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VW ID.7 vorgestellt: Die VW-Limousine für die Welt

CES 2023
Volkswagen bringt in diesem Jahr mit dem ID.7 einen elektrischen Nachfolger für den Passat. In Las Vegas trägt die Limousine noch Tarnlackierung.
/ Dirk Kunde
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VW zeigt den ID.7 in Las Vegas in einer bunten Tarnlackierung. (Bild: Dirk Kunde)
VW zeigt den ID.7 in Las Vegas in einer bunten Tarnlackierung. Bild: Dirk Kunde

Der Regen macht Thomas Schäfer einen Strich durch die Rechnung. Eigentlich wollte der Chef der Marke Volkswagen den ID7 in einem ausgetrockneten Flussbett in der Wüste Nevadas präsentieren. Doch die Niederschläge der vergangenen Tage haben den Boden aufgeweicht. Nun steht Schäfer auf einer improvisierten Bühne auf dem Außengelände der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas. Die Handwerker sind noch dabei, den VW-Kubus fertigzustellen.

"Wir sind nach sechs Jahren erstmals wieder bei der CES" , sagt Schäfer im Gespräch mit Golem.de. Dieser Auftritt ist wichtig für Volkswagen. Der VW ID.7 wird in China, Nordamerika und Europa angeboten. Zusammen mit dem ID.4 ist es ein sogenanntes Weltauto für den Konzern. Neben SUVs ist das Segment der Limousinen von großer Bedeutung für den Autohersteller. Vor allem Flottenbetreiber für Miet- und Dienstwagen hat Schäfer im Auge.

Premiere im April 2023

Die 4,97 Meter lange Limousine soll bisherige Passat-Fahrer zum Umsteigen aufs Elektroauto bewegen. Darum wird es auch eine Kombi-Version des ID.7 geben. "Wir schnüren hier ein Paket zu einem attraktiven Preis" , sagt Schäfer. Allerdings bleiben an diesem Abend sowohl die Preise als auch die meisten technischen Details ungenannt(öffnet im neuen Fenster) , da die eigentliche Premiere für April 2023 vorgesehen ist.

Für den Messeauftritt in Las Vegas hat der Wagen noch eine Camouflage-Lackierung im QR-Code-Design. Die Außenhaut besteht aus 40 Lackschichten, von denen einige leuchten, wenn sie unter Strom gesetzt werden. Das ist natürlich keine Serienausstattung, denn Farbe und Kabel fügen 70 kg zum Fahrzeuggewicht hinzu. Die hellen Scheinwerfer der Arbeiter machen es auf dem Außengelände schwer, die leuchtenden Elemente des Lacks zu erkennen. In der dunklen Wüste hätte das besser funktioniert.

Luft fächeln

Dafür bekommt man mit der guten Ausleuchtung ein besseres Gefühl für die Größe des ID.7. Mit einem Radstand von 2,97 Metern bietet er Passagieren auf beiden Sitzreihen viel Raum und noch 500 Liter Volumen im Kofferraum. Auf einen Frunk verzichtet Volkswagen. Die Dachlinie ist weit nach hinten gezogen, so dass auch auf der Rückbank ausreichend Kopffreiheit bleibt. Ein optionales Glasdach liefert noch einige Zentimeter mehr Luft über den Haaren.

Leider dürfen wir Journalisten an diesem Abend noch nicht in der Limousine Platz nehmen und uns vom Raumangebot überzeugen. Schäfer verspricht eine Ausstattung, die hochwertig ausfällt und sich deutlich vom Einstiegsmodell ID.3 absetzt. Ein Head-up-Display gehört zur Standardausstattung. Der zentrale Bildschirm wächst auf 38 cm Diagonale (15 Zoll). Die Schiebeflächen für Lautstärke und Klimaanlage werden beleuchtet.

Die übrigen Einstellungen für die Klimaanlage liegen auf der obersten Menüebene des Bildschirms. Die Lüftungsklappen bekommen Motoren. Volkswagen nennt sie Smart Air Vents. Nähert sich der Fahrer dem Fahrzeug, pustet die Klimaanlage an heißen Tagen kühle Luft in den Innenraum. Die Klappen wedeln die Luft gleichmäßig in alle vier Richtungen. An kalten Tagen wird selbstverständlich warme Luft im Innenraum verteilt. Die Sprachsteuerung reagiert auf "Ich habe kalte Hände" , mit dem Einschalten der Lenkradheizung und lenkt warme Luft mit Hilfe der Smart Air Vents in Richtung der Hände am Lenkrad.

Bis zu 700 km weit fahren

Gebaut wird der ID.7 für Europa in Emden. Die Limousine nutzt die MEB-Plattform. Mit einem schätzungsweise 90 Kilowattstunden (kWh) fassenden Akku soll der ID.7 bis zu 700 km weit kommen. Das bedeutet rechnerisch den erstaunlich niedrigen Verbrauch von 13 kWh pro 100 km. Die Werte mag niemand von VW bestätigen.

