Nahwärme aus dem Energie-Bunker

Wegen seiner Insellage bietet sich der dicht besiedelte Stadtteil Wilhelmsburg als Modell für die Wärmewende an. Bereits jetzt versorgt Hamburg Energie dort 3.000 Haushalte mit Nahwärme, frei von fossilen Brennstoffen, sowie 1.000 Haushalte mit selbst produziertem Ökostrom. Dafür betreibt das städtische Unternehmen die technischen Anlagen im sogenannten Energiebunker, einem ehemaligen Flakbunker auf der Elbinsel, der im Rahmen der Internationalen Bauausstellung zu einem modernen Ökokraftwerk umgebaut wurde.

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Die Südfassade ist mit PV-Modulen verkleidet, auf dem Dach fängt eine Solarthermie-Anlage die Sonne ein und im Inneren des über 40 Meter hohen Betonkolosses erzeugt ein mit Biomethan befeuertes Blockheizkraftwerk grüne Energie. Die im Wortsinne herausragende Einrichtung ist jedoch ein 20 Meter hoher Stahltank, dick mit silberfarbigem Isoliermaterial ummantelt. Drinnen ist Platz für 2.000 Kubikmeter Wasser, das als Pufferspeicher für Wärme dient.

Erzeugt wird die Wärme unter anderem durch die Solaranlage auf dem Dach und vom Blockheizkraftwerk, das neben dem Wasserspeicher steht. In ihn fließt zudem die Abwärme aus einer nahegelegenen Ölraffinerie. Und alles zusammen ergibt den Wärme-Mix, mit dem das umliegende Wohnquartier versorgt wird.

22,4 Gigawattstunden Wärme pro Jahr produziert der Bunker insgesamt. Der Wasserspeicher macht es möglich, erneuerbare Energie für die Wärmeversorgung eines Wohnviertels zu nutzen.

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"Der Speicher ist die wichtigste Innovation dieses Projektes. Er bunkert nicht nur die Wärme, sondern puffert auch die Bedarfsspitzen ab", sagt Joel Schrage, Fachgebietsleiter Wärmenetze bei Hamburg Energie. "Nachts lädt er sich auf, wodurch die benötigte Heizleistung morgens zur Verfügung steht. Ab sechs Uhr steigt der Bedarf stark an. Die Spitzenheizlast sinkt dadurch erheblich." Dennoch ist ein Spitzenlastkessel notwendig, um die Wärmeversorgung zu Stoßzeiten zu sichern.

Reallabor für die Energiewende

Auf diesen Erfahrungen und technischen Einrichtungen soll das IW3-Reallabor aufbauen, wenn auch die nächste Stufe des laufenden Antragsverfahrens erfolgreich gemeistert wird. Das Bundeswirtschaftsministerium stellt den ausgewählten Projekten von 2019 bis 2022 Fördermittel von jährlich bis zu 100 Millionen Euro in Aussicht.

Zum IW3-Konzept gehört, die Wärme verschiedener Erzeuger und Speicher über ein virtuelles Kraftwerk zu steuern und auf einem "lokalen Wärmemarktplatz" zu handeln. Die Bündelung aller Erzeuger und Verbraucher ermögliche eine "kosteneffiziente Quartiersversorgung".

Tiefen-Geothermie soll Wärmebedarf decken

Für das unterirdische Warmwasser-Reservoir kalkuliert der städtische Versorger mit einer thermischen Leistung von 10 Megawatt; der erwartete Wärmebedarf von etwa 60 Gigawattstunden pro Jahr soll ganz überwiegend mit Hilfe der Tiefen-Geothermie abgedeckt werden. Die Kosten für die Anlage werden im zweistelligen Millionen-Bereich liegen. Deshalb sei das Projekt auch nur mit Förderung realisierbar, so eine Unternehmenssprecherin.

Parallel sollen die Sektoren Wärme, Strom, Mobilität und Industrie intelligent miteinander verbunden werden. "Unser Fernziel ist es, ganz Wilhelmsburg regenerativ zu beheizen", sagte Michael Prinz. "Die Reallabor-Förderung wird uns bei der Umsetzung dieses in der Form einzigartigen Projektes in die Praxis helfen." Derzeit leben gut 55.000 Menschen auf der Elbinsel; wegen des großen Städtebauprogramms der Hansestadt könnte die Zahl in der kommenden Dekade auf bis zu 70.000 Einwohner steigen.

Für Hamburg sind das weitere Schritte auf dem Weg zum Kohleausstieg bis 2030. Dann soll die Wärmeversorgung der Stadt durch einen Mix unterschiedlicher Quellen gewährleistet werden. Dazu gehört die Abwärme aus den Aluminium-, Kupfer- und Stahlhütten im Hafen ebenso wie die vom Klärwerk Dradenau und aus der Müllverbrennung.

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befo.social 02. Okt 2019

Wenn wirklich 25.000 Haushalte an dieses besagte Unternehmen angeschlossen werden und...

chromax 30. Sep 2019

GT ist leider auch nicht die Wunderlösung, eventuell sogar das Problem der Zukunft...

Bramme 20. Sep 2019

Gibt es doch schon seit Jahrzehnten: Jenni Sonnenhaus. Ist aber deutlich teurer als ein...

Eheran 19. Sep 2019

Alles klar, vielen Dank :)

Kay_Ahnung 19. Sep 2019

Jop steht sogar so im Artikel: "Zum IW3-Konzept gehört, die Wärme verschiedener Erzeuger...



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