Waipu-TV-Streaminggeräte im Test: Gelungene Alternativen zu Amazons Fire-TV-Geräten
Es mag für einige überraschend sein, ausgerechnet Waipu-TV-Geräte für Streaming zu verwenden. Doch auch wenn sie auf die Nutzung des gleichnamigen Live-TV-Abos zugeschnitten sind (also auf lineares Fernsehen), lassen sie sich auch als Geräte zum Anschauen von Netflix, Disney+, Paramount+, Apple TV, Wow, Prime Video und anderen verwenden.
Exaring, als Firma hinter Waipu TV, bietet zwei Gerätevarianten an: Den kürzlich neu aufgelegten Waipu TV Streaming Stick der zweiten Generation und die Streamingbox Waipu TV Box. Im Vergleich zu den vorherigen Waipu-TV-Sticks wurde das neue Stick-Modell erheblich aufgemotzt – beide Geräte nutzen Android TV.
Das neue Stick-Modell hat deutlich mehr Speicher erhalten, unterstützt Wi-Fi 6, ist mit einem LAN-Anschluss versehen und hat eine Bluetooth-Fernbedienung mit beleuchteten Tasten. Im Stick und in der Box steckt der gleiche Prozessor, so dass wir uns auf beiden Geräten schnell und flüssig durch die Menüs bewegen können.
Waipu-TV-Geräte haben eine tolle Fernbedienung
Die Fernbedienung der beiden Waipu-TV-Geräte gefällt uns ausgesprochen gut: Die Tasten sind logisch angeordnet, wichtige Tasten lassen sich gut erfühlen und alle haben einen guten Druckpunkt. Besonders begeistert sind wir von der Tastenbeleuchtung: Wir können alle Tasten auch in dunkler Umgebung gut erkennen. Dabei nutzt Exaring eine bessere Tastenbeschriftung als Amazon bei der Alexa-Sprachfernbedienung Pro, auf der die Tasten in hellerer Umgebung nicht gut ablesbar sind. Dieses Problem kennen die Waipu-TV-Fernbedienungen nicht.
Auf beiden Waipu-TV-Fernbedienungen schaltet sich die Tastenbeleuchtung in dunkler Umgebung bereits ein, sobald die Fernbedienung in die Hand genommen oder über die Tasten gewischt wird. Wir müssen also nicht erst eine Taste betätigen, um die Beleuchtung zu aktivieren – das ist vorbildlich gelöst.
Besonderes Lob verdient die Waipu-TV-Fernbedienung aus unserer Sicht dafür, dass an alle wichtigen Tasten gedacht wurde. Vor allem die Google-eigenen Streaminggeräte nerven damit, dass wichtige Tasten fehlen und die Steuerung der Apps entsprechend erschwert wird. Diese Probleme gibt es bei den Waipu-TV-Produkten nicht. Falls es die Streaming-App unterstützt, kann mit der Sprungtaste jederzeit zwischen Episoden in Serien gewechselt werden.
Wer kein lineares Fernsehen nutzt, mag sich daran stören, dass die Zifferntasten auf der Fernbedienung überflüssig sind. Jedoch können sie in vielen Apps benutzt werden, wenn Zahlen eingegeben werden müssen – das kann eine Erleichterung sein.
Die Fernbedienung hat zwei App-Tasten, eine für Netflix, die andere für die hauseigene Mediathek, die der Anbieter Waiputhek nennt. Eine Umbelegung der App-Tasten ist nicht vorgesehen.
Bei Streamingsticks sind LAN-Anschlüsse eher die Ausnahme. Dadurch hebt sich der aktuelle Waipu TV Stick positiv von der Konkurrenz ab, auch wenn durch Unterstützung von Wi-Fi 6 viel unternommen wird, um WLAN-Probleme zu verhindern.
Einrichtung der Waipu-TV-Geräte sehr komfortabel
Beide Waipu-TV-Geräte nutzen Googles Android TV 14 mit einer von Exaring angepassten Oberfläche für das Schauen linearer TV-Sender. Es gibt also nicht den typischen Google-TV-Startbildschirm von anderen Streaminggeräten mit dem Betriebssystem. Als reine Streaminggeräte haben wir aber das für uns Wichtige fast ganz oben: die Reihe der installierten Apps.
Wir können also sehr schnell die gewünschte Streaming-App aufrufen, der Waipu-TV-Startbildschirm ist somit für dieses Szenario so gut wie überflüssig. Ein Vorteil gegenüber allen aktuellen Fire-TV-Geräten: Wir werden nicht immer wieder mit bildschirmfüllender Werbung begrüßt. Stattdessen wird immer der zuletzt gewählte TV-Sender aktiviert, wenn die Geräte gestartet werden. Das lässt sich leider auch nicht abschalten, aber mit einem Tastendruck ist der Spuk vorbei.
Beide Waipu-TV-Produkte lassen sich zwar auch ganz ohne Google-Konto einrichten, dann ist aber kein Zugriff auf den Play Store möglich und es lassen sich dann weniger Streaming-Apps nutzen – eben nur die vorinstallierten. Mit Google-Konto ist der normale Play Store für Android-TV nutzbar. Abgesehen von einem Google-Konto wird auch ein Waipu-TV-Konto benötigt.
Bequeme Anmeldung für Bestandskunden
Keine Sorge: Ein Abo von Waipu TV ist nicht erforderlich, wir haben beide Waipu-TV-Produkte bewusst ganz ohne aktives Abo getestet und das gab keinerlei Probleme. Profile gibt es dann allerdings nicht. Ohne Waipu-TV-Abo stehen sogar recht viele TV-Sender kostenlos zur Verfügung. Wer noch kein Waipu-TV-Konto besitzt, bekommt meist das Perfect-Plus-Abo für einen Monat kostenlos dazu; es kann vor dem zweiten Monat einfach gekündigt werden, um kein Abo bezahlen zu müssen.
