Wacom Cintiq Companion im Test: Das Grafiktablet mit dem besonderen Stift

Das Cintiq Companion ist das erste richtige Tablet des Digitizer-Spezialisten Wacom. Anders als die bisherigen Grafiktablets von Wacom muss es nicht an einen PC angeschlossen werden, sondern kann auch unterwegs genutzt werden – es ist allerdings ziemlich groß. Das Gerät hat gleich mehrere Besonderheiten : einen matten Touchscreen etwa – obgleich uns in der Vergangenheit etliche Notebookhersteller gesagt haben, dass sie so etwas nicht konstruieren könnten. Dazu kommen ein Standfuß und eine neue Wacom-Stifttechnik, die sich ebenfalls von anderen Wacom-Digitizern unterscheidet, wie sie Samsung, HP oder Lenovo verbauen.

Ausreichend leistungsfähige Technik
Wacom richtet sich mit dem Gerät an professionelle Zeichner und hat es mit ausreichend leistungsfähiger Technik ausgestattet. Das Cintiq Companion nutzt einen Ivy-Bridge-Prozessor vom Typ Core i7-3517U(öffnet im neuen Fenster) . Dieser Chip wurde bereits im Juni 2012 veröffentlicht und wird üblicherweise in Ultrabooks verbaut. Die Rechenleistung genügt für Bildbearbeitung, zumal die integrierte Grafikeinheit HD 4000 bestimmte Filter mit OpenCL beschleunigt. 8 GByte DDR3-1600-Arbeitsspeicher sind Standard in dem Tablet und durch Windows 8.1 in der 64-Bit-Version können diese auch vollständig genutzt werden.















Das 13,3-Display des Grafiktablets löst mit 1.920 x 1.080 Pixeln auf, das IPS-Panel ist jedoch mit 210 cm/m² vergleichsweise dunkel, was den Außeneinsatz einschränkt. Dank des matten Displays müssen aber immerhin keine Spiegellungen überstrahlt werden. Neben einem Digitizer ist auch eine Touchscreen-Schicht vorhanden. Diese Schichten hat Wacom gut untergebracht. Der Abstand zwischen dem Schutzglas und dem eigentlichen Panel ist sehr gering – der Stift zeichnet beinahe auf dem Panel.
Der Hersteller gibt für das Cintiq Companion eine Akkulaufzeit von 7 Stunden an. Wir messen im Productivity-Test des Powermark geschätzte 4:37 Stunden bei maximaler, nicht adaptiver Helligkeit. In der Praxis kamen wir in der Einstellung Hochleistungsmodus auf Werte zwischen 4 und 5 Stunden. Die wechselnde Beleuchtung nervte etwas, ist aber in den Energieoptionen konfigurierter, damit entspannt gezeichnet werden kann.
Wacoms ziemlich schwerer Companion
Mit den Maßen von 375 x 248 mm ist das Cintiq Companion nicht gerade kompakt, selbst für ein 13-Zoll-Gerät. Wie auch bei den regulären Grafiktablets braucht Wacom viel Platz um das Display herum, um den Digitizer zu verbauen, der kreisförmig nach außen verläuft. Wacom sagte uns bereits auf der Ifa, dass dies unumgänglich sei, damit der Stiftwinkel etwa auch in den Ecken noch erkennbar ist.
Mit einem Gewicht von 1,8 kg ist das Tablet zudem ziemlich schwer – in etwa so schwer wie Convertible-Tablet-PCs, die noch ein schweres und stabiles Gelenk sowie eine Tastatur beherbergen müssen. Wacom versucht, diesen Riesen elegant zu gestalten, was teilweise gelungen ist. Langes Arbeiten auf dem Schoß ist wegen des Gewichts jedoch anstrengend.
Um das Halten in der Hand komfortabler zu machen, wurde die Rückseite auf einer Seite mit einer griffigen Kunststoffbeschichtung bezogen. Hält der Nutzer den Stift in der rechten Hand, befindet sich die Beschichtung auf der linken Seite. Auch für Linkshänder kann das Tablet eingestellt werden. Jedoch ist es kaum machbar, das schwere Tablet längere Zeit in der Hand zu halten. Als mobiler Begleiter macht sich das Wacom Cintiq Companion deswegen nicht gut, wenn es beim Zeichnen herumgetragen werden muss.
Viele Sondertasten
Auf der linken Seite befinden sich beliebig belegbare Tasten. Vier Tasten sind ringförmig um die Windows-Taste herum angeordnet; Wacom nennt sie Rocker Ring. Oberhalb und unterhalb des Rings befinden sich je zwei Express Keys. Der Rocker Ring und die Express Keys sollen die Arbeitsabläufe erleichtern. Für Rechtshänder auf der linken Seite gibt es einen Lautstärkeregler und einen Schalter, um das Drehen des Displays zu sperren.















