VW-Konzern: Viele Lücken in Rivian-Software

Die Softwarekooperation zwischen VW und dem US-Start-up Rivian läuft offenbar nicht zur Zufriedenheit vieler Konzernmanager. So fehlten der Basisarchitektur von Rivian viele Funktionen, die in den Autos der verschiedenen VW-Marken längst üblich sei, berichtete das Manager-Magazin(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf nicht namentlich genannte VW-Mitarbeiter. Doch die Verträge sähen nur die Lieferung von Basisfunktionen vor.
Nach jahrelangen Verzögerungen bei der Konzerntochter Cariad entschied sich VW im Sommer 2024 dazu , ein Joint Venture mit dem US-Elektroautohersteller Rivian zu gründen. Der vollelektrische Kleinwagen ID.1 soll als erstes Modell des gesamten VW-Konzerns die neue Softwarearchitektur nutzen. Der Verkaufsstart des ID.1 ist für 2027 geplant. "Wenn Rivian nicht klappt, können wir unser Grab schaufeln" , soll ein Konzernvorstand nach Angaben eines Topmanagers gesagt haben.
Nur Basisfunktionen verfügbar
Doch inzwischen sind die Entwickler des Gemeinschaftsunternehmens Joint Venture RV Tech schon in Verzug geraten. Vor den angekündigten Wintertests des ID.1 in Schweden Anfang Februar 2026 fehle noch ein letztes Softwarepaket, schreibt das Magazin. Nun sei das Paket für Ende Januar angekündigt. Daher vermieden die VW-Tester zunächst öffentliche Straßen. Sie wollten keine Risiken eingehen.
Fehlende Funktionen müssten die VW-Entwickler selbst nachliefern. So ließe sich bei Rivian bislang nur ein Mobiltelefon einbinden. Die Klimaregelung weise ebenfalls Defizite auf. "An und aus, viel mehr kann Rivian nicht" , zitiert das Magazin einen Beteiligten.
Audi-Manager "erschüttert"
Nach dem ID.1 soll das Audi-SUV Q8 E-Tron ebenfalls die neue Softwarearchitektur nutzen. Doch den Audi-Managern habe nicht gefallen, was geliefert worden sei. Die Prüfung der Verträge habe jedoch ergeben, dass Rivian den vereinbarten Funktionskatalog geliefert habe. Die Details der Verträge hätten bei Audi viele erschüttert, schreibt das Magazin. Es hätten sich viele Leerstellen aufgetan.
Rivian müsse etwa nur das liefern, was bei dem Start-up bereits vorhanden sei, und nicht das, was Audi gerne bekommen hätte. So sei die Software vor allem für den US-Markt entwickelt, der Code werde nicht offengelegt. Eine Taskforce bei Audi solle nun analysieren, was genau geliefert werde. Die Antischlupfregelungen, die Dynamikregler, das Ansteuern der Lenkung, "da sind Audi und Porsche so gut; die Lücke ist gewaltig" , zitiert das Magazin einen führenden Entwickler des VW-Konzerns.
Keine Rivian-Software für Verbrenner
Darüber hinaus soll sich VW dazu entschieden haben, die Rivian-Software nicht für Verbrennermodelle weiterzuentwickeln. Von der Architektur aus dem Joint Venture, sie umfasst auch Steuergeräte, könnten demnach höchstens "einige Eckelemente" übernommen werden. Eine eigene Organisation, die aus Teams von Cariad und den Konzernmarken gebildet werde, solle sich bis zum Jahr 2030 um die Software für Verbrennermodelle kümmern.
RV Tech verfügt derzeit über 1.500 Mitarbeiter. Cariad hat weiterhin deutlich mehr Mitarbeiter, davon alleine 1.300 in Berlin. Die ursprüngliche Zahl von 5.900 Mitarbeitern soll aber um 30 Prozent reduziert werden .