Wer in der Vergangenheit Waipu TV ausprobiert hat, kann das entsprechende Konto einfach für die Anmeldung nutzen. Wer damit in der Waipu-TV-App auf dem Smartphone angemeldet ist, kann die Funktion Magic Login verwenden. Dann meldet sich das Waipu-TV-Streaminggerät wie von Geisterhand an. Wir müssen keinen Code oder Ähnliches eingeben – bequemer geht es nicht. Hier könnten sich andere Abodienste ein Beispiel nehmen.
Ansonsten hängt es sehr von den jeweiligen Anbietern ab, wie bequem eine Anmeldung auf Streaminggeräten umgesetzt ist. Bei Netflix scannen wir einen QR-Code, geben einen kurzen Zahlencode ein und sind angemeldet.
Besonders enttäuscht waren wir von Apps wie Disney+ oder Wow, die angeben, man müsse nur einen QR-Code mit der Smartphone-Kamera scannen, um sich anzumelden. Tatsächlich landen wir aber nie in der Smartphone-App, sondern im Browser, wo wir uns dann erst mit unseren Zugangsdaten anmelden müssen – das ist unkomfortabel.
Noch schlechter schneidet Paramount+ ab: Hier wird gar nicht erst versucht, die Anmeldung einfacher zu machen. Wir müssen also alle Zugangsdaten über die Fernbedienung eingeben. Das passt irgendwie dazu, wie schlecht Paramount+ im Vergleich zur Konkurrenz abschneidet. Auch auf den Waipu-TV-Geräten müssen wir bei Paramount+ die Wiedergabetaste immer doppelt betätigen, um einen Stream anhalten oder fortsetzen zu können – dieser Fehler wurde auch nach Monaten nicht behoben.
Wir haben etliche Streaming-Apps auf beiden Waipu-TV-Produkten im Alltag verwendet und in allen Apps können wir schnell und zügig durch die Apps navigieren. Dabei genügt sogar der Speicher von 3 GByte beim Stick, damit wir eine App auch mal verlassen können und sie im Speicher verbleibt, so dass ein zügiger Wechsel zwischen verschiedenen Streaming-Apps möglich ist.
Wenige Unterschiede zwischen Stick und Box
Der größte Nachteil des Waipu TV Stick ist die fehlende Unterstützung für Dolby Vision. Wer diese Bildverbesserung nutzen möchte, muss in jedem Fall zur Box greifen. Ergänzend dazu punktet die Box noch mit einem USB-A-Anschluss, um darüber Zubehör oder Speichermedien anschließen zu können.
Auch wenn die Box etwas mehr Arbeitsspeicher und mehr Flash-Speicher besitzt, macht sich das im Streamingalltag nicht bemerkbar, so dass die Aspekte bei der Kaufentscheidung nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Die Box hat sogar auf der Vorderseite einen Ein-Aus-Schalter, allerdings lässt sich das Gerät darüber keineswegs ganz abschalten, sondern nur in einen Standby-Betrieb versetzen. Auch am Stick gibt es keinen Schalter, so dass eine schaltbare Steckdose ratsam ist, falls man nicht möchte, dass die Geräte den ganzen Tag laufen. Das ist bei den Fire-TV-Geräten – und eigentlich allen anderen Streaminggeräten – ebenfalls nötig, weil meist physische Schalter fehlen.
Verfügbarkeit und Fazit: Waipu TV Stick zweite Generation und Waipu TV Box
Der Waipu TV Stick der zweiten Generation(öffnet im neuen Fenster) kostet zusammen mit einer Fernbedienung mit Hintergrundbeleuchtung 70 Euro. Zum Vergleich: Für den Fire TV Stick 4K Max verlangt Amazon 80 Euro – ohne eine beleuchtete Fernbedienung.
Die Waipu TV Box(öffnet im neuen Fenster) mit etwas mehr Speicher und Unterstützung für Dolby Vision gibt es für 100 Euro – auch hier ist die gleiche Fernbedienung mit Hintergrundbeleuchtung dabei und ein HDMI-Kabel wird mitgeliefert. Bis heute bietet Amazon kein einziges externes Fire-TV-Modell an, bei dem die Pro-Fernbedienung mit Tastenbeleuchtung dabei ist, die einen Preisaufschlag von 40 Euro nach sich zieht.
Fazit
Sowohl der aktuelle Waipu TV Stick der zweiten Generation als auch die Waipu TV Box sind gelungene Streaminggeräte, die Kunden das bieten, was sie benötigen. Wer die TV-Funktionen von Waipu TV nicht braucht, kann die Geräte wie jedes andere Streaminggerät verwenden.
Dafür stehen alle nötigen Apps bereit und beide Produkte bieten eine schnell reagierende Oberfläche und lassen sich gut steuern. Dabei hilft die gut durchdachte Fernbedienung mit vorbildlicher Tastenbeleuchtung. Die Waipu-TV-Geräte haben für den Fall der Fälle einen LAN-Anschluss, falls die WLAN-Verbindung am Aufstellplatz nicht ausreichend sein sollte – vor allem bei Streamingsticks ist das eher die Ausnahme.
Wer Inhalte in Dolby Vision anschauen möchte und unbedingt einen USB-A-Anschluss benötigt, muss zur Box greifen. Alle übrigen können getrost zum Stick greifen und müssen keine Einbußen hinnehmen. Wer von den mit Werbung immer stärker überfrachteten Fire-TV-Geräten genug hat, kann bedenkenlos zu einem der Waipu-TV-Produkte wechseln.
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