Schlecht platziert wurde der Ein- und Ausschalter: Er befindet sich an der rechten unteren Seite des Geräts. Uns passierte es häufiger, dass wir das Tablet versehentlich in den Ruhezustand versetzten oder abschalteten – vor allem beim Hochheben und beim Tragen in der Tasche wurde die Taste hin und wieder aktiviert. Ein Schiebeschalter wäre eine bessere Lösung gewesen. Immerhin kann der Nutzer den Knopf deaktivierten, während er an dem Gerät arbeitet.
Da das Tablet keine Hardwaretastatur hat, müssen neben dem Stift zwangsläufig die Finger verwendet werden. Zum Navigieren unterstützt der Touchscreen zehn Finger, was auf dem matten, leicht angerauten Display angenehm ist. Wird der Stift genutzt, deaktiviert das Gerät den Touchscreen, sobald er in Erkennungsreichweite ist. Die ist ziemlich groß: Immerhin 2 cm über dem Display wird der Stift bereits erkannt. Das ist mehr als bei vielen anderen Digitizern und minimiert lästiges Vectoring, wenn also der Nutzer etwa mit dem Handballen zeichnet, bevor der Stift in Reichweite ist.
Eine echte Handballenerkennung hat auch Wacoms Cintiq Companion leider nicht. Der Handballen wird also nicht etwa anhand der Fläche erkannt, wie dies bei portablen Tablets der Fall ist. Erkennt das Tablet mit dem kapazitiven Touchscreen irgendetwas Passendes, wird es als Bedienung interpretiert.
Für das Arbeiten am Tisch kann der mitgelieferte Standfuß genutzt werden. Dieser ermöglicht drei verschiedene Positionen, die etwas mühselig einzustellen sind. Die fanden wir während des Tests jeweils sehr angenehm. Der Standfuß ist sehr stabil und behält seine Stellung. Jedoch ist er einfach konstruiert und besteht aus einem Kunstoff, der nicht besonders fest ist. Aus diesem Grund löste er sich bei uns nach häufigem Gebrauch und fiel beim einfachen Anheben vom Tablet ab.
Anschlüsse für die meisten Einsatzzwecke
Auf der rechten Seite – für rechtshändige Nutzer – befinden sich zahlreiche Anschlüsse: zwei USB-3.0-Anschlüsse, ein Mini-Display-Port, ein Kopfhöreranschluss sowie ein Schacht für eine Micro-SD-Karte. Für Videotelefonie hat die Vorderseite eine 2-Megapixel-Kamera und auf der Rückseite befindet sich eine 8-Megapixel-Kamera für Aufnahmen unterwegs. Die Nutzung jener Rückseitenkamera ist jedoch eine Qual, denn das Tablet für einen Schnappschuss anzuheben, ist wegen des Gewichts ziemlich anstrengend. Dieses Tablet ist allerdings auch nicht dafür gedacht, auf einem Konzert mal eben ein Foto von der Bühne zu machen, auch wenn sich die Nutzung von Tablets als Fotokameraersatz durchaus verbreitet.
Sehr präziser Stift
Der mitgelieferte Stift liegt dank des komfortablen Gummigriffs sehr gut in der Hand. Er wird zudem früh vom Display erkannt und macht keine unangenehmen Geräusche beim Zeichnen auf dem Display. Auf der Rückseite befindet sich wie bei den anderen Wacom-Digitizern ein Radiergummi. Mit den Daumen können zwei Tasten bedient werden, die mit den Funktionen für Doppelklick und den rechten Mausklick belegt sind. Ihre Belegung kann der Nutzer aber auch ändern. Eine Halterung für den Stift ist nicht ins Tablet integriert, er muss separat transportiert werden, was die Gefahr eines Verlustes erhöht.
Der Stift ermöglicht ein sehr präzises Arbeiten. Selbst das Klicken am Rand des Displays ist kein Problem. Offenbar zahlt sich hier der extrem breite Rand des Tablets aus. Viele andere Tablets und Tablet-PCs haben insbesondere am Rand Schwierigkeiten mit der Präzision, auch Geräte mit Wacom-Digitizern.















