VW: Es läuft nicht super beim ID.3

Es soll der neue Wagen für die breite Masse werden, wenn er im Sommer auf den Markt kommt: Auf das Elektroauto ID.3 konzentriert sich derzeit alles beim Wolfsburger Autokonzern Volkswagen (VW). Allerdings sieht es aktuell nicht so aus, als könnte das Fahrzeug wie geplant im Sommer in großer Stückzahl ausgeliefert werden.
"Das ist nicht mehr zum Lachen" , sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) . "Das Auto ist weit entfernt von der Marktreife." Schon Ende vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass VW ein massives Problem beim ID.3 hat. Beim Bau kann die Software, ohne die das Auto nicht fährt, nicht direkt installiert werden. Deshalb laufen die Fahrzeuge halb fertig vom Band und werden auf riesigen Parkplätzen zwischengelagert. Die Installation soll später von Hand erfolgen.
Der Konzern bestätigte der Zeitung die Probleme. Zum Start würden die Fahrzeuge voraussichtlich mit einer eingeschränkten Software ausgeliefert. Die fehlenden Funktionen sollten später per Update geliefert werden. "Super läuft es nicht" , resümierte ein Sprecher.
VW hält derweil an der Auslieferung im Sommer fest . Dies betonte Konzernchef Herbert Diess in dieser Woche in einer ZDF-Talkshow. Er sei optimistisch, dass der ID.3 wie geplant im Sommer kommen könne. Aktuell steht die Produktion bei den Autokonzernen wegen des Coronavirus indes weitgehend still.

VW ist nicht der einzige deutsche Automobilhersteller, der Schwierigkeiten mit der Software hat. Daimler kam deshalb auf die Idee, sich mit einem der inländischen Konkurrenten zusammenzutun und gemeinsam Software für Elektroautos zu entwickeln. Dazu verhandelten die Stuttgarter sowohl mit VW als auch mit BMW über eine Zusammenarbeit - im Geheimen und im Fall von VW auf oberster Ebene, wie jetzt herauskam.
Es sei "eine Konstellation wie in einer Seifenoper" , schreibt die Süddeutsche Zeitung: "Daimler fährt zweigleisig - und macht die großen deutschen Autokonzerne damit zu den Protagonisten einer skurrilen Dreiecksgeschichte. Wer kriegt die Braut?" Dass alle drei kooperieren, ist unwahrscheinlich - wegen der jeweiligen Interessen der Hersteller, aber auch aus kartellrechtlichen Gründen.
Für VW drängt die Zeit: Zum einen soll der ID.3 der Nachfolger von Käfer und Golf werden . Für seine Produktion baute der Konzern sein Werk in Zwickau in Sachsen um . Für die Transformation investiert VW rund 1,2 Milliarden Euro.
Zum anderen muss der Konzern bis Ende des Jahres 100.000 Elektroautos auf die Straße bringen. Andernfalls verfehlt er die von der Europäischen Union vorgegebenen Flotten-Emissionsziele und muss Strafe zahlen.



