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Vyommitra : Indien will humanoiden Roboter ins Weltall schicken

Die Gaganyaan-Missionen der indischen Raumfahrtorganisation Isro sollen in diesem Jahr beginnen. Doch bevor Menschen ins All geschickt werden, fliegt ein weiblich aussehender humanoider Roboter zuerst in die Schwerelosigkeit.
/ Patrick Klapetz
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Der weiblich aussehende humanoide Roboter Vyommitra wird vorgestellt. (Bild: Isro)
Der weiblich aussehende humanoide Roboter Vyommitra wird vorgestellt. Bild: Isro

In wenigen Monaten will die indische Weltraumforschungsorganisation Isro ihre eigene Raumkapsel für astronautische Missionen im Weltraum testen(öffnet im neuen Fenster) . An Bord wird sich zwar noch kein Mensch befinden, dafür aber ein weiblich aussehender humanoider Roboter: Vyommitra.

Diese wird mit der zweiten Gaganyaan-Mission ins Weltall aufbrechen. Bei Gaganyaan-1 handelt es sich noch um eine Demonstration unter Weltraumbedingungen, bei der sich keine Besatzung an Bord befinden wird. Der Launch könnte im Juni 2024 erfolgen. Weitere Missionen sollen kurz darauf folgen.

"Die unbemannte Mission Vyommitra ist für das dritte Quartal dieses Jahres geplant, während die bemannte Mission Gaganyaan im nächsten Jahr, also 2025, gestartet werden soll" , erklärte Unionsminister Jitendra Singh für Wissenschaft und Technologie am 4. Februar 2024 in Delhi während eines Treffens mit Medienvertretern.

Bisher ist der zweite Flug, an dem auch der Humanoid teilnehmen wird, für Dezember 2024 gelistet(öffnet im neuen Fenster) . Doch dieser Raumflug wurde laut dem Minister scheinbar vorgezogen. 

Vyommitra: Ein Roboter soll ins Weltall fliegen

Statt Versuchstiere an Bord mitfliegen zu lassen, um so die Schwerelosigkeit und die Strahlung in der Weltraumumgebung besser zu verstehen, soll ein Roboter diese Aufgabe übernehmen. Die Isro hofft, dass ein solcher Roboter der Besatzung bei künftigen Missionen helfen kann.

Dieser weibliche Astronautenroboter wird dabei nicht nur als Passagier mitfliegen. Er ist in der Lage, die Parameter des Moduls zu überwachen, mögliche Warnungen zu verkünden und lebenserhaltende Maßnahmen durchzuführen. Dabei kann er Aufgaben wie die Bedienung von sechs Schalttafeln und die Beantwortung von Fragen übernehmen. Der Name leitet sich von zwei Sanskrit-Wörtern ab, erklärt der Minister: Vyoma (für Raum) und Mitra (für Freund) – also so viel wie "Freund des Weltraums" .

Mit Gaganyaan will Indien Menschen ins All bringen

Der Abbruch des Gaganyaan-Starts (TV-D1) wurde am 21. Oktober 2023 zuletzt erfolgreich getestet. Er diente der Qualifizierung des Fallschirmsystems und des Rettungssystems für die Besatzung. Ebenso sind die Trägerrakete und alle Antriebsstufen betriebsbereit. Somit sind alle Vorbereitungen für einen bevorstehenden Weltraumtest getroffen.

Mit Gaganyaan soll die indische Fähigkeit demonstriert werden, Menschen in den Weltraum zu bringen. Derzeit sind dazu nur die USA (mit Firmen wie SpaceX, bald auch Boeing und andere), Russland und China in der Lage.

Voraussichtlich im Januar 2025 soll deswegen eine dreiköpfige Besatzung in einer 5,3 Tonnen schweren Kapsel für etwa drei Tage in eine erdnahe Umlaufbahn gebracht werden. Diese soll in einer Höhe von 400 Kilometern die Erde umrunden und anschließend in den indischen Gewässern wieder landen.

Erst im August 2023 konnte die indische Raumfahrtorganisation eine Landefähre und einen Rover sicher auf der Mondoberfläche landen lassen . Bis Ende 2022 war noch der indische Mars-Orbiter MOM im Einsatz . Im Oktober letzten Jahres wies Premierminister Narendra Modi die Isro-Führungsspitze an, einen Inder auf den Mond zu bringen und bis 2035 eine eigene Raumstation zu errichten.

Indien wünscht sich mehr weibliche Astronauten

Im Oktober hatte der Isro-Chef Sreedhara Panicker Somanath zudem verraten(öffnet im neuen Fenster) , dass weibliche Testpiloten oder Wissenschaftlerinnen für die Gaganyaan-Missionen bevorzugt würden. Jedoch sei es schwierig, qualifizierte Kandidatinnen zu finden.

"Im Moment sind die ersten Kandidaten Testpiloten der Luftwaffe" , erklärt Somanath. Doch in Indien gibt es keine Testpilotinnen der Luftwaffe. Entsprechend werden die weiblichen Besatzungsmitglieder voraussichtlich aus der Forschung kommen – doch dafür müssen noch die wissenschaftlichen Aktivitäten während der Weltraummissionen ausgebaut werden.

Während des ersten astronautischen Raumfluges wird die menschliche Besatzung ausschließlich aus Männern bestehen. Der humanoide Roboter wird somit die einzige Frau repräsentieren – zumindest vom optischen Faktor her. Die Raumanzüge der Crew werden vermutlich aus Russland kommen. Doch das ist noch unsicher. Vielleicht wird bis dahin im eigenen Land ein Raumanzug entwickelt.


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