Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Wahlkampf USA: Trump umgarnt Bitcoin-Community

In den USA besitzen rund 16 Prozent aller Erwachsenen Kryptowährungen . Das macht sie als Zielgruppe für Wahlkampfversprechen interessant.
/ Peter Steinlechner , dpa
38 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Donald Trump auf der Bitcoin 2024 Nashville/Tennessee am 27. Juli 2024 (Bild: Jon Cherry/Getty Images)
Donald Trump auf der Bitcoin 2024 Nashville/Tennessee am 27. Juli 2024 Bild: Jon Cherry/Getty Images

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump wirbt verstärkt um Stimmen der Anhänger von Digitalwährungen. Auf einer Branchenkonferenz sprach er sich für eine kryptofreundliche Politik aus und stellte einen nationalen Bitcoin-Bestand in Aussicht. (Was eine Wiederwahl Trumps für Bitcoin bedeuten würde, haben wir hier analysiert .)

Trump kündigte zudem an, im Falle seiner Wiederwahl am ersten Tag im Amt den Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler, zu entlassen. Die SEC unter Gensler steht Kryptowährungen wie Bitcoin skeptisch gegenüber und zog gegen mehrere Branchen-Player vor Gericht.

Ob Trump Gensler, dessen Amtszeit bis 2026 läuft, entlassen kann, ist unterdessen rechtlich fraglich.

"Bitcoin steht für Freiheit, Souveränität und Unabhängigkeit von staatlichem Zwang und Kontrolle" , sagte Trump auf der Bitcoin-Konferenz in Nashville am 27. Juli 2024(öffnet im neuen Fenster) .

Er versprach, einen Bitcoin- und Kryptobeirat im Weißen Haus einzurichten. Dieser werde in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit "transparente regulatorische Leitlinien zum Nutzen der gesamten Branche" entwerfen. Es werde Regeln geben, aber sie würden von Leuten gemacht, "die ihre Branche lieben und nicht hassen" , sagte Trump.

Trump will "Pro-Bitcoin-Präsident" werden

Der Republikaner kündigte zudem an, 100 Prozent aller Bitcoins zu behalten, die die US-Regierung derzeit besitze oder in Zukunft erwerbe. Dies werde als Kern eines "strategischen nationalen Bitcoin-Bestandes" dienen. Trump sagte, er werde der "Pro-Bitcoin-Präsident" sein, den Amerika brauche.

Die Branche hatte sich noch mehr versprochen, vor allem eine feste Zusage, dass der Bitcoin ein Teil der Finanzreserve der USA wird. Von aktivem Zukauf war bei Trump allerdings nicht die Rede.

Als Präsident (2017 bis 2021) gehörte Trump noch zu den ausgewiesenen Kryptoskeptikern. "Ich bin kein Fan von Bitcoin und anderen Kryptowährungen" , schrieb Trump am 12. Juli 2019 bei Twitter(öffnet im neuen Fenster) .

Kryptowährungen seien kein Geld, schwankten stark im Wert und seien auf dünner Luft gegründet. "Unregulierte Krypto-Assets können rechtswidriges Verhalten, einschließlich Drogenhandel und andere illegale Aktivitäten, erleichtern."

Auch nach seiner Niederlage gegen Joe Biden hielt er seine Anti-Bitcoin-Rhetorik aufrecht und nannte Bitcoin & Co. im Jahr 2021 einen "Betrug gegen den Dollar" . Das änderte sich allerdings ein Jahr später: So versuchte Trump im Dezember 2022 zum ersten Mal, mit digitalen Kryptosammelkarten (NFTs) Kasse zu machen.

Im Mai 2024 kündigte Trump an, er werde im Wahlkampf Kryptospenden annehmen. Seine Kampagne sammelte nach Angaben des Magazins Barron's bereits umgerechnet vier Millionen Dollar an Bitcoins und anderen Tokens.

Unterstützung der Kryptobranche wichtig für Trump

Das politische Aktionskomitee Fairshake, das Kryptowährungen befürwortet, sammelte dem Barron's-Bericht(öffnet im neuen Fenster) zufolge rund 170 Millionen Dollar ein, was es zu einem der größten Komitees dieser Art in diesem Wahlzyklus macht.

Einige Risikokapitalgeber, darunter die Investoren-Legenden Marc Andreessen und Ben Horowitz, hätten erklärt, sie würden Trump unterstützen, weil sie mit der Kryptopolitik der Demokraten unzufrieden seien. Trumps Vizepräsidentschaftskandidat J.D. Vance ist nach eigenen Angaben selbst ein Kryptoinvestor.

Trump umgarnte die Kryptogeld-Community bereits in den vergangenen Monaten. Unter anderem sicherte er sich die Unterstützung der bekannten Bitcoin-Investoren Cameron und Tyler Winklevoss.

Die wahrscheinliche demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris hat als Kalifornierin gute Verbindungen ins Silicon Valley, wodurch sie ebenfalls eine Brücke zur Digitalwährungsbranche schlagen könnte.

Dem Wall Street Journal zufolge nahmen ihre Berater in den vergangenen Tagen bereits Kontakt zum Kryptogeldmarktplatz Coinbase und dem Zahlungsdienst Ripple auf.


Relevante Themen