VW-Land: Niedersachsen drängt auf Prämie für gebrauchte E-Autos

Der Staat fördert neue Elektroautos, auch wenn sie aus China kommen. Das ärgert Niedersachsens Ministerpräsidenten Olaf Lies. Der SPD-Politiker schlägt vor, stattdessen zwei bis drei Jahre alte Leasing-Rückläufer zu bezuschussen, wie Wochenzeitung Die Zeit berichtet(öffnet im neuen Fenster) .
Was sich Lies davon verspricht
Das Modell könnte gleich mehrere Probleme lösen. Menschen mit kleinerem Budget könnten sich ein Elektroauto leisten. Die Restwerte gebrauchter Fahrzeuge würden steigen. Das wiederum würde das Leasing neuer Modelle günstiger machen. Und vor allem: Die Förderung würde hauptsächlich europäischen Herstellern zugutekommen, denn auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind überwiegend europäische Elektrofahrzeuge verfügbar.
Die schwarz-rote Bundesregierung hatte sich im November 2025 auf ein Förderprogramm für Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen geeinigt. Das Programm soll zunächst nur Neuwagen unterstützen. Für eine zweite Programmphase sind Regelungen für Gebrauchtwagen geplant – wann diese kommt, ist offen.
Flexibler nach 2035
Zur Diskussion über das EU-Verbrenner-Aus äußerte sich Lies ebenfalls. Es sei sinnvoll, über 2035 hinaus auch andere Technologien neben reinen Elektroautos zuzulassen. Die E-Mobilität solle aber Hauptziel bleiben. Die Formulierung "Aus vom Verbrenner-Aus" hält er für irreführend – sie erwecke den falschen Eindruck, die Elektromobilität werde aufgegeben.
Der SPD-Politiker rechnet mit einem Elektroanteil von deutlich über 80 Prozent beim Autoabsatz nach 2035. Die EU-Kommission hatte ihre Pläne für ein striktes Verbrenner-Aus kürzlich angepasst und auch nach 2035 können noch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor neu zugelassen werden.
VW-Land unter Druck
Niedersachsen ist als Stammsitz des Volkswagen-Konzerns besonders von der Transformation der Automobilindustrie betroffen. Die Förderung von Gebrauchtwagen könnte nach Lies' Einschätzung sowohl den Absatz ankurbeln als auch die heimische Industrie stärken. Der Fall zeigt: In der E-Auto-Förderung geht es längst nicht mehr nur um Klimaschutz, sondern auch um Standortpolitik gegen chinesische Konkurrenz.