Der Pressesprecher verweist auf die Aerodynamik. Der Wagen wurde bislang als Aero B bezeichnet. Die Wolfsburger setzen das Wort aus den englischen Begriffen Aerodynamics und Roominess zusammen. Lufteinlässe in der Front leiten den Fahrtwind durch die Radkästen seitlich am Fahrzeug entlang. Das bildet einen sogenannten Air Curtain, der den Luftstrom beruhigt und Verwirbelungen minimiert.

Niedriger cw-Wert von schätzungsweise 0,23

Der Luftwiderstandsbeiwert (cw-Wert) dürfte nach der Homologation schätzungsweise bei 0,23 liegen. Mit 1,53 Metern ist die Limousine recht hoch. Von vorn erkennt man, dass das Greenhouse nach oben schlanker wird. Die langsam abfallende Dachlinie zum Heck unterstützt zusätzlich die Aerodynamik. Neben dem geringen Verbrauch will der ID 7 mit hoher Ladeleistung punkten. Die dürfte in der Spitze bei rund 200 kW liegen.

Angetrieben wird das sechste Modell der ID-Reihe mit einem Asynchronmotor an der Frontachse sowie einem permanent erregten Synchronmotor an der Heckachse. Hier dürfte die Konfiguration der GTX-Versionen vom ID.4/5 zum Einsatz kommen, die genauen Leistungswerte bleiben ein Geheimnis.

Electrify America schon mit 820 Ladestationen

Welche Hoffnung der Konzern auf den ID 7 in den USA setzt, erläutert Jeffrey Lear. Er ist Produktmanager für E-Autos der Marke VW. Aktuell hat Volkswagen einen Marktanteil von 2,2 Prozent in den USA. Das möchte der Hersteller mittelfristig auf fünf Prozent ausbauen. Mit rund 45 Prozent Marktanteil dominieren die SUV. Der Marktanteil für Limousinen oder Sedans, wie sie in den USA genannt werden, liegt bei 15 Prozent.

Hier sieht Lear Wachstumsfelder für die Weltautos. Zum Erfolg soll auch das Tochterunternehmen Electrify America beitragen. Es ist inzwischen mit 820 Stationen und 3.500 Ladepunkten in 45 Staaten das größte Schnellladenetz der USA. Bis 2026 soll es auf 1.800 Stationen mit 10.000 Ladepunkten wachsen.

Plug & Charge schon verfügbar

In den Stationen ist der Ladestandard Plug & Charge bereits realisiert. Davon können wir Journalisten uns auf einer Testfahrt im VW ID.4 von Los Angeles nach Las Vegas überzeugen. In Barstow auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums muss man lediglich das Ladekabel mit dem Auto verbinden, der Ladevorgang startet ohne Autorisierung per Ladekarte oder Smartphone-App. Da alle sechs Ladepunkte belegt sind, steigt unsere Ladeleistung nicht über 65 kWh. Maximal sind 350 kW möglich.

Der Strompreis liegt aktuell bei 0,43 Dollar pro Kilowattstunde. Mit einer monatlichen Gebühr von vier Dollar sinkt der Preis pro kWh auf 0,31 Dollar. Durchschnittlich liegen die Stromtarife für private Haushalte in den USA zwischen 0,09 und 0,13 Dollar. Zuhause laden ist also auch hier die günstigste Variante. Dafür bietet das Unternehmen mit Electrify Home Wallboxen an.

Gute Rekuperation

Bei 80 Prozent Ladezustand haben wir ausreichend Reichweite für die verbleibenden 240 km bis Las Vegas. Doch auf der Etappe durch die Berge der Mojave Wüste müssen wir auf 1.445 Meter hoch. Die Reichweite sinkt schneller als erwartet. Das Navigationssystem sagt uns, dass wir unser Ziel nicht erreichen werden und noch einen weiteren Ladestopp machen müssen. Doch sobald wir nach dem Mountain Pass hinab ins Tal rollen, rekuperiert der ID.4 so stark, dass wir unser Ziel erreichen. Bei Ankunft am Hotel hat der Akku noch 14 Prozent Kapazität. Mit der größeren Reichweite im ID.7 hätten wir den aufregenden Moment der Reichweitenangst nicht erlebt. Doch in Las Vegas gilt für die Weltlimousine: Nur leuchten, nicht rollen.

Offenlegung: Golem.de nimmt auf Einladung von Volkswagen an der CES 2023 in Las Vegas teil. Die Kosten für die Anreise und Übernachtung wurden zur Gänze von Volkswagen übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.


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