Das Tablet bietet für den Zeichner eine große Nutzungsfläche, die sich sowohl mit Touch als auch mit dem Stift sehr präzise bedienen lässt. Durch die 2.048 Druckstufen des Stifts wirkt das Zeichnen wie auf Papier. Mit der zusätzlichen Möglichkeit, die Neigungsempfindlichkeit einzuschalten, fühlt sich das Arbeiten mit dem Companion noch natürlicher an. Bei der Nutzung von Photoshop kommt es kaum zu Verzögerungen, sofern die Energieeinstellungen auf Höchstleistung gesetzt werden. In Spareinstellungen kann es schon einmal zu leichten Verzögerungen kommen.
Da die Touch-Bedienung deaktiviert wird, sobald der Stift benutzt wird, werden keine Striche durch den Handballen oder Finger erzeugt. Für die Touch-Gesten muss der Nutzer also den Stift anheben. Anwender können zwischen den Windows-Gesten und denen von Wacom wechseln. Die Wacom-Gesten sind beliebig belegbar. Nutzer können auch selbst festlegen, welche Gesten welche Schaltflächen auf dem Display aufrufen, zum Beispiel für das Speichern oder Zoomen.
Mit Hilfe der zusätzlichen Schaltflächen und den Slidern, die per Tastendruck oder durch ausgewählte Gesten erscheinen, können Nutzer eine Mischung aus Touch und Stift verwenden. Das ist praktisch bei Programmen, die wenige Tastenkombinationen benötigen; für Programme, die häufiges Nutzen von vielen Tasten und Tastenkombinationen erfordern, wäre eine zusätzliche Tastatur zu empfehlen.
Arbeiten mit Touch und Digitizer
Für Anwender, die sonst eine Tastatur mit einem Grafiktablet nutzen, ist das Arbeiten mit diesem Mix aus Touch und Stift gewöhnungsbedürftig. Ein bisschen Zeit investieren müssen sie, um die Tasten und Gesten individuell einzustellen und sich so schnelle Arbeitsabläufe ohne Tastatur zu schaffen. Bis alle Einstellungen gemacht sind, ist das störend, da der Arbeitsablauf stetig unterbrochen wird, damit umkonfiguriert werden kann.
Beim Auspacken stinkt was
Die Stifthülle ist im Vergleich zum Standfuß edel verarbeitet, sie beinhaltet den großen Stift sowie weitere neun Spitzen. Farbige Ringe helfen, den Stift individuell zu gestalten, damit er nicht mit Stiften anderer Wacom-Nutzer verwechselt wird. Außerdem gibt es eine kleine Zange, um abgenutzte Spitzen zu wechseln.
Eine wirklich unangenehme Erfahrung war das Auspacken der mitgelieferten Schutzhülle. Diese eigentlich sehr praktische Hülle, die auch Fächer für Netzteil und die Stifthülle hat, überrascht mit einem Geruch, der uns sofort das Fenster aufreißen ließ. In den ersten Tagen nahm zudem auch die Tasche, in der wir das Tablet transportierten, den unangenehmen Geruch der Schutzhülle an. Wer die Hülle nutzen möchte, sollte sie zunächst mehrere Tage auslüften lassen. Leider verhindert auch die mitgelieferte Schutzhülle nicht das versehentliche Bedienen des Ein- und Ausschalters des Cintiq Companion.
Fazit und Verfügbarkeit des Cintiq Companion
Wacoms Cintiq Companion ist bereits verfügbar. Die Variante mit 256 GByte Flash-Speicher wird im eigenen Onlineshop für 1.900 Euro angeboten. Mit 512 GByte kostet das Gerät 2.400 Euro. Es wird von Wacom direkt angeboten. Ein Ersatzstift mit Hülle kostet 80 Euro.















Fazit
Das Wacom Cintiq Companion ist zu groß, um wie herkömmliche Tablets genutzt werden zu können. Seine Größe ermöglicht aber auch eine große Arbeitsfläche. Leider ist es unpraktisch, das Gerät unterwegs zu nutzen, die Möglichkeit, es an einen anderen Arbeitsplatz mitzunehmen, ist aber attraktiv.
Durch die Druckempfindlichkeit des Stiftes fühlt sich das Zeichnen an wie auf Papier. Verstärkt wird dies durch den geringen Abstand zwischen dem Schutzglas und dem eigentlichen Panel, der die Präzision erhöht. Wer sich die Zeit nimmt, die Gesten und Tasten zu seinem Arbeitsablauf passend einzustellen, kann diesen mit dem Tablet effizient beschleunigen, wodurch eine zusätzliche Tastatur für viele Anwendungen unnötig wird.
Für den üblichen Tabletgebrauch ist das Wacom Cintiq Companion zu teuer, für den intensiven Gebrauch als Grafiktablet an jedem Ort aber angemessen. Daher ist es trotz des hohen Preises für Grafiktabletnutzer empfehlenswert.