Wallstreetbets: Politik und Anleger reagieren auf Chaos um Gamestop-Aktien

Die US-Politik plant wegen der Gamestop-Aktie nun offizielle Anhörungen. Anleger reagieren mit einer Sammelklage gegen ausgesetzten Handel.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Der Handel von Gamestop-Aktien war bei Apps wie Robinhood zwischenzeitlich ausgesetzt.
Der Handel von Gamestop-Aktien war bei Apps wie Robinhood zwischenzeitlich ausgesetzt. (Bild: OLIVIER DOULIERY/AFP via Getty Images)

Die Aufregung um die extremen Kursschwankungen der Aktie des Videospielhändlers Gamestop und anderer Unternehmen am US-Finanzmarkt hat nun endgültig die politische Ebene der USA erreicht. Der künftige Vorsitzende des Bankenausschusses im US-Senat, Sherrod Brown, kündigte am Donnerstag (Ortszeit) eine Anhörung "zum aktuellen Zustand des Aktienmarkts" an. Es sei für die Börsenaufsicht SEC und den Kongress an der Zeit, dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft für alle funktioniere, nicht nur für die Wall Street. "Die Leute an der Wall Street scheren sich nur um die Regeln, wenn sie diejenigen sind, denen es wehtut", hieß es in Browns Statement.

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Hintergrund ist der große Ärger von Anlegern über Restriktionen beim Handel mit Papieren von Gamestop und anderen Firmen, durch die sie sich bei einer Gewinnstrecke ausgebremst sehen. Vor allem der Online-Broker Robinhood geriet dadurch massiv in die Kritik und in den Verdacht, Kleinanleger gegenüber Wall-Street-Großinvestoren zu benachteiligen. Robinhood hatte ebenso wie Trade Republic und andere Trading-Apps am gestrigen Handelstag, den 28. Januar, den Kauf der Papiere deutlich eingeschränkt. Schon tags zuvor hatten die Apps teilweise technische Probleme und die New Yorker Börse hatte den Handel mit den Papieren zwischenzeitlich immer wieder ausgesetzt.

Dass Robinhood den Handel mit den Papieren so einschränkte, dass sie nur noch verkauft, aber nicht mehr gekauft werden konnten, könnte nun zum Politikum werden und eine größere Debatte um Regulierung lostreten. Laut US-Medien plant auch die Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus, Maxine Waters, eine Anhörung. Dabei soll es um die jüngsten Turbulenzen am Finanzmarkt und um die Rolle von Hedgefonds dabei gehen. Auch ranghohe und bekannte Politiker der demokratischen Partei wie Elizabeth Warren und Alexandria Ocasio-Cortez forderten Aufklärung.

Vertreter der republikanischen Partei äußerten ebenfalls Unverständnis für Robinhoods Entscheidung. Dazu gehört etwa auch der Senator für Texas, Ted Cruz, der den Aussagen von Ocasio-Cortez auf Twitter zugestimmt hat. Die Abgeordnete für New York sagte daraufhin zu Cruz: "Ich freue mich, mit Republikanern an diesem Thema zu arbeiten, soweit es Gemeinsamkeiten gibt, aber Sie haben mich vor drei Wochen fast umbringen lassen, Sie können jetzt aussetzen".

Sammelklage gegen Robinhood

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Bei Firmen wie Gamestop oder der Kinokette AMC verloren Hedgefonds zuletzt viel Geld mit Wetten auf fallende Kurse, unter anderem weil sich Hobby-Händler in Online-Foren wie Reddit organisierten und die Aktienkurse der Unternehmen erfolgreich nach oben trieben. Vor allem diese Anleger zeigen sich nun entsetzt über das Aussetzen des Handels und die damit verbundenen Kursverluste, da die Aktien zum Teil eben nur noch verkauft werden konnten.

Die Anleger reagieren außerdem mit massenhaften Beschwerden bei der US-Börsenaufsicht SEC sowie der deutschen Bafin. Darüber hinaus ist in den USA inzwischen eine Sammelklage gegen Robinhood eingereicht worden. Dem Trading-Anbieter wird darin vorgeworfen, absichtlich den Handel der Aktien verhindert und damit eine illegale Marktmanipulation betrieben zu haben.

Nach dem Sturm der Empörung von Anlegern, die sich um Kursgewinne gebracht sehen, kündigte Robinhood am Abend an, die Handelsbeschränkungen für die Wertpapiere wieder zu lockern. Die Aktien von Gamestop stiegen daraufhin im nachbörslichen Handel um über 70 Prozent, die von AMC um fast 50 Prozent. Auch die Papiere anderer Unternehmen wie etwa des Smartphone-Pioniers Blackberry, für die ebenfalls Einschränkungen galten, legten kräftig zu.

Robinhood-Chef Vlad Tenev erklärte im US-Finanzsender CNBC, die Handelsbeschränkungen seien zum Schutz des eigenen Unternehmens und seiner Kunden beschlossen worden. Wie Motherboard berichtet, könnte es sein, dass das Unternehmen wegen des massiven Zulaufs auf die App und der vielen Käufe Probleme mit dem verfügbaren Kapital hatte, das die SEC mindestens vorschreibt. Zuvor hatte Bloomberg berichtet, dass Robinhood sich massiv Geld leihen musste.

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Copper 02. Feb 2021

... man glaubt erst kaum, was man da liest. Und dann sieht man sich das Interview an und...

ptepic 01. Feb 2021

Insiderhandel ist noch eine dieser letzten illegalen Bastionen, die es im Börsenhandel...

AllDayPiano 30. Jan 2021

Weil hier im Prinzip alle auf der gleichen Seite stehen. Hedgefonds = böse.

frostbitten king 30. Jan 2021

Kann ich so nicht ganz unterschreiben. Ich hab da einiges über options gelernt. Da gibt...

Hebenstreit 30. Jan 2021

Dann gebe es wohl noch überall eine "Publikumsbörse" also keinen Händlerzwang (Broker...



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