Der Ausbau von Rechenzentren stößt derzeit an reale physikalische und wirtschaftliche Grenzen: Verfügbare Flächen für neue Data Center sind begrenzt; Stromnetz-Kapazitäten und Energiekosten bilden den eigentlichen Flaschenhals der aktuellen Expansion.
Erst wenn diese maximalen Ausbaustufen erreicht sind und der Fokus der Branche vom reinen Infrastruktur-Setup auf maximale Effizienz umschwenkt, greift der historische Effekt. Ähnlich wie bei Speicherplatz, Rechenleistung und Bandbreite in den letzten Jahrzehnten werden auch die Kosten pro KI-Inferenz schrittweise drastisch sinken und zu einem günstigen Rohstoff der Digitalisierung werden.
➤ Die Blase wird an Luft verlieren, aber nicht platzen. Günstige Hardware sehe ich am Ende des Hypes nicht. Dazu hat sich der Markt bisher zu sehr bereinigt. Es wird sicherlich der eine oder andere Player auf der Strecke bleiben. Am ehesten sehe ich da Nvidia.
➤ Der KI-Supermarkt wird höchstwahrscheinlich zum Spezialmarkt werden. Modelle entscheiden, und die Spezialisierung wird den Markt übernehmen. Coding allem voran, Musik wird mehr werden, Video eventuell im Filmsegment (Filmproduktion). Jedoch wird sich der Hype für Bilder und andere Konsumentenanwendungen legen, und Unternehmen ohne Spezialisierung werden auch wieder verschwinden.
➤ Ich denke, KI beziehungsweise LLMs werden ihren Platz in der Tool-Landschaft finden, zum Beispiel bei der Analyse unstrukturierter Daten. Es werden aber nur wenige Anbieter entsprechende Produkte anbieten und die Zielgruppe wird eher überschaubar sein. Der aktuelle Hype wird abflachen und die Blase wird platzen. Verlierer werden nicht KI-Anbieter sein, sondern Dritte, etwa Betreiber von Rechenzentren oder Kraftwerksbauer.
Denn: KI ist nicht intelligent. KI denkt nicht, ist nicht böse und nicht lieb. KI versteht weder die Frage noch die Antwort. Es ist einfach nur ein Automat, der Eingabeparameter in Beziehung zu einer immensen Menge vorhandener Daten bringt - auf Basis von Wahrscheinlichkeit.
➤ Das was sonst auch passiert, wenn man es über den Berg vom Gartner-Hypechart geschafft hat. Da, wo es Sinn hat, geht es weiter. Da, wo es keinen Sinn hat, verschwindet es.
➤ Ich denke nicht, dass eine Blase im klassischen Sinne platzen wird, aber ich denke schon, dass sich der Markt rund um Nvidia und Co. ein Stück weit bereinigen wird. Derzeit erleben wir einen Boom, weil unbeschreiblich viele Firmen KI einsetzen, vermutlich auch in der Hoffnung, Personalkosten sparen zu können. Erste Anzeichen sind auch bereits sichtbar, dass KI immense Kosten verursacht, wenn sie nicht effizient eingesetzt wird. Firmen sind also eher in der Experimentierphase.
Ich vermute, dass die Nachfrage genauso schnell sinken wird, wie sie gestiegen ist. Dass KI aus unserem Alltag verschwindet oder eine untergeordnete Rolle einnehmen wird, halte ich dagegen für ausgeschlossen. KI-Systeme werden tägliche Begleiter, wie das Auto.
➤ Der KI-Markt wirkt auf mich derzeit konzeptlos, fanatisch und gierig. Alles wird mit dem Stempel KI versehen und hysterisch gehypt, dabei hat man scheinbar selbst "KI-ne Ahnung", wie sich das Ganze jemals refinanzieren soll. Es ist wie ein Massenschwimmen: Alle schwimmen los, aber keiner macht sich Gedanken, wie er wieder ans Ufer zurückkommt.
Das soll nicht heißen, dass alles schlecht ist. LLM-Chats sind eine echte Erleichterung, machen Spaß und helfen im Alltag. Langfristig wird es ähnlich laufen wie damals mit dem Internet: Wenn die Hype-Welle abgeebbt ist, werden wir sehen, was Substanz hat und geblieben ist.
Klar ist auch: In Zukunft werden wir immer mehr KI-Bilder und -Videos in den Medien sehen. Deshalb sind kryptografische Schlüssel direkt in Aufnahmegeräten absolut unabdingbar, auch wenn das Fragen zur Nachverfolgbarkeit aufwirft. Wer gezielt Fakes verbreiten will, wird das zwar weiterhin tun, aber man kann sie so leichter entlarven.
Technologisch finde ich das Gebiet extrem spannend. Ich experimentiere selbst auf einem recht hardwarelastigen Niveau damit. Nur so versteht man die Materie wirklich tiefgehend und kann KI effizient für sich selbst nutzen, ohne permanent an API-Kosten oder Cloud-Limits denken zu müssen.
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