Wahlkampf: IT-Konzerne wollen gegen KI-Manipulationen vorgehen

20 IT-Unternehmen wollen die Verbreitung KI-manipulierter Inhalte vor Wahlen verhindern. In der EU wird es dazu verbindliche Leitlinien geben.

Artikel veröffentlicht am , /dpa
Solche Fake-Bilder wie von der Festnahme von Ex-US-Präsident Donald Trump sollen im Wahlkampf verhindert werden.
Solche Fake-Bilder wie von der Festnahme von Ex-US-Präsident Donald Trump sollen im Wahlkampf verhindert werden. (Bild: Midjourney v5)

Führende Technologieanbieter wollen verhindern, dass von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellte Inhalte die politischen Wahlen rund um den Globus beeinträchtigen. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz verpflichteten sich am 16. Februar 2024 Vertreter von 20 Unternehmen zur Zusammenarbeit, um schädliche KI-Inhalte besser erkennen und bekämpfen zu können. Zu den teilnehmenden Firmen gehörten Adobe, Amazon, Anthropic, Arm, Elevenlabs, Google, IBM, Inflection AI, LinkedIn, McAfee, Meta, Microsoft, Nota, OpenAI, Snap, Stability AI, Tiktok, Trendmicro, Truepic, and X, teilte Microsoft mit.

Die Tech-Anbieter haben vor allem durch KI generierte Audio-, Video- und Bilddateien im Visier, die das Aussehen oder die Stimme von politischen Kandidaten, Wahlhelfern und anderen wichtigen Akteuren einer demokratischen Wahl täuschend nachahmen oder verändern. Außerdem richtet sich die Initiative gegen digitale Inhalte, die den Wählern falsche Informationen darüber liefern, wann, wo und wie die Wahlen stattfinden.

Schon Fake-Anrufe von Biden in den USA

Vor allem in den USA, wo am 5. November 2024 unter anderem die Präsidentschaftswahl stattfindet, gibt es schon reichlich Erfahrungen mit manipulativen KI-Inhalten im laufenden Wahlkampf. Dort hatte zuletzt ein Telefonroboter bei den Vorwahlen in New Hampshire die Menschen mit der Stimme von Präsident Joe Biden aufgefordert, ihre Stimme nicht abzugeben. Die von einer KI generierte Stimme war kaum von der echten Stimme des US-Präsidenten zu unterscheiden.

Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, sagte, Wahlen seien das pulsierende Herz der Demokratien. Die Vereinbarung sei ein entscheidender Schritt, um die Integrität von Wahlen zu fördern, die gesellschaftliche Resilienz zu erhöhen und vertrauenswürdige Tech-Praktiken zu schaffen.

Kent Walker, President Global Affairs bei Google, erklärte: "Wir dürfen es nicht zulassen, dass ein digitaler Missbrauch die Chancen der Künstlichen Intelligenz bedroht, unsere Volkswirtschaften zu verbessern, neue Arbeitsplätze zu schaffen und den Fortschritt in Gesundheit und Wissenschaft voranzutreiben." Microsoft-Präsident Brad Smith meinte, während die Gesellschaft die Vorteile der KI nutze, stünden die Unterzeichner der Vereinbarung in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass diese Werkzeuge nicht zu einer Waffe bei Wahlen würden.

Im Rahmen des Abkommens wollen die beteiligten Firmen unter anderem ihre KI-Modelle neu bewerten, um die Risiken zu verstehen, die sie im Zusammenhang mit betrügerischen Wahlinhalten darstellen könnten. Die Unternehmen wollen gleichzeitig Bemühungen unterstützen, das öffentliche Bewusstsein für diese Herausforderung zu schärfen. Außerdem wollen die Unterzeichner die Medienkompetenz sowie die Widerstandsfähigkeit der gesamten Gesellschaft fördern.

EU stellt Leitlinien vor

Die EU-Kommission bereitet inzwischen Leitlinien vor, um die Integrität von Wahlprozessen in der EU zu schützen. Dazu startete die Brüsseler Behörde am 8. Februar 2024 eine öffentliche Konsultation, um den ihren 21-seitigen Vorschlag für die Leitlinien (PDF) zu diskutieren.

Laut Artikel 35 des Gesetzes über digitale Dienste (engl. Digital Services Act/DSA) kann die EU-Kommission Leitlinien herausgeben, um bestimmte Risiken bei der Nutzung großer Online-Plattformen zu reduzieren. Nach Angaben von Renate Nikolay, stellvertretende Generaldirektion der Generaldirektion Connect, sollen die Guidelines Ende März fertiggestellt werden. "Wahlintegrität ist eines unserer Prioritätenthemen für unsere Umsetzungsarbeit", sagte Nikolay am 16. Februar 2024 auf einer Veranstaltung der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) anlässlich des Inkrafttretens des DSA.

Nikolay begrüßte in diesem Zusammenhang die Ankündigung der IT-Konzerne, wies jedoch darauf hin: "Das steht in unseren Guidelines so schon drin. Wir haben ja ein Gesetz, wir brauchen keine Pledges mehr."

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