Wahlbeeinflussung: Facebooks Werbetransparenz ist "kaputt"

Facebooks Werbedatenbank Ad Library soll Transparenz über Wahlwerbung und -beeinflussung schaffen. Sie ist aber so fehlerhaft, dass Forscher sie als "kaputt" bezeichnen. Zudem hat Facebook kurz vor der Europawahl etliche Anzeigen aus Frankreich entfernt.

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Facebooks Transparenzinitiative hält nicht, was sie verspricht.
Facebooks Transparenzinitiative hält nicht, was sie verspricht. (Bild: FirmBee/Pixabay)

Eigentlich wollte Mozilla eine Studie über die politische Werbung vor der Europawahl durchführen. Dazu wollte die Stiftung auf Facebooks Transparenzinitiative zurückgreifen, die mit der Ad Library eine Werbedatenbank zur Verfügung stellt. Doch statt einer Studie erstellte Mozilla einen umfangreichen Bugreport: Aufgrund technischer Probleme und Unzulänglichkeiten konnten die Forscher nur die Daten von zwei Tagen der geplanten sechs Wochen herunterladen und analysieren. Auf die Fehlermeldungen reagierte Facebook nur mit einem "won't fix". Man werde das Tool langfristig verbessern.

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Ähnliche Berichte kommen von anderen Forschern und dem französischen Beauftragten für Digitale Angelegenheiten. Die Ad Library ist ein wichtiger Teil der Transparenzinitiative, mit der Facebook auf Vorwürfe der Wahlbeeinflussung und Fake News auf der Plattform reagiert. Der Umgang und die Qualität des Tools stellen allerdings die Ernsthaftigkeit von Facebooks Maßnahmen in Frage. Darüber berichtete zuerst die New York Times.

"Wir wissen, dass wir Wahlen nicht allein schützen können", schrieb Facebook im März zur Veröffentlichung der neuen Version der Ad Library. "Wir haben uns verpflichtet, einen neuen Standard für Transparenz und Authentizität in der Werbung zu schaffen." Das Tool wurde mit Blick auf die Europawahl aktualisiert und lädt Forscher und Journalisten - nach einer Registrierung - dazu ein, die Datenbank mittels einer API zu durchsuchen und ihre gesellschaftliche Kontrollfunktion wahrzunehmen. "Man könnte es einfach als kaputt bezeichnen", kommentierte die Forscherin Laura Edelson von der New Yorker Universität. Nachdem sie Monate versuchte, Facebooks Ad Library zu benutzen, baute sie selbst eine Datenbank für politische Werbung in den USA auf.

Facebook löscht Werbeanzeigen aus der Transparenzdatenbank

Die Datenbank sei unzuverlässig und stürze dauernd ab, erklärten die Forscher von Mozilla. Hinzu komme, dass identische Anfragen zu unterschiedlichen Ergebnissen führten. Durch Fehler und technische Limitierungen sei es unmöglich, die politischen Werbemaßnahmen zu verfolgen, schlussfolgert die Studie des französischen Beauftragten für Digitale Angelegenheiten. Sie hätten es binnen zwei Wochen nicht geschafft, die 3,8 Millionen Anzeigen der USA herunterzuladen.

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Während der Untersuchung entfernte Facebook zudem mehrfach Werbeanzeigen aus der Transparenzdatenbank. "Facebook hat in der Woche der Europawahl 31 Prozent der Anzeigen in der französischen Bibliothek entfernt, darunter mindestens 12 Anzeigen, die nach französischem Recht illegal waren", schreiben die französischen Forscher. Facebook erklärte ihnen später, die Löschungen seien auf ein Kennzeichnungsproblem zurückzuführen. Der Leiter der Studie, Matti Schneider, sagte der New York Times, es sei wichtig, alle Anzeigen zu sehen, auch diejenigen, die nicht den Kennzeichnungsregeln Facebooks entsprächen